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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1033

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1033 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es JudenthumS. Feuilleton-SeUage;u Ar. 51. Leipzig, den 21. December 1869. Zwei Skizzen ans der Religionsgeschichte Schwedens. Mitgetheilt voil Dr. £ £cuil)föl)U, Rabbiner zu Stockholm. 1. Erst in der letztern Hälfte des 18. Jahrhunderts siedelten sich Juden in Schweden an. Der erste Jude, der 1777 in Helsingborg als Bürger sich niederließ, war Jsaac Ulman aus Parchim im Mecklenburgischen*). Der Begründer der freiern lichtern Anschauung auf dem Gebiete der Religionstoleranz war der beinahe größtenteils in Frankreich erzogene König Gustav III. Einen Tag vor dem Tode seines Vaters, den 11. Februar 1771, schrieb er von Paris aus an seine Mutter Ulrike Louise (Schwester Friedrichs des Großen) über die Verhandlungen des französischen Senats Betreffs der Juden in Frankreich: ,,068 que cette affaire sera une fois terminee., je täclierai de les sonder, sur celle des Juifs. II est tres certain, que ce serait un grand avantage pour le Royaume (nämlich Schweden), que des gens aussi industrieux, que le sont les Juifs pourraient s’y etablir. Dans 15 jours peut-etre, je pourrai dire quelque cliose de plus positif“**). Gleichwohl giebt es schon vor der Regierungszeit dieses Königs manigfache Berührungspunkte in der Religionsgeschichte Schwedens, welche für die Geschichte des Judenthums nicht ohne Bedeutung sind. Sie sind um so interessanter als zur Zeit der im Folgenden mitgetheilten Begebenheit keine Juden in Schweden sich aufhalten dnrften, und der Impuls zur angedeuteten Begebenheit von innen heraus kam. — Ich habe bereits vor Jahren eine Skizze unter dem Titel: „Eine Proselyten-Familie aus dem vorigen *) Siehe meine MiMeiluug in Biccurim 1. Jabrg. S. 169 ff. **) Historirtka Skrifter af F. A. von Fersens < Stockbolm 1809) 3. Theil. @.417. Jahrhundert" veröffentlicht***), deren Hauptperson 1680 in der schwedischen Provinzialstadt Linköping gelebt hat. Nachstehende Begebenheit hat ein älteres Datum, spielt aber unter dem vorhergehenden König Gustav Adolph II. in derselben Stadt. Sie wird im 9. Iahrg. der in Upsala erscheinenden „Tlieologisk Tidskrift“ 5. Heft, S. 306 ff. von dem Docenten daselbst Th. Norlin mitgetheilt; sie führt die Ueberschrift: Fyra svenska juda- .ster pa Gustaf Adolfs II. tid (Vier dem Judaismus sich hinnetgende Schweden unter G. A. II. Zeit) und sei hier in Übersetzung wiedergegeben. „Die wunderliche Neigung zum Judaismus, Die in der andern Hälfte des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts in weit von einander geschiedenen Lanostrecken bei unserm schwedischen Volke sich zeigte, konnte von der Geschichtsforschung bis jetzt weder mit Sicherheit in ihren Grundursachen erklärt, noch in ihrer Beschaffenheit und Ausdehnung mit gebührender Genauigkeit dargestellt werden. Ein gewisses Dunkel ruht fortwährend auf dieser eigentümlichen Bewegung, welche nach den Zeiten der Apostel einzig in der Geschichte der christlichen Kirche dasteht. Folgender Aufsatz dürfte indessen einiges Licht, wenigstens über einen gewissen Zeitpunkt in der Geschichte des schwedischen Judaismus verbreiten. In seiner bekannten Kirchengeschichte (Inventarium ecclesiae Sveo-Goth. @. 701) berichtet Baazius, daß zu Linköping im Jahre 1618 einige Schwärmer, welche in einem jüdischen Geiste wunderliche und ketzerische Dinge um Christus und das Evangelium äußerten, von den Bischöfen des Reiches geprüft und als Gotteslästerer zum Tode verurtheilt wurden, welches Urtheil Gustav Adolph II. vollziehen ließ. Es war jedoch nicht 1618, sondern 1619, als Solches sich zutrug. Gustav Adolph kam in diesem Jahre nach Linköping um der Beisetzung seiner Schwester, der verstorbenen Herzogin Maria Elisabeth, welche den 20. Januar 161 9 stattfand, beizuwohnen. Die Bischöfe des Reiches waren zugegen, und gleichzeitig trat in ihren Kreis der große Rudbeck ein, der in sein Amt den 28. Jan. 1619 in der Domkirche zu Linköping eingeführt wurde. ***i In der Frankcl'schen Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 1856, S. 67 ff. Erweitert in Biccurim 2. Iahrg. S. 78 ff.

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