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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1029

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1029 (sequence 13)
Language
German
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1029 schule, von Cincinnati unterhalten, fährt fort ihre Dienste zu leiste», wie auch die Waisenanstalt.*) Italien. Aus Oberitalien 22. November. (Privatmitth.) Es ist doch endlich Zeit, daß ich Ihnen wieder schreibe, wäre es auch bloß um Ihnen zu beweisen, daß ich stets auf der Warte stehe, um Ihnen Berichte zu erstatten, wenn sich ein Gegenstand hiezu darbietet. Allein die jüngste Zeit hat uns nichts besonders Bemerkenswerches gebracht. Unsere jüdischen Zeitschriften bringen zwar hin und wieder Notizen, die nicht unangenehm zu hören sind, allein diese beziehen sich großen Theils auf unsere Verhältnisse zum Staats- und Militärdienste, auf Leistungen in bürgerlicher, allgemein wissenschaftlicher, industrieller Hinsicht. Nun da sind unsere Glaubensbrüder durchaus Italiener, und werden ihre Leistungen in der That sowol von der Regierung als von den Mitbürgern völlig gewürdigt. Sehr häufig sind die Auszeichnungen, welche ihnen vom Könige und dessen Regierung zu Theil werden; ja wir haben letzthin wieder zwei decorirte Rabbiner, Olper von Turin, und Mortara von Mantua; daß unsere Jugend sich in allen Lehranstalten, welche sie besucht, Ehre macht, ist auch bei uns wie sonst überall der Fall. Diese Thatsachen sind ganz in der Ordnung, und dürfen in einem Staate wie der unsrige und in einem Lande wie Italien, wo die bedeutende Mehrzahl selbst der Menschen des nieder» Standes sehr iveit von Judenhaß oder Unduldsamkeit entfernt sind (wenige Oertlichkeiten ausgenommen), gar nicht Wunder nehmen. Die glückliche vielseitige Begabung Unseres Stammes ist nun einmal über allen Zweifel erhärtet, so daß wir es wahrlich nicht nöthig haben, bei jedem einzelnen Erfolge in die Posaune zu blasen, und die Mitwelt darauf aufmerksam zu machen, während diese leider oft nur allzueifrig mit scheelem Auge unser rasches und rüstiges Fortschreiten auf allen reinmenschlichen Gebieten ansieht. Kaum daß unsere Tagcs- oder Wochenblätter auf derlei Notizen Rücksicht nehmen *> Einige fernere Zeilen des Schreibens waren nicht zu entziffern, da der geehrte Herr Cohn nur in äußerster Eile sein Schreiben entwerfen konnte. sollten, wenigstens in den Ländern nicht, wo die Gewissensfreiheit und die Gleichheit vor dem Gesetze nicht bloß auf der Charte stehen, sondern in allen Gliederungen des Staates wirkliche Thatsachen sind. Was den israelitischen Beobacher beschäftigen muß, ist das Leben und die Bewegung auf israelitischem Gebiete. Und hievon ist eben wenig und nicht sehr Erfreuliches mitzutheilen. Zwar ist in der Mehrzahl der Gemeinden das Gemeindewesen noch immer in Ehren gehaleen; allein gilt es eine allgemeine höhere Institution, nun da herrscht größtentheils Lauheit oder Kälte. So scheint die beredte Ansprache des Comite's für die Erhaltung des Paduaner Collegiums fast ohne Wirkung verhallt zu sein. Die einzige namhafte Offerte hiefür ist die der Paduaner Gemeinde per frcs. 1200 jährlich. Es haben zwar auch noch andere Gemeinden als Vercelli, Casale, Modena, Venedig, Florenz gezeichnet; allein im Verhältniß zu Padua gar wenig. So dürfte denn doch eintreten, was ich stets beinahe für eine Unmöglichkeit hielt: die Schließung des Paduaner Rabbiner- Collegiums! Mit welch wehmüthigem Gefühle ich diese Befürchtung niederschreibe, kann ich nicht genug ansdrücken. Nehmen wir einen andern Gegenstand. Die Leipziger Synode ist gewiß bereits von der israelitischen Presse aller Länder besprochen worden, und überall hat sich die öffentliche Meinung für oder wider deren Beschlüsse gebildet und ausgesprochen. Unser Corriere Israeli lico bringt einen trockenen Bericht der Sitzungen und zwar stückweise in nicht starker Dose, so daß erst das Novemberhest den Schluß desselben enthält. Der Educatore Israelita hat sich Vorbehalten sich über die Resultate der Synode auszusprechen. Allein leider scheint die angegriffene Gesundheit des braven Prof. Levi noch nicht so hergestellt zu sein, um ihm eine anstrengende Arbeit zu erlauben. Unterdessen erlauben sich konservativ zu sein sich dünkende Correspondenten gegen die ehrwürdige Versammlung Steine zu werfen, und zwar auf Grund unbedeutender Aeußerungen, die vom Univers Israelite gewissen Mitgliedern der Synode in den Mund gelegt werden. Wie kann sich bei solchem Verfahre» eine öffentliche Meinung bilden und aufklären?*) *) Und was ist diesen „Religiösen" Wahrheit und Wahrheitsliebe? O die Religion, die solche Pfleger hat! Redakt.

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