Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1869)
- Date
- 1869-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
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Sabbat zwischen mir und Euch; ein Zeichen für ewig!" 2. B. M. 31, 13. 17, — während es von der Beschneidung heißtrr-ia r^b rtrv'n^'fiefet ein,,B und es-Zeichen zwischen mir und Euch, und zwar: 2b4!? n''^3b ,C3"rnnb für Euere Nachkommen, zirm ewigen Bund!" 1. B. M. 17,11. Eben io sind jedem Sach- und Fachkundigen die diesbezüglichen Lalmudstellen wie die Äußerungen der spätern maßgebendsten rabbinischen Autoritäten darüber bekannt; was z. B. der Talmud hierüber im Traktat Sabbat, Nedarim Sanhedrin, Abot u. m. enthält; wobei noch in Rücksicht auf die n^3- Strafe die talm. Interpretation in Soh.!)!)a besonders zu beachten sei: 3"n?b r-on ,r"n?3 n-on ,msn n^3n*); oder wie Tnr und Maimoni sich darüber äußern. Ersterer: yr’Erii mx?2n 73 18U53 713-81 ern nb^^n bza man -po*’ an-onmaoi rj'^n v?iap C73?77 7373 3*377 *1:3 1773*3 •’rn rn-?73i ir^icss Dinn ns .... „Die Beschneiduug ist nicht gleich den andern Geboten. Sie ist ein Bundeszeichen an unserem Fleische, das HauPtzeugniß, daß Gott uns besonders zu seinem Volke erkoren hat." — Tur I. D. 260. — Letzterer: bs ... nb"'3 n‘-n?2n 77733 rs«*-n 83 rrb-73 77 b?v4* mn—a *3b*3 •rrb? •’rro: minr: mäpa .mr-13 771*337 3b3 -rv-33 „Hochwichtig ist die Beschneidung; während über alle Gebote der Tora drei, sind über die Beschneidung dreizehn Bündnisse mit Israel geschlossen worden" u. s. w. — Maim. Mila 3, 8, 0. — Siehe auch Rabb. Lipman Hellir, zu Nedarim 3,11.) Solche und ähnliche viele Stellen sind also jedem jüd. Theologen mindestens so gut, wie Hrn. Sz. bekannt, nur daß Letzterer eben nur so viel von diesen eitirt und diesen Citaten wieder nur solchen Sinn impnrirt, wie sie in den Kram seiner zersetzenden Zerstörungstheorie passen, so wie er nur die winzige Zahl seiner Meinungs- und Gesinnungsgenossen anführt, während er, — ob dies wohl ehrlich? — jede geäußerte Gegenmeinung verschweigt, oder durch vorhergegangene Verdächtigung zu entkräften strebt. Sehen wir uns aber diese „Frage" auch von ihrem praktischen Standpunkte an. Braucht es erst bewiesen zu werden, was die Erfahrung in allen Jahrhunderten der Geschichte tausend und tausend Mal bewiesen, daß diesem h. Gebote unter allen Umständen und Verhältnissen, in den Zeiten der Propheten, wie später in den traurigsten Zeiten des finstern Mittelalters und der bluttriefenden Inquisition, mit Hintansetzung aller Lebens- und Existenz- Gefahren seine Hoheit und Unverbrüchlichkeit gewahrt blieb? — Etwa darum, weil vielleicht keines dieser vielen Jahrhunderte solche Geistes-Heroen, solche weltbeglückende Literatur als „die Neuzeit" und deren Ideenträger aufzuweisen hatte? Doch, wozu erst eine Rückschau in die Vergangenheit, wo doch die Gegenwart so laut und überzeugend für uns spricht. Giebt es nicht heute Lausende und Zehntausende, die das Sabbat-Gebot öffentlich verletzen, denen die Feste, selbst Jom Kipur mit inbegriffen nicht mehr heilig sind, die überhaupt alles Jüdische, alles Religiöse durch Wort und Lhat, im Hause und im Leben abstreifen, nichts desto weniger aber ihren männlichen Kindern dieses „ewige Bundeszeichen" und zwar „mit Freuden" aufdrücken lassen? Woher diese nicht abzuleugnende Thatsache? Spricht aber diese nicht mit den Flammenzungen höchster Beredsamkeit für die höchste Heiligkeit dieses Gebotes, welches sich *) Was wohl ein „Losgetrennt", ein „Ausgeschlossen" sein von seinem Volke involvirt. trotz seiner verursachenden körperl. Schmerzen, die bei ungeschickter Verrichtung sogar gefährlich werden können, so ungeschwächt zu behaupten wußte, in Allen Zeiten und bei Allen Israeliten, so lange als diese eben sich noch nicht von Israels Bund völlig los gesagt haben? — Weil es eben noch das einzige, älteste und zugleich stärkste Band des Israeliten ist, was ihn als solchen körperlich kennzeichnet. Wir haben aber eben so vom Gegentheile Beweise, daß dort, wo diese, bisher Gottlob vorkommende Renitenz sich dennoch manifestirt und hartnäckig in ihr verharrt, auch bereits der letzte Funke, das letzte jüd. Bewußtsein erloschen und an ein Wiedererwachen nimmermehr zu hoffen ist; dort hat sich das: 1LN nN faktisch, mit allen seinen Consequenzen vollzogen. Will also die „Neuzeit" sich dieses problematische Verdienst um das heutige Iudenthum dadurch erwerben, daß sie mit ihrer ätzenden Lauge, zersetzenden Argumentationen und schneidenden Kritik auch dieses heilige Band durchschneiden, oder es wenigstens profanisiren und dadurch lockern will? - Nein! sagt sie, dies will ich wohl nicht, aber ich will meine dialektische Kunstfertigkeit beweisen, daß ich auch dieses Gebot, wie so manches andere schon anatomisch zerlegen und es so wieder zusammensetzen kann, um als lächerliche Frage zu erscheinen. Denn, wäre es nicht so, müßte uns Hr. Szünto seine diesbezüglichen Lehrsätze, pro und contra, wie es sich für eine solche „Frage" ziemt, in jener Sprache vorlegen, in welcher sie gegeben, oder in welcher sie später weiter und eingehender erörtert worden ist, dann könnten wir von seinen Doctrinen Act nehmen, manche ablehnen, manchen zustimmen; wir könnten unterscheiden, wie dieses auch bei den alten Rabbinen usus war: "in7 7T3?73bi nmb nabtib das heißt: was zur Theorie und was zur Praxis gehört; während dem Hrn. Sz. diese Frage in seinem Organe „die Neuzeit" behandelt, oder besser bombardirt, die, nicht blos aus dem Studirtische des ernsten Denkers, des prüfenden Gelehrten, sondern in unzähligen Lokalitäten aufliegt, um deren Tische sich eine gar bunte, mit unter sehr frivole Gesellschaft schaart, mit welcher Herr Sz. sich schwerlich in eine Polemik einlassen möchte und von solcher nun glossirt, verhöhnt und verlacht wird. — Wir haben in der Thal trotz all dem noch immer so viel Achtung und gute Meinung von dem vielseitig gebildeten und redegewandten Redakteur der „Neuzeit", daß, wäre er nur Einma unbemerkter Zuhörer solcher trivialen Caffeehaus-Dicussiouen, — um nicht zu sagen Geschwätze, — wie uns deren oft erzählt und geschildert werden, wie daselbst über religiöse Fragen, wie: Trefa, Sabbat, Mila u. A. die profansten Auslassungen gehört, die gemeinsten Witze fabrizirt werden, er würde erröthen und erschrecken zugleich über so manchen von ihm direkt oder indirekt provocirteu Scandal und Chilul Haschern.-- Es gereicht uns deinnach zur hohen Genugthuung und Befriedigung, daß die löbl. Wiener Cultusgemeinde, in dieser, nun in ihrer Mitte aufgetauchten Beschneidungsfrage, eben so mit maßvollem Takte als mit wahrhafter Religiosität, unbeirrt der darüber fiirchtertich grollenden „Neuzeit", vorgeht. Eben so sind wir aber auch im vorhinein vollkommen überzeugt, daß auch die nächste Synode dieser Frage vollkommen gerecht werden und sie in ihrer vollständigen Integrität belassen wird; nicht nach dem Sinne der „Neuzeit", sondern nach dem der alten Tora, welche gebietet: ab? n4i3b03i*333 vrin rrrrr. David Löwy, Oberrabbiner von Syrmien in Bukovür. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.