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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-07 · Heft 49 (7.12.1869) · p. Seite 978

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 49 (7.12.1869)
Date
1869-12-07
Page
Seite 978 (sequence 2)
Language
German
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978 Brief an Mesu, der aber nicht für diesen allein bestimmt war, sondern als eine Denunciation an den Priester Anhur zur Entscheidung zwischen Beiden gehen sollte. Es wird darin dem Mesu vorgeworfen, daß er in der Aolath, di. im ailanitischen Meerbusen gebadet und auf der Reise nach Char (Syrien) Fische gegessen habe, was beides den ägyptischen Priestern verboten war, und daß er ketzerische Lehren über die Gottheit, den ägyptischen Götterlehren entgegen, freilich geheimnißvoll und schwer verständlich für den Hui, ausgesprochen habe. Das Schreiben des Denuncianten trägt einen sehr eigenthümlichen Charakter, der aber psychologisch sich sehr gut erklären läßt. Die hohe Stellung Mesu's läßt den Schreiber sehr vorsichtig sein. Er darf die ägyptische Etiquette nicht aus den Augen setzen. Er darf sich nicht von vornherein als einen Feind oder gar Verächter Mesu's hinstellen. Daher die großen Lobpreisungen des Mesu, mit denen Hui beginnt, und die er immer von Neuem wiederholt, das Hervorheben des Verdienstes, welches er sich im Dienste Mesu's erworben; dann die Klage über Mesu's Tadel und verächtliche Behandlung, und hierbei nun das unmerkliche Einschalten der denunciatorischen Anschuldigungen, die hinsichtlich des Badens im Meere und des Fischessens klar und bestimmt, betreffs der Ketzereien dunkel gehalten sind, indem der Briefsteller nur sein Entsetzen über solche Irrlehren ausdrückt. Da der Papyrus eben nur diesen Brief enthält, so wissen wir nicht, was etwa aus ihm für Mesu erfloß. Aus den beiden Papyrus läßt sich nun entnehmen, daß Mesu (was ägyptisch Kind (Findlings bedeutet) zu Nachasa, einem Orte auf dem Isthmus zu Suez, im siebenten Regierungsjahre Ramessu IL (Sesostris) geboren war. Er wurde Priester, Schriftgelehrter und Feldherr, und erhielt deshalb die Titel Sotem, Mohär, Marina, Mapu (einer der 30 Richter in On). Mit 5000 Kriegern wurde er zur Unterdrückung der empörten Rohana am ailanitischen Meerbusen, so wie gegen die Schasu zwischen Djalu und Kanana gesandt. Bei allen Lobpreisungen der körperlichen Schönheit und der außerordentlichen Geistesgröße, die Hui dem Mesu spendet, giebt jener doch zu verstehen, daß Mesu in der Sprache sehr schwerfällig gewesen, daß er „die Worte beim Eintritte in das Gesicht zertheilte," und daß er sehr jähzornig sei. Nach seiner Rückkehr von den Feldzügen unternahm Mesu noch eine Reise nach Syrien, worüber die beiden Papyrus mancherlei Einzelheiten erwähnen, und wodurch jene Frage hinlänglich beantwortet wird, welche früher die Kritiker öfter aufwarfen: wieso Moses zu der Kenntniß von Palästina gekommen, da er immer in Aegypten gewesen? Diese Einzelheiten sind meist für uns bis jetzt noch zweifelhaft, nur Beirut, Sidon, Tyrus, Jordan, Jaffa, Gaza sind unzweideutig erwähnt. — Unter dem Könige Menepta kehrte Moses nach Aegypten zurück und gegen Ende der Regierung dieses Königs fand der Auszug der Israeliten statt. Da Rameffu II. 67 Jahre, Menepta 20 Jahre regierte, Moses aber im 7. Regierungsjahre des Ersteren geboren war, hatte Moses ein Alter von 80 Jahren, als er sein Volk aus Egypten führte. Wir brauchen unfern Lesern nicht erst die Parallelstellen der heil. Schrift anzuführen, aus denen sich die Uebereinstimmung mit den aus den beiden Papyrusrollen entnommenen Einzelzügen ergiebt. Man sieht, daß der Schwerpunkt in der Beweisführung liegt, daß der Mesu des Hui mit unserem Moses identisch ist. Wir müssen über diese auf das Werk des Prof. Lauth selbst verweisen, um so mehr, als es hierzu der ägyptischen Typen bedarf, die uns nicht zu Gebote stehen. Einzelne Ergebnisse dieser Untersuchung werden selbstverständlich weiteren Erweis erfordern; Chabas hat die Bahn gebrochen, Lauth sie geebnet. Im Ganzen aber gingen diese Forscher mit solcher ,Vorsicht Schritt vor Schritt vorwärts, daß wir sie als Führer wohl anzuerkennen haben. Eine Zeit, die bis noch vor Kurzem, abgesehen von der Bibel selbst, in so tiefes Dunkel gehüllt war, tritt immer mehr in das Licht der faktischen Geschichtlichkeit ein; die Nebel werden zerstreut, und schon jetzt ist die Lust, aus der israelitischen Vorzeit eine Mythenbildung zu machen, gründlich beseitigt. So lange die Zeit von 2000—1000 vor der gew. Zeitr. bei allen anderen Völkern ohne alle geschichtliche Gewißheit war, konnten vom historischen Standpunkte aus die Detailangaben der Bibel historisch verdächtig erscheinen. Sind wir aber erst über geschichtliche Ereignisse, über Sitten und Zustände jener Zeit bei Aegyptern und Assyrern genau unterrichtet, so fällt der aprioristische Zweifel auch für die Details der Bibel hinweg. — Auf einige Einzelheiten in den Schriften der HH. Chabas und Lauth kommen wir noch zurück.

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