Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1869)
- Date
- 1869-11-23
- Page
- Seite 945 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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945 jur. Honigmann aus Breslau vertreten ist, hat die Aufgabe übernommen: 1, die Mitwirkung und den Einfluß hervorragender Männer aller Weltgegenden, vorzugsweise in Rußland selbst, für diese Angelegenheit zu gewinnen, und mit ihrer Hülfe insbesondere den Plan und die Ziele der Auswanderung zu bestimmenj 2, die Erlaubnis; der kaiserl. russischen Staatsregierung für die Auswanderung und ev, für die Aufhebung der die jüdische Bevölkerung bedrückenden Niederlassungsbeschränkungen im Innern des Reiches zu erwirken, 3, im nächsten Wirkungskreise der einzelnen Coimnissionsmitglieder Subcomiteö zur Beschaffung der Mittel zu errichten, und zwar durch geordnete Kassen aus einmaligen Spenden und regelmäßigen Beiträgen. Auf Anregung der vorgenannten schlesischen Gemeindetag-Deputirten sind die Unterzeichneten nunmehr zu einem Subeomits für Schlesien zusammengetreten, um auch innerhalb unserer Provinz die Kräfte, welche sich bereitwillig dem Zustandekommen eines eben so schwierigen wie ruhmwürdigen Werkes der Bruderliebe widmen wollen, in einheitlichem Zusammenwirken zu concentriren. Wir richten demnach an alle Vorstände, Repräsentantenversammlungen und einzelne Mitglieder unserer verehrlichen schlesischen Synagogengemeinden die brüderliche und dringende Bitte, dem hier dargelegten in allen Theilen Deutschlands mit lebhafter Zustimmung begrüßten, und mit Energie in Angriff genommenen Plane Ihr wohlwollendes aber zugleich auch thatkräftiges Interesse zuwenden, und in Ihren nächsten Kreisen die Betheiligung mit einmaligen oder besser noch mit regelmäßig wiederkehrenden Beiträgen durch Verbreitung dieses Aufrufs in Anregung bringen und mit Wärme befürworten zu wollen. Wir bemerken schließlich noch, daß die mitunterzeichneten Mitglieder der Gemeindetag - Commission für die Auswanderungsangelegenheit, innerhalb derselben mit allen Kräften dahin wirken werden, daß die in ihrer Centralkaffe zusammenfließenden Mittel keine isolirte oder einseitige Bestimmung erhalten, sondern nach einem einheitlichen von allen Hauptcomites zu vereinbarenden Plane und unter vollkommener Uebereinstimmung mit der auf denselben Zweck gerichteten Wirksamkeit der Alliance Israelite universelle in Paris zur Bernendung kommen. Die Beiträge nebst Listen bitten wir „an die Hauptkasse der Breslauer Synagogengemeinde z. H. des Rendanten Herrn N. Cohn" zu richten. Breslau, den 24. October 1869. Das Snbcomite für Schlesien. Dr. jur. Honigmann in Breslau, Vorsitzender. N. Cohn in Breslau, Kaffenführer. B. Franck in Breslau. B. Holländer in Leobschütz. Rabbiner Dr. Joel in Breslau. I. Münzer in Oppeln. M. Schreiber in Breslau. M. Wieruszowsky in Görlitz. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 14. November. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist von Seiten des Justizministers, Herrn Dr. Leonhardt, eine für uns wichtige Erklärung erflossen, welche einen endlichen Sieg in einer so vielfach ventilirten Frage bedeutet. Bei der Debatte über den Etat des Justizministeriums nämlich ergriff Herr Dr. Kosch das Wort: „Es ist ein Jahr her, daß ich die Frage von der Anstellung der Juden hier angeregt und um ihre Erledigung gebeten habe. Inzwischen ist nichts geschehen, und ich sehe mich genöthigt, wiederum auf diese Sache zurückzukommen, besonders in Rücksicht auf zwei in der verflossenen Zeit hinzugetretene Momente. Das eine ist die Aufhebung der Judeneide, das zweite und wichtigste ist das norddeutsche Bundesgesetz vom 3. Juni 1868, welches alle noch bestehenden, aus Verschiedenheit der Confessionen entsprungenen Unterschiede der Stellung vor dem Gesetze aufhebt. Durch diese beiden Momente glaube ich wohl zu dem Wunsche berechtigt zu sein, daß der Herr Justizminister eine feste, und wie ich auch hoffe, correcte Stellung zu der Frage einnehmen möge. Er hat uns bei Gelegenheit der Verhandlung über die Schwurgerichte erklärt, daß er in solchen allgemeinen Fragen auf Seiten der Bundesgesetzgebung stehe, und ich hoffe, er wird dies auch in 47