Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1869)
- Date
- 1869-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jchraa»«, Allgemeine M. 47. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«« in Bonn. Leipzig, den 23. November 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2ll2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr.. Vierteliahrrg 1 Thlr. Inserate werden mit 1l(2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Moses. — Der Bettel. — Das preußische Unterrichtsgesetz. II. — Auswanderung von Juden aus den westrussischm Provinzen. XVII. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — Donaufürstenthümer: Galatz.— Rußland: Memel.— Palästina: Jerusalem. Korrespondenz: Monatsberichte aus Ungarn. V. (Fortsetzung und Schluß). Feuilleton-Beilage: Cain. (Fortsetzung und Schluß). — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, den 14. November 1869. * * Moses. * * In der wissenschaftlichen Behandlung der heil. Schrift laufen jetzt zwei Richtungen neben einander, die aus ganz verschiedenen Ausgangspunkten und mit völlig verschiedenem Inhalte dennoch dahin gelangen, daß die eine die andere aufhebt. Die eine Richtung geht von dem Gedanken aus, daß der Inhalt der geschichtlichen Bücher, insonders auch der geschichtlichen Theile des Pentateuchs, nicht wirklich von eigentlich historischem Werthe, also historisch glaubwürdig, sei, und daß daher durch scharfe Combinationen der einzelnen Notizen, durch Auflösung der Legenden und Klarlegung des historischen Kerns derselben herausgebracht werden lnüsse, wie die wirklichen geschichtlichen Zustände und Verhältnisse gewesen. Die andere Richtung ist, bei Durchforschung der ägyptischen, phönizischen und assyrischen Alterthümer, die sich durch die Entzifferung der betreffenden Schriftarten dem Verständniß immer mehr eröffnen und eine Fülle geschichtlichen Wissens aus Epochen heranbringen, welche bis vor einem halben Jahrhundert zu den völlig nebelhaften gehörten, auf Alles zu rücksichtigen, was synchronistisch und von den verschiedenen Völkern in der Bibel vorkommt. Man sieht, daß die erste Richtung die Autorität der Bibel in geschichtlichen Dingen zu einem großen Theile anzweifelt, die andere mit dieser geschichtlichen Autorität garnichts zu schassen hat, sondern erst von den historischen Nachbargebieten zur Prüfung der biblisch-geschichtlichen Thatsachen gelangt. Beide Richtungen sind in ihrem Wesen völlig verschieden; denn die erstere bewegt sich lediglich auf dem Gebiete der Hypothese, benutzt als Organ allein die hypothetische Kritik, die Combination, und ihr Erzeugniß kann immer und immer wieder nur die Hypothese sein; Voraussetzungen und Folgerungen sind bei ihr subjective Combinationen, die zu einem objectiven Ergebniß nicht führen, wie auch die Thatsache beweist, daß sie niemals dazu geführt haben und jeder neue Versuch ein neues Resultat produzirt. Ganz anders die andere Richtung; sie hat es lediglich mit vorliegenden Dokumenten und deren Entzifferung zu thun, und sowie ihr diese gelungen, ergiebt sich die Vergleichung mit den biblischen Angaben wie von selbst. Thatsächlich hat es sich nun in überraschendster Weise