Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1869)
- Date
- 1869-10-26
- Page
- Seite 873 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -cs Zudenthums. Fmilleton-Keilage )\i ttr. 43. Leipzig, den 26. Oktober 1869. Die Juden in Rom während des Mittelalters. (Schluß.) 2. Nie älteste öxngagoge in Rom. Die älteste Synagoge in Rom lag in dem seit den Tagen des Augustus zahlreich bewohnten Judenviertel, im armen Trastevere, wo die Hebräer schon zur Zeit des Martial und des Statius als Haustrer mit Schwefelfäden umherliefen, und in den Straßen ihren Plunder wie heute die strani ferrani! ausschrieen. Durch das ganze Mittelalter blieben sie dort wohnen, und die Trasteveriuer zeigten dem Schreiber dieser Chronik noch heute in dem kleinen Vicolo delle palme den Ort, wo die älteste Synagoge soll gestanden haben. Es ist indeß nicht wahrscheinlich, daß sie auch am Batican hin wohnten, wie der Name der Hadriansbrücke im Mittelalter es anscheinend beweisen möchte, da der Pons Aelius im 13. Jahrhundert von dem Buch der Mirabilien Pons Judaeorum genannt wird. Wir glauben vielmehr, er habe nur deßhalb so geheißen, weil sich die Hebräer Roms dort mit dem Pentateuch aufzustellen pflegten, um dem neugewählten Papst zu huldigen, wenn er über die Brücke in Procession gezogen kam, vom Lateran Besitz zu neh; men.*) In ihrer ältesten Synagoge, welche den sogenannten Libertinern oder den nach Pompejus' Zeit freigelassenenen Judensklaven den Ursprung verdankte, hatten die Kinder Israel mit trauervoller Ehrfurcht ein Abbild jenes Salomonischen Tempels dargestellt, den Titus zerstörte, und sie versammelten sich daselbst an den Sabbat- und Festtagen beim Licht einer nachgebildeten siebenarmigen Menora oder des großen Leuchters zu derselben *) Basnage's Ansicht, daß die Juden bis zur Hadriansbrücke wohnten, theile ich nicht. Er hält auch irrig die Tiberinsel für ein anderes Quartier der Juden, indem er die Lage des spätern Ghetto nicht berücksichtigt, und ebenso irrig giebt er ihnen ein drittes Quartier im Thal der Egeria, wo sie nur vorübergehend hausten. Sollten auch Juden an den Katakomben von S. Calisto Antheil haben? ich bezweifle es durchaus, und die Autoren der Koma Subterr. haben den alten Judenkirchbof vor demPortuensischen Thore nachgewiesen. Bosio fand, daß die Hebräer, der Mode huldigend, ihren Todten griechische Inschriften setzten, und was er mitthelt, ist sehr merkwürgig. Zeit, während der wahrhafte Lychnuchus und die Gefäße Jerusalems im Frieden Stempel aufbewahrt, von ihnen als ihr heiliges und geraubtes Heiligthum bejammert wurden. Ihr Bethaus war fast 300 Jahre älter als der S. Peter oder der Lateran, und schon die heidnischen Römer zur Zeit des Horaz und seines Freundes Fuscns Aristius oder des Juvenal hatten als neugierige Gäste denselben Mysterien des Moses zugesehen, denen noch heute Römer beim Passafest mit verächtlichem Lächeln beiwohnen. Sicher war das alte Judenhaus im Trastevere prächtiger, als es die heutige Synagoge im Ghetto ist, ein auf Säulen ruhender Tempel und innen mit köstlichen Teppichen und mit goldenem Bildwerk von Granaten und Blumen ausgeziert. Aber mehrmals hatte das römische Volk die Synagoge vernichtet, zuletzt nockunter Theodosius verbrannt, und Gothen wie Vandalen hatten sie wohl allen Schmuckes beraubt. Unter dem milden Scepter Theodorichs erholten sich die Hebräer in Rom völlig, bis sie im Jahre 521 von dem von Zeit zu Zeit ausbrechenden Fanatismus der Christen auf's Neue gemißhandelt wurden. Eines Tages verbrannte das wüthende Volk die Synagoge, und aus der Klage der Juden bei Aliger, dem Sendboten Theodorichs in Rom, scheint hervorzugehen, daß Christen im Dienste reicher Juden ihre Herren erschlagen hatten, und daß in Folge der Bestrafung der Thäter das Volk sich an der Synagoge rächte. Auf diesen Tumult richtete Theodorich ein Rescript an den Senat, worin er ihm auftrug, den Frevel mit äußerster Strenge zu bestrafen. *) 3. Die Schote der Juden in Rom. Seit deS Kaisers Diokletian Zeit bildeten sich unter den Bürgern Roms Vereine, Innungen, Zünfte, Klassen verschiedener Art, welche Scholae genannt wurden. Im 8. Jahrhundert entstanden nun neben diesen auch Fremdenkolonien , welche als 8ebc>1ae figuriren, nämlich die *) Var. lib. IV. 43. Aus dem Ausdruck: ad eversiones pervenerint fabricarum, ubi lotnm pulchre volumus esse compositum, glaube ich auf ein nicht ganz unansehnliches Gebäude schließen zu dürfen, lieber die Stellung der Juden Roms iu dieser Zeit giebt Basnage VIII. c. 7 nur Dürftiges.