Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1869)
- Date
- 1869-10-05
- Page
- Seite 816 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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33. Jahrgang. Allgemeine M. 40. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. Oktober 1869. Diese Zeitung erscheint Wöchentlich einrnal Dienstags, in 2 bis 2'/a Bogen. Preis des Jahrgangs4Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden mit i«/» Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Vierteljährig 1 Thlr. nehmen Bestel- Inhalt. Leitende Artikel: Alexander von Humboldt als Politiker. — Die Auswanderung von Juden ans den westrussischen Provinzen. lX. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Hamburg. - Oestersterreichischungaris che Monarchie: Aus Böhmen, Prag, Aus dem Tokayergebirge, Pest, Aus Ungarn. — Rumänien: Jassy. — Frankreich: Paris. Feuilleton-Beilage: Die Falascha's oder abyssinischen Juden. (Fortsetzung.) — Ein kleines Zeichen der Zeit. — Curiosurn. Leitende Artikel. Bonn, den 26. September. Alexander von Humboldt als Politiker. Zu dessen Säcularseier. Die Doppelnatur des Menschen erweist sich auch dadurch, daß er immer geneigt ist, einerseits dem Alten und den Alten allein Autorität zuzuschreiben, und nur denjenigen zu huldigen, die als Sterne am Himmel der Vergangenheit aufgegangen, andrerseits nur seine Gegenwart zu schätzen, hoch zu stellen, was im Sonnenlichte des Tages prangt und mit einer gewissen Verachtung auf die vorübergegangenen Geschlechter hinabzusehen. Von beiden Strömungen lassen wir uns beherrschen, und finden darin keinen Gegensatz, der überkommenen Willensmeinung der Vorzeit uns unterzuorduen, und diese dennoch inmitten unserer eigenen Entwickelung gering zu schätzen. Und dennoch sind beide Elemente wesentliche Bedingungen für die Entwickelung des Menschengeistes, und einigen sich zu einer höheren Harmonie. Denn allerdings vollendet sich innerhalb gewisser Schranken jede Zeit, jede Nationalität, jede Persönlichkeit, und diese in und für sich vollendeten Produkte behalten in Wesen und Form für die Menschheit ihren unentbehrlichen Bildungswerth; und ebenso leidet jede Zeit, Nationalität und Persönlichkeit an Jrrthümern und Schwächen, und der Fortschritt der Menschheit ist ein so faktischer, daß diese sich niemals mit den Erzeugnissen und Resultaten der Vergangenheit begnügen kann, sondern in ewig sich verjüngendem Streben neue große Schritte und zu neuen Zielen thun muß, hinter welchen die Vergangenheit weiter und weiter zurückbleibt. Was unser Geschlecht in der Gegenwart erstrebt und immer deutlicher als das Ziel feines Ringens erkämpft, das war wohl principiell und in Gedankenkeimen in früheren Epochen schon vorhanden, aber niemals in der Weise und dem Umfange seiner Verwirklichung, wie wir sie jetzt erleben und erstreben. Und doch sind wir bis dahin nicht blos durch das Schaffen und Wirken der Vergangenheit gelangt, sondern diese birgt auch in ihrem Schoße Erscheinungen, nach einzelnen Seiten hin so vollendet, wie wir sie jetzt nicht mehr haben, und von denen wir Vorbild, Anregung und Belehrung immer von Neuem bedürfen. Es ist daher nicht blos erklärlich, sondern auch sehr