Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1869)
- Date
- 1869-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. Allgemeine JXL 38. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 21. September 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 1 l/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZertungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das KLnigl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: „Das Judenthum im Staate und in der Gesellschaft." II. — Die Auswanderung von Juden aus den westrussischen Provinzen. VII. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus der Provinz Posen, Hannover, München, Würzburg. — O est erst e r r e i ch i s ch - ungarische Monarchie: Neu - Verbaß. — Feuilleton-Beilage: Zwei kleine Novellen von Boccaccio. — Zur Charakteristik des vr. Spitzer. — Ein Bild der Synode. — Kleine Mittheilungen. — Curiosum. Leitende Artikel. Bonn, den 12. September. „Das Iudenthmn im Staate und in der Gesellschaft." ii. Wir wollen uns bei der Schilderung, die der Partisan der „Kreuzzeitung" von seinen „wirklichen und emanzipirten" Juden macht, nicht aushalten. Er stellt die einen von ihrer gemächlichen, die anderen von ihrer geistigen Seite dar. Er giebt zu verstehen, daß die einen die Eigenschaften der anderen noch nicht hatten, die anderen die Eigenschaften der einen nicht mehr haben. Die Emanzipation muß doch ein eigenes Ding sein, aus einem Vvlksstamme mit einem Schlage etwas völlig Anderes machen zu können, und zwar auf alle so überaus zersplitterten Bruchtheile desselben dieselbe Wirkung zu haben! Aber es kommt ja eben bei solchen Malereien auf die Absicht und Willkür des Malers an, Man malt römische Kriegsknechte mit spanischen Mänteln und Hosen, und stellt Goethe im Kostüm eines griechischen Sängers dar. Die Tugenden, welche der Verfasser den alten Juden zuschreibt, sind Gott sei Dank! der großen Maste der jetzigen noch nicht entschwunden. Der Geist der Verbrüderung, bester gesagt der Geist der religiösen Zusammengehörigkeit, einer gewissen Solidarität und der Barmherzigkeit ist bei den jetzigen Juden durchaus nicht schwächer geworden, in mancher Beziehung noch stärker. In früherer Zeit nahm man den fremden Juden an seinen Tisch, aber wehe dem „fremden jüdischen Concurrenten," der sich an demselben Platze niederlassen wollte. Die großen Unglücksfälle haben wiederholt erwiesen, daß die modernen Juden, ob orthodox oder reformistisch, eine sehr energische Solidarität auszuüben wiffen, und die Opfer, welche die jüdischen Gemeinden für fremde und ortsangehörige Arme bringen, sind größer, nicht kleiner geworden. Uebrigens muß der Vers, ein sehr hoher Greis sein, wenn er behaupten will, daß es jetzt unter den Juden mehr Schlemmer und Trunkenbolde giebt als in den früheren Zeiten. Wir können ihm zu seiner Beruhigung versichern, daß das jüdische Familienleben Gott sei Dank! noch nichts an seiner Innigkeit verloren hat; einige Beweise kann ihm die Statistik hierfür liefern. Nur in einem Punkte geben wir dem Vers. Recht, nämlich in der, auch von uns beklagten Prunksucht der jetzigen