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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-14 · Heft 37 (14.9.1869) · p. Seite 756

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 37 (14.9.1869)
Date
1869-09-14
Page
Seite 756 (sequence 24)
Language
German
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756 die Gnade, zur heiligen Mutter von Maria-Zell eine Bußwallfahrt unternehmen zu dürfen. Nach langem fruchtlosen Bitten gewährte ihm der Prior den Urlaub. Erasmus machte sich auf. Tag und Nacht ging er zu Fuß, aß nur trockenes Brod und schlief auf kalter Erde, bis er endlich am 14. September 1782 Wien, die Kaiserstadt, erreicht hatte. Dort angelangt begab er sich in den Kontrvlorgang, woselbst der Kaiser Jedermann, der seinen Rath und seine That erproben wollte, willig anhörte. „Was will der Kapuziner von dem Kaiser?" sagte Josef II. „Herr! errette eine Seele, Du hast die Macht dazn." Nunmehr erzählte Erasmus dem Kaiser ausführlich die Geschichte der Nonne Magdalena. Der Kaiser war aus's Tiefste erschüttert. „Erasmus, sagte der Kaiser, „Ihr seid ein ganzer Mann, schade um Euch, daß Ihr Kapuziner seid, noch in dieser Nacht reiten wir nach Kollin. Magdalena muß gerettet werden. Ich werde selbst einschreiten, denn meine Leute sind in clericalibus säumig. Kaiser Josef II. erlöste die Nonne von ihren Leiden, in ihr erkennt der Leser die alte Lea, welche als Jüdin lebte und starb, während die Ruchlosen von dem Kaiser sehr hart gestraft wurden. Pater Erasmus trat gleichfalls aus dem Kloster, er ward der treueste Freund der alten Lea und so lange Kaiser Josef lebte, genoß er in der Hofküche ein Gnadenbrot); er starb erst im Jahre 1824 und hinterließ ein Weib mit sechs kleinen Kindern, welche in Gumpendvrs leben und heute achtbare Bürger sind. Dr. J.—Z. Klopstock's Ode an Kaiser Joseph H. Wir haben in unserem Hauptblatte die Säkularfeier Joseph II. besprochen, und der Ode Erwähnung gethan, welche Klopstock dem Kaiser nach Erlaß des Toleranzediktes widmete. In unserer Jugend war diese Ode wie die sämmtlichen von Klopstock gedichteten noch in Aller Händen. Jetzt ist dies anders, und wir wollen daher zu Ehren beider Männer diese Ode hier wiedergeben und zwar in der von Klopstock selbst verbesserten Form. Än den Kaiser. Den Priester rufst du wieder zu Jüngerschaft Des großen Stifters; machest zum Unterthan Den jochbeladenen Landmann; machst den Juden zum Menschen. Wer hat geendet, Wie Du beginnest? Wenn von des Ackerbau's Schweiß nicht für ihn auch triefet des Bauern Stirn, Pflügt er nicht Eigenthum dem Säugling, Seufzet er mit, wenn von Erntelasten Der Wagen seufzt: so bürdet Tyrannenrecht Dem Unterdrückten Landeserhaltung auf, Dienst, den die blut'ge Faust des Stärkern Grub in die Tafel. Und die zerschlägst Du! Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht, Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht! Und thut der's nicht, weil unsre Fürsten Sie in zu eiserne Fessel schmieden? Du lösest ihnen, Retter! die rostige Engangelegte Fessel vom wunden Arm; Sie fühlen's, glaubens kaum. So lange Hat's um die Elenden hergeklirret! Wir weinten Unmuth, daß uns der Römer Rom Zwar nicht beherrschte, aber peinigte: Und blutig ist die andre Thräne, Daß uns der Römlinge Rom beherrschet; Daß Deutschlands Kaiser Bügel des Zelters hielt; Daß Deutschlands Kaiser nackt um des Buhlen Schloß Herging, erfror; wenn nicht Matildis .. . Aber Du kommst kaum, und siehst; so siegst Du. Nun mag der kronentragende Obermönch, Mit allen seinen purpurbemäntelten Mönchlein, das Kanonsrecht, wie weit cs Walte, beschielen. Du hast gesehen! Der Dichter faßt hier mit wahrer Intuition die Priesterherrschaft, die Leibeigenschaft und die Bedrückung und Ausschließung der Juden als die verschiedenen Formen eines und deffelben gewaltthätigen Unrechts, eines und deffelben Despotismus einer Menschenklaffe gegen die andern auf. Auch darin sah er richtig, daß die Mißhandlung der Juden seitens des Pöbels durch die von den Herrschern ausgehende Gesetzgebung wesentlich hervorgerufen und genährt wird. Nur das konnte er 1783 nicht voraussehen, daß demungeachtet die Befreiung der Juden nur vom Volke ausgehen und von den Regierungen so viel wie möglich aufgehalten werden würde. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. SB. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Or. H. Lotze.

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