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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-14 · Heft 37 (14.9.1869) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 37 (14.9.1869)
Date
1869-09-14
Page
Seite 753 (sequence 21)
Language
German
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A l l g t in k i n c Zeitung -es Zudenthums. Feuilletou-Geilage jjt tlr. 37. Leipzig, den 14. September 1869. Die jüdische Baukunst. Das israelitische Consistorium zu Brüssel will eine neue Synagoge bauen, und hat hierzu eine Concurrenz ausgeschrieben. Von den eingelaufenen Plänen hat keiner die volle Zustimmung gewonnen, doch bestimmte die desfallsige Jury den drei besten Entwürfen eine Belohnung. Hierüber enthält das zu Brüssel erscheinende „l’ßcho du parlement beige“ vom 27. Juni einen interessanten Artikel von allgemeinem Werthe, dessen Hauptstelle wir hier wiedergeben. Eine Elementarregel in der Architektur ist, daß jedes Gebäude einen seiner Bestimmung gemäßen Charakter tragen muß. Deshalb muß ich, wenn ich eine Synagoge zu bauen habe, zu allererst fragen, an welchen Merkmalen man diesen Tempel des hebräischen Cultus als solchen wird erkennen können, worin er sich von einer Kirche, einer Moschee, einer Basilika zu unterscheiden habe. Hier stellen sich ganz natürlich zwei Erwägungen heraus: Die erste ist, daß die jüdische Religion die älteste aller bekannten Religionen ist. Es ergiebt sich also als klare Folge, daß der projectirte Tempel Zeugniß ablegen muß von diesem imposanten, ehrwürdigen Alter, daß er einen wesentlich primitiven Charakter haben muß. Eine zweite Erwägung, welche sich uns nicht weniger aufdrängt, ist, daß unter allen Völkern das israelitische Volk seine Ueberlieferungen am treuesten bewahrt hat, seines Ursprungs sich am meisten erinnert. Zerstreut über alle Punkte unseres Planeten trägt es überall seine Gebräuche, seinen Glauben, seine Feste aus Palästina hin, feiert Ostern noch wie am Vorabende seines Auszugs aus Egypten, enthält sich immer noch aller der Gerichte, deren Genuß ihm in Anbetracht der afrikanischen Hitze verboten wurde. Offenbar wird also der Tempel der Israeliten das Andenken an d a s Vaterland wecken müssen, dessen Gedächtniß sie alle so heilig und treu bewahren, und das Gebäude, welches jene Verbannten des Orients vereinigen wird, wird vor allem einen orientalischen Charakter tragen müssen. Dies sind doch wohl zwei ganz einfache Erwägungen, welche auch des Beweises entbehren können. Doch ist es merkwürdig, die Meisten der Concurrenten scheinen sie nicht einmal geahnt zu haben. Sie alle haben nicht die Nothwendigkeit eines orientalischen Typus für die projectirte Synagoge begriffen. Die Ausstellung des „Cercle“ hat uns sogar Pläne in flamändischem Stile aus der Zeit Rubens, ja selbst griechische Tempel gezeigt. Selbst der Plan, welcher die erste Prämie erhalten hat und der sich durch die Schönheit des Entwurfs und einen Seitendurchschnitt von einer gewissen Größe empfahl, ist in romanischem Stile aufgefaßt. Ein doppelter Widersinn, unsrer Ansicht nach, vom Standpunkte des Programmes aus, welches wir eben entwickelt haben und das der einfache gesunde Menschenverstand ergiebt. Zu welchem Zwecke also von den Kreuzzügen und der Wiedergeburt des den Schrecken des Jahres 1000 glücklich entronnenen Christenthums aus ein Gebäude datiren, welches der alten Religion Moses gewidmet ist? Und wie hat der Baumeister nicht daran gedacht, daß sein romanischer Stil, so durchaus christlich, nicht geziemend bei einer Synagoge verwendet werden konnte, eben deshalb, weil diese beiden Religionen sich gegenseitig ausschließen, die eine der andern Verneinung ist, die Juden in Christus den Messias geläugnet haben, und die Christen ihrerseits die heftigsten Feinde, die erbittertsten Verfolger des Judenthums gewesen sind? Was den Stempel des hohen AlterthumS betrifft, den ein Tempel Israels so naturgemäß beansprucht, so hat keiner der Concurrenten daran gedacht. Gewiß, sie können als Entschuldigung alles, was in unseren Tagen in der jüdischen Architectur geliefert ist, anführen, deren Denkmäler noch sehr dünn gesäet sind. Keine der schönen jetzigen Synagogen, in Berlin, London, Paris, Aachen, hat das Aussehen, als ob sie in die ersten Jahrhunderte der Welt hinaufreichte. Ziemlich allgemein begnügt man sich, die Elemente eines besonderen Stiles in der byzantinischen oder maurischen Architectur zu finden. Der zweitprämiirte Plan, in dem sich übrigens eine glückliche Phantasie bekundet, hatte den Typus von Alkazar eben so wenig am Platze nachgebildet, als, unsererZAnficht nach, der romanische Stil im ersten Ent-

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