Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1869)
- Date
- 1869-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. Allgemeine M. 30. Zkitlmg des Zu-knthmns. Ein unparteiisches Drgan für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 7. September 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/r Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 1 ‘/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zertungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der 10. November 1859 und der 15. August 1859 — eine Signatur unseres Jahrhunderts. — Das Conzil in Rom. — Die Auswanderung von Juden aus den westrussischen Provinzen IV. — Zum Gemeindetage. — Literarisch er Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Aus der Provinz Posen, Sobernheim. — Oesterreichischer Kaiserstaat: Marienbad. - Frankreich: Paris. — Norwegen und Schweden: Norrköving. Correspondenz r Monatsberichte aus Ungarn. IV. (Schluß). Feuilleton-Beilage: Der Philosoph und der Maler. — Eine absichtliche Verfälschung. Leitende Artikel. Bonn, den 29. August. Der 10. November 1859 und der 15. Äugust 1859 - eine Signatur unseres Jahrhunderts. So düster und nebelig auch der 11. November des Jahres 1859 begann und nicht ohne Sprühregen und Windstöße vorüber ging: so sah er doch den Jubel eines großen Volkes, die lebhafteste und lauteste Feier seitens einer mächtigen Nation, und zwar nicht blos in deren eigentlichem Sitze, innerhalb der geographischen Grenzen der ihr zugehörigen Länderstrecken, sondern soweit sich nur die kleinsten Zweige des Stammes ausgebreitet, oder wo irgend ein kleiner Posten dieser Volksfamilie sich aufgestellt hatte. Es war der hundertjährige Geburtstag Friedrich Schillers, den das deutsche Volk feierte, und von Sidney und Melbourne an, bis nach Moskau und Tiflis. Ueberall, wo auch nur die kleinste Gemeinde von Deutschen sich zusammenfand, beging sie festlich diesen Tag. Die Feier war nicht von oben her arrangirt; es war auch kein uralt überkommenes religiöses Fest; es war keine künstlich hervorgerufene Demonstration — die Feier ging unmittelbar aus dem Herzen des gesummten Volkes hervor, arrangirte sich wie von selbst, und fand überall den unbedingtesten Anklang. Ja, was noch mehr, alle Culturvölker gaben diesem Feste ihren Beifall, und fanden es im vollsten Maße gerechtfertigt. Da war kein Nationalhaß, keine Nationaleifersucht rege, die ganze Menschheit huldigte dem Geiste, dem dieses Fest galt. Es war ein Dichter, und ein Dichter der Humanität, der Freiheit, der Liebe und des Lichtes. Nun, in den jüngst vergangenen Tagen wurde abermals der hundertjährige Geburtstag eines gewaltigen Geistes, eines großen Mannes begangen, der nicht blos dem kleinen Volke seiner Geburtsinsel, nicht blos der großen Nation, in der er seit seinen Jugendjahren auftrat, angehörte, sondern der ganzen Menschenwelt, die er eine. Zeit lang beherrschte. Wir brauchen ihn und seine Thaten nicht zu schildern, er hat die Tafeln seiner Zeitgeschichte mit seinen Thaten, mit den Bewegungen und Erschütterungen, die er hervorgebracht, mit den Werken und Zielen, die er theils erreichte, theils beabsichtigte, angefüllt, und sein Angedenken war vor zwanzig Jahren noch mächtig genug, um seinem Neffen den Herrscherstab über ein großes Volk in die Hände zu legen. Aber wie ward dieses Jubiläum eines der größ-