Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1869)
- Date
- 1869-08-31
- Page
- Seite 712 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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712 ihren Trümmern wiederzuerbauen. Er beantragt daher eine Dankadresse an den Rabbiner für seine Theilnhme an der Synode, mit der Bitte um einen baldigen Bericht über die dort gefaßten Beschlüsse. (Große Sensation, nach kurzer Zeit rauschender Beifall.) Wuthausbrüche der Gegenpartei, großer Tumult; die Partei der Alten schmilzt zusammen, die Häupter laufen davon; die 33 sind auf 5 herabgeschmolzen. Die Dankadresse an den Rabbiner wird von sämmtlichen übrigen Anwesenden unterzeichnet. Korrespondenz. Kula, im Juli. In der Feuilleton-Beilage No. 10 l. Jg. dieser geschätzten Zeitung berührt ein Herr B...., Correspondent aus London, das religionsgesetzliche Verhältniß der in den heutigen Taubstnmmeninstituten zum Sprechen herangebildeten Taubstummen, dieser rechtlosen a-'imn des Talmud, den frommen Wunsch daselbst ausdrückend: daß sich talmudische Autoritäten über diese casuistische Frage auslassen inögen. Zur Befriedigung des oben erwähnten Herrn B. . . ., wie überhaupt aller orthodoxen rigorosen Talmudanhänger, will ich nun ihre Aufmerksamkeit auf eine talmudisch-halachisch-pilpulistische Broschüre lenken, welche von dem rühmlichst bekannten scharfsinnigen Herrn Leopold Barach, Bezirks-Rabbiner zu Topolya im Bücser Comitate, unter dem Namen rONba schon vor etwa fünf Jahren erschienen, worin diese in den Taubstummeninstituten zum Sprechen Herangebildeten vom Standpunkte der Halacha als gleich- und vollberechtigt erklärt werden. In dieser Broschüre findet sich auch eine zum größten Theile zustimmende Respons des berühmten scharfsinnigen Chassidimrebbes Rabbi Chaim Halberflamm in Szandecz in Galizien, gewiß ein tüchtiger Gewährsmann, gegen den der allerrigorofeste Orthodoxe nichts einwenden wird. Das Werkchen wurde auch dem Herrn Baronet Moses Montefivre zugesandt und ist vom Verfasser unter obiger Adreffe zu beziehen. D. Leopold Straßer, Bez.-Rabb. Historische Notiz. Gerade bei dem erfreulichen Umschwung der Dinge in Spanien ist es angemessen, auf die Bedeutsamkeit desselben aufmerksam zu machen, indem man daran erinnert, wie es früher so durchaus anders mit dieser Nation bestellt war. Der religiöse Fanatismus und besonders der Haß gegen die Juden waren grenzenlos. Im Jahre 1604 unternahm der Marques von Santa Cruz mit spanischen und maltesischen Galeeren einen Raubzug gegen die mittelländischen Küsten der Türkei. Auf seinem Rückwege traf er auf zwei venetianische Schiffe, die nach Konstantinopel segelten. Obwohl Spanien mit Venedig im tiefsten Frieden war, durchsuchte der spanische Admiral dennoch die Schisse nach Türken, und wirklich fand er einen, der sofort zum Galeerensklaven gemacht wurde. Aber der edle Marques entnahm den venetianischen Schiffen auch acht Juden und vier Jüdinnen, die sich auf denselben befanden, und wollte die Männer zu den Galeeren verurtheilen, ohne einen anderen Grund als ihre Religion. Glücklicherweise waren die Juden dem harten Ruderdienst nicht gewachsen, und so gestattete ihnen der Admiral, sich in Zante für 1800 Zechinen loszukaufen. (Oil Gonzalez Dävila, Vida y hechos de Felipe III, Madrid 1771, Seite 110.) Curiosum. Die „dt. fr. Presse" erzählt: Nicht allein in den verderbten Städten des Occidents, sondern auch in der heiligen Stadt des Orients versteht man es, Sensations-Enten zu fabriciren, an welchen aber jedenfalls das wunderbar ist, daß man in — Paks daran glaubt. Ein Correspondent erzählt im Ungarischen Lloyd: Der Pakser Rabbiner und mehrere fromme Israeliten erhielten aus Jerusalem Briefe mit der Aufschrift: „Der Messias kommt," in welchen Folgendes erzählt wird: Gegen Ende des vorigen Monats ließ sich bei der südlichen Mauer des einstigen Salomons-Tempels eine Feuersäule nieder und eine aus derselben erschallende Stimme forderte einen dort betenden Juden auf, als Prophet zu verkünden, daß im nächsten Jahre der Messias kommen wird, daß die Juden sich bessern und die Religion der Väter besser befolgen sollen. Der Betreffende begab sich sogleich in die Stadt, predigte nach Art der ehemaligen Propheten und verkündete, was ihm von der Stimme geoffenbaret worden war. Die Zuhörer verschiedener Confessionen nannten ihn einen Betrüger und wollten ihn todtschlagen, er aber, mit göttlicher Kraft ausgerüstet, erschlug hundert Männer. Als dann einige Bataillone Militär gegen ihn ausrückten, konnten sie ihm nicht nahe kommen. Diese Woche reisen zwei Pakser Israeliten nach Jerusalem, um über die Sache Näheres zu erfahren. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. D. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Oi*. H. Lotzc.