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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-24 · Heft 34 (24.8.1869) · p. Seite 692

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 34 (24.8.1869)
Date
1869-08-24
Page
Seite 692 (sequence 20)
Language
German
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692 neu, diesen Höhlen, in denen die Propheten sich einst bargen. Beinahe stört es uns, daß wir da auch Bilder sehen von armenischen Pfaffen und russischen Pilgern, die so süßlich oder so dumm vreinschauen. Die samaritanische Gruppe und den beduinischen Reiter lassen wir uns noch am ehesten gefallen, und die Kameele und die Ochsen, die das Korn austreten, und Anderes, was in der einen oder anderen Art die Gedanken wieder zurücklenkt nach dem alten Palästina. Und nochmals einen Blick auf diese kümmerlichen Ueberreste werfend, fühlt man sich an des Jeremius Klagelieder gemahnt: „Es ist von der Tochter Zion aller Schmuck genommen .... Der Feind hat seine Hand an alle Kleinodien gelegt.... Man jagte uns, da wir auf unseren Gassen nicht gehen durften. Da kam auch unser Ende; unsere Tage sind aus, unser Ende ist gekommen. Unsere Verfolger waren schneller, denn die Adler vom Himmel; auf den Bergen haben sie uns verfolget, und in der Wüste auf uns gelauert.... Unser Erbe ist den Fremden zu Theil geworden, und unsere Häuser den Ausländern .... Es sitzen die Alten nicht mehr unter dem Thor, und die Jünglinge treiben kein Saitenspiel mehr. Unseres Herzens Freude hat ein Ende; unser Reigen ist in Wehklagen verkehret." Doch lassen wir das, denn schon gar zu viel Gras ist über diese Gräber und Ruinen gewachsen. Unsere traumhafte germanische Natur, die sich so gern nach Rückwärts wie nach Vorwärts ins Zeitendunkel versenkt, verführt uns allzu leicht, diesen schmerzlich angehauchten Gedankenbildern nachzuhängen. So treten wir wieder heraus aus der Dudley-Gallerie der Egyptischen Halle, unter das Menschen- und Wagengewühl von Piccadilly. Und doch — sonderbar! Die paar Scherben und Trümmerstücke haben so wunderbar gewirkt, daß es ein bischen Bemühung kostet, um gleich den Uebergang wieder zu finden zum gewöhnlichen Londoner Tagesleben. So steht die Einbildungskraft unter der zauberischen Macht altgeschichtlicher Eindrücke. London, 22. Juni. Was das Wort „Jude" kostet? 'Die jüdische Preffe Frankreichs klagt immer wiederholt über den Mißbrauch, der in diesem Lande der Glaubensfreiheit, namentlich von der Tagespresse mit dem Worte „Jude" getrieben wird, indem man ihm den Charakter der Beschimpfung und Verachtung imputirt. So oft dies generell geschieht, kann man selbstverständlich nichts dagegen thun. Auf den Einzelnen gerichtet, kann dieser die gerichtliche Hülfe in Anspruch nehmen. Ganz besonders wirft das politische Tagesblatt „Figaro" mit diesem Worte um sich; jüngst ist es ihm aber schlecht bekommen. Die „Arch. isr.“ erzählen: Der „Figaro" schrieb: „Ein verspätetes, aber amüsantes Echo der kaiserlichen Villeggiatur in Compiegne. Es kommt uns — als wahrheitsgetreu verbürgt — von einem dortigen, aufrichtigen Manne zu. Eines Tages tritt der Kaiser bei einer Fußpromenäde in den Laden eines Kunsthändlers. Er sieht in dem Schaufenster eine Statuette und findet sie nach seinem Geschmacke. — „Wie viel kostet sie?" — „Fünfhundert Francs, Sire." — „Schicken Sie sie ins Schloß." Und der Jude reibt sich die Hände. Am Abend spricht der Kaiser von seinein Einkauf und beschreibt ihn. — „Ich kenne diese Statuette, sagt einer der vornehmen Eingeladenen, ich habe sie bei H . .. gekauft . .." —_ „Wie theuer? fragt der Kaiser; sprechen Sie offen, ich möchte wissen, ob ich gut behandelt worden .. ." — „Hundert Francs, Sire! ..." — „Ah! Ein Bedienter wurde beauftragt, zu dem Händler zu gehen und ihn zu ersuchen, seine Waare zu behalten. Dieser, beschämt und ärgerlich, schickte, um den Neckereien der Compiegner zu entgehen, die Statue wieder nach Paris zurück. Die Thatsache steht nicht allein. Es scheint, daß bei jedem kaiserlichen Aufenthalte der Handel von Compiegne nicht ermangelt, dies auszunutzen, sowohl den Kaiser wie seine Gäste." Ein Bijoutier von Compiegne, Herr Ernst Lemer, der sich in diesem Artikel, obgleich er darin nicht genannt worden, wiedererkannt hatte, verklagte beim Gericht von Compiegne Herrn de Villemessant, den Redakteur des Figaro, und trotz einer Erklärung seitens dieses, in einem Akt des Gerichtsvollstreckers, in welchem er anerkannte, „um der Wahrheit die Ehre zu geben, daß die Statuette, die von Herrn Lemer an den Kaiser, während des letzten Aufenthaltes Sr. Majestät in Compiegne verkauft worden , ganz ehrlich als Werk des Bildhauers Falconnet verkauft wurde, und daß sie das Schlafzimmer des Kaisers im Palaste von Compiegne ziert, wo sie ihm gezeigt worden," hat das Gericht, weil „das dem Lemer imputirte Factum solcher Art ist, seinem Rufe Schaden zu bringen; weil es aus einem boshaften Gedanken, einer sträflichen Absicht geflossen, nämlich den Lemer dem Spotte des Publikums zu übergeben, und ihm dies zuzuschreiben ein Vergehen der Verleumdung war ...." Herrn von Villemeffant zu 100 Frcs. Strafe, 1000 Frcs. Entschädigung und zu den Kosten, sowie zur Veröffentlichung des Urtheils auf seine Kosten in zwei Nummern des Figaro und in drei Journalen der Oise verurtheilt. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lvtze.

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