Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1869)
- Date
- 1869-08-24
- Page
- Seite 683 (sequence 11)
- Language
- German
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683 Die Fortschrittspartei i»> Congresse nun, einerseits eingedenk dessen, daß die jüdischen Elementarschulen gegenwärtig noch die relativ besten im Lande seien, ferner daß der erste Religionsunterricht jüdischen Schulkindern am zweckmäßigsten in Verbindung mit dem Unterrichte in den anderen Wissenszweigen ertheilt werden kann, endlich daß in vielen Gegenden, wo die ruthenische, slavische, walachische Bevölkerung die vorwiegende ist, es geradezu eine Versündigung an dem Culturbedürfnisse unserer Glaubensgenossen wäre, deren Schulkinder mit jenen der genannten Rationalitäten zusammenzupferchen, — alle diese Rücksichten mußten die Anhänger der Fortschrittspartei geradezu zwingen, die confessionell jüdische Schule unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Volksbildung in unserem Vaterlande hoch empor zu halten, ja wir durften die jüdische Volksschule in Ungarn schon deßhalb nicht fallen lassen, weil erstens: unsere erbitterten Gegner, die ganze „Schomre hadath" Partei, nichts sehnlicher wünschen als die Trennung des profanen Elementarunterrichtes von dem Religions- resp. hebräischen Unterrichte, 'und zweitens weil wir den ganzen ungarisch-jüdischen Lehrerstand von dem gänzlichen Untergänge retten und der kläglichsten Vernichtung nicht preisgeben dursten, was unausbleiblich erfolgen müßte, wenn der Congreß etwa „decretirt" hätte: die jüdische Gemeinde-Elementarschule sei aufgehoben und sämmtliche bestehende Gemeindeschulen, wahre Musteranstalten z. B. Arad, Pest, u. s. w. sind in Simultanschulen umzuwandeln. Nährt der Artikelschreiber im ,,Wegweiser" wirklich den Wahn, daß wenn die jüdischen Gemeinden sich ihres exclusiven Einflusses auf die Administration der Schulen einmal begeben haben, daß ein namhaftes Procent der gegenwärtig fungirenden jüdischen Lehrer in Ungarn an den Simultanschulen eine Verwendung finden dürfte, nun dann kennt er weder die gesellschaftlichen Zustände hier zu Lande, nach die Stellung, welche der jüdische Lehrer in Ungarn .den andern Confessionen gegenüber bisher zu behaupten in der Lage war. Gewiß, nur Unverstand oder Parteiverblendung — sei's orthodoxer oder hyperreformistischer Natur, — können dem Schulstatute des pester Congreffes den Vorwurf machen, als habe es die Interessen der jüdischen Lehrer mißachtet, im Gegentheile sind es die Gemeinden, welche über die einschlägigen Bestimmungen der Statute klagen und bedenklich den Kopf schütteln, sich darüber ängstigend, daß die Herren Lehrer die ihnen eingeräumte Stellung mißbrauchen und sich als Schultyrannen entpuppen könnten, eine Furcht die freilich ebenso jeder Begründung entbehrt. Andererseits hat sich die Fortschrittspartei im Congresse kein Hehl daraus gemacht, daß nicht jede israel. Cultusgemeinde die materiellen Mittel besitzt eine gehörige confessionelle Volksschule zu errichten, und daß insbesondere auf dem flachen Lande es in hohem Grade wünschenswerth sei, daß die israel. schulpflichtige Judend in den Simultanschulen den Elementarunterricht erhalte, wobei die Cultusgemeinde (kleineren Umfanges) blos für die vorschriftsmäßige Ertheilung des Religionsunterrichtes zu sorgen haben wird. Diesem Postulate hat der oben citirte §. 3 des Schulstatutes vollkommen Rechnung getragen. Wie hohl und nichtig endlich die Klagerufe im Wegweiser sind, ergiebt sich aus einem Vergleiche der Concursausschreibungen auf Lehrerstellen der ungarischen Judengemeinden mit jenen der Schwestergemeinden in anderer Herren Ländern. In den pester Blättern wimmelt es von Concursen für Lehrer an jüd. Gemeindeschulen mit Gehalten von 500 bis zu 6—800 Gulden, während in außerungarischen jüd. Zeitschriften die Gehalte der Lehrer t5v Thlr. kaum übersteigen, wobei dieselben noch die verschiedenartigsten Nebendienste — Notar, Koreh, u. s. w. — zu versehen haben. Dies spricht am deutlichsten dafür, daß der jüdische Lehrer in Ungarn, sei er nur ein tüchtiger Fachmann, daselbst einen Boden für seine Thätigkeit gewinnen kann, wie kaum irgend anderswo, und es wäre nur sehr zu wünschen, daß der jüdische Lehrerstand in Ungarn die an ihn von den Gemeinden gestellten Ansprüche in demselben Maße erfüllen möchte, als erstere geneigt sind, die materielle und sociale Stellung des gewissenhaften und eifervollen Lehrers zu verbessern. — Anzeigen. B a e a n z. Die durch den plötzlichen Hintritt unseres bisherigen zrn amia erledigte Stelle, soll sofort oder auch zum 1. October d. I. wieder besetzt werden. Qualifizirte Bewerber, die bereits mehrjährig amtirt haben, belieben ihre Zeugnisse unverzüglich an uns franco einzusenden. Gehalt 200 Thaler jährliches Fixum, Nebeneinkünfte mindestens 100 Thaler. Rosenberg O/Schl., den 1. August 1860. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. 34*