Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1869)
- Date
- 1869-08-10
- Page
- Seite 636 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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636 Schulwesen. i. Wir erhalten folgendes gedruckte Circular nebst einem geschriebenen Referat, mit dem Wunsche der Veröffentlichung. Elmshorn (Holstein), im Juli 1869. Sehr geehrter Herr College! Wir leben gegenwärtig in einer Periode, in welcher die verschiedenen Zweige menschlicher Thätigkeit innerhalb der gemessenen Kreise, worin sie Jahrhunderte lang sich bewegt hatten, nicht ferner sich festhalten lassen. Vergesellschaftung — Vereinigung — Verbindung — ist die Parole des Tages — um theils positive Vortheile zu erreichen, theils um wirkliche oder drohende Nebel abzuwehren. Unter stets neuen Formen und Namen wächst fort und fort die zahllose Menge derselben, nicht blos zum Gewinn und Betrieb aller materiellen Güter, die sich durch die mannichsaltigsten Verbindungen von Natur- und Menschenkräften erzeugen lassen, sondern auch zur gemeinsamen Erforschung der Wahrheit in allen Reichen des Wissens, sowie zur Verbreitung jeder Art von Kenntnissen. Und selbst in das Gebiet des religiösen und sittlichen Lebens greift der mächtige Associationsgeist auf verschiedene Weise mit neuer, Staunen erregender Wirkung ein. An dem isr. Lehrerstande, obwohl derselbe gegen manche Mißbräuche und Vorurtheile zu kämpfen hat, sind die Forderungen des Zeitgeistes bisher spurlos vorübergegangen. Er hat es bis jetzt nicht bedacht, daß der Mensch in der Jsolirung das schwächste aller Geschöpfe ist, daß die Kräfte des Einzelnen zu gering und das menschliche Leben zu kurz ist, um irgend ein großes Ziel zu erreichen; daß dagegen zu mächtigen Gebietern der Erde, zur wachsenden Herrschaft über die Natur und deren Verhältnisse die Menschen durch die Verbindung ihrer Kräfte zur Erreichung ihrer Zwecke sich erheben. Durch vorstehende Idee angeregt, haben mehrere Lehrer Deutschlands sich zu einem Verein constituirt, der es sich zur Aufgabe machen wird, mit aller Kraft und Energie die Rechte und Angelegenheiten der Lehrer in allen Beziehungen zu schützen nnd zu vertreten und den Lehrern eine ihnen angemessene Stellung in der menschlichen Gesellschaft zu verschaffen. Namentlich wird er bestrebt sein, unter seinen Mitgliedern ein harmonisches Zusammenwirken herzustellen und durch seine Centralisation eine Phalanx zu bilden, mit welcher er alle Hindernisse übersteigen wird, die sich ihm etwa in den Weg stellen sollten. Die Mittel und die Wege, wodurch er Obiges erreichen will, werden in der Generalversammlung durch Statuten angegeben werden, sowie in derselben auch die Vorsteher und die Geschäfts-Commissionen ernannt werden. Geldbeiträge werden nicht zu entrichten sein. — Wir erlauben uns, an Sie die ergebene Anfrage zu richten, ob Sie geneigt wären, diesem Vereine beizutreten, mit dem Bemerken, uns längstens bis 14 Tagen Ihre geehrten Zeilen gefälligst zukommen zu lassen. Mit freundschaftlichem und collegialem Gruße haben wir die Ehre zu sein Der Verein Israel. Lehrer. Namens desselben Dr. Adler. Bemerkung. Bis heute den 27. c. haben wir circa 400 Circulare verschickt, und sind bereits 200 Beitrittserklärungen eingegangen. Diejenigen Herren, welche dasselbe nicht erhielten, werden ersucht hiervon Notiz zu nehmen, nnd es als empfangen zu betrachten. Um Mißdeutungen vorzubeugen wollen wir den Zweck des Vereins näher angeben. Derselbe wird folgende Tendenzen verfolgen: 1) Wird er sich bemühen auf pädagogischem Gebiete seine Mitglieder durch ein geistiges Band zu vereinen, dieselben durch Veröffentlichung ihrer Arbeiten zu rastlosem Studium anzuspornen, so daß die Wechselbeziehungen ihrer Arbeiten unter einander höchst segensreich auf ihre Bestrebungen wie auf ihr wiffenschaftliches Leben überhaupt einwirken werden. Denn nur auf diese Weise wird es möglich, die Resultate der Pädagogik zu übersehen, auf ihre Fortschritte, wie ihre Mängel und Lücken aufmerksam zu sein, die Punkte möglicher Erweiterung zu entdecken, Jrrthümer zu widerlegen und den Dämmerungszustand aufzuhellen. Er wird sich jedocb auf keine religiösen Tagesfragen einlassen, und überhaupt keine religiöse Färbung annehmen. 2) Wird er bestrebt sein bei der Regierung zu erwirken, den jüdischen Lehrern eine feste Anstellung zu verschaffen. 3) Die im