Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1869)
- Date
- 1869-08-10
- Page
- Seite 634 (sequence 2)
- Language
- German
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634 der Synode teilnehmenden Rabbiner erstrecken müssen, deren thatkräftige Durchführung der Beschlüsse durchaus über allen Zweifel erhaben — verrathen, andrerseits mußte man bei dieser ersten Synode jede andere Verpflichtung als die sich von selbst verstehende moralische, vermeiden. Ein Institut, das ganz so sehr aus der freien Entschließung der Gemeinden und Individuen hervorgegangen und fortbesteht, wie die Synode, darf so wenig wie möglich gewissermaßen zwingende Motive seinen Mitgliedern auferlegen, um nicht von vornherein das Vorurtheil einzuflößen, daß hier unausweichbare Engagements eingegangen werden. Ganz besonders mußte sich diese erste Synode hierin Beschränkung auferlegen, bis das große Publikum das Wesen solcher Versammlungen vollkommen begriffen und verstanden haben wird. Von vornherein möchten wir auch diese strenge Unterscheidung zwischen theoretischer und praktischer Wirksamkeit nicht gerade zugestehen. Durch die Berathungen und Beschlüsse der Synode werden die bereits verbreiteten Ansichten geklärt und befestigt, ihrer Ausführung näher gebracht und dazu ausgemuntert. Denn die Beschlüsse sollen ja nicht blos für die in ihr vertretenen Gemeinden bestimmt sein. Was aber diese letzteren und die von ihnen gesandten Vertreter betrifft, so liegt es klar, daß für dieselben allerdings eine moralische Verpflichtung zur Ausführung der Beschlüsse von selbst liegt, für die Gemeinden eine mehr allgemeine durch die Beschickung der Synode und die Wahl ihrer Vertreter, für die an der Synode betheiligten Vertreter, so weit sie für die Beschlüsse votirt haben oder sich dem Votum der Majorität anzuschließen sich gedrungen fühlen. In religiösen Dingen kann der Beschluß einer Majorität für denjenigen, der eine andere Ueberzeugung hat, keine zwingende Kraft haben; sie konstatirt nur die allgemeinere Ansicht, und wenn sie zugleich die Stimmen Vertrauen erweckender Autoritäten in sich schließt, wird sich jeder Gewissenhafte um so mehr gedrungen fühlen, den Gegenstand noch einmal zu prüfen und sich möglichst der Majorität anzuschließen. Dies ist bei den Beschlüssen dieser ersten Synode um so leichter, als sie mit wenigen Ausnahmen mit überwiegenden Majoritäten votirt wurden, und man nur in wenig wichtigen Punkten auseinanderging, wo sich für das Eine wie für das Andere gewichtige Gründe anführen ließen. So möge denn allerdings die Stimme unseres Correspondenten aus Brüssel an das Ohr und das Gewissen aller Mitglieder der Synode dringen, und in ihnen, soweit dies nöthig, den Trieb, die Thatkraft und die Ausdauer wecken, um die Synodalbeschlüsse, soweit es in ihren Kräften steht, zur faktischen Ausführung zu bringen! Mögen uns hierüber bald und oft Mittheilungen zukommen, und ein desfallsiger Bericht schon an die zweite Versammlung eine reiche Fülle von Daten enthalten können.- Coblenz, 27. Juli. Ihrem seit gestern mir vollständig vorliegenden Berichte über die Synode entnehme ich zu meiner Freude, daß meine in der Rabbiner-Versammlung zu Cassel geäußerten Befürchtungen sich nicht realisirt haben. Da nun die gefaßten Beschlüsse meinen Ansichten entsprechen, so halte ich mich um so mehr zu einer öffentlichen Zustimmuugserklärung verpflichtet, als der größte Theil derselben Cultusreformen betrifft, welche bereits vor länger als 2 Decennien von mir bei dem Gottesdienste in der hiesigen Synagoge eingeführt wurden und sich bis heute, sowohl in dieser, als auch in denjenigen andrer Gemeinden bewährt haben, denen, gleich Mannheim, die hiesige Gottesdienstweise zum Vorbild gedient hat. Hinsichtlich Ihres ersten, in weitverbreitete politische Blätter übergegangenen Antrages, die Uebereinstimmung des Judenthums mit den Prinzipien der neueren Gesellschaft und des Rechtsstaates betr., vermag ich Ihnen die Mittheilung der aus verschiedenen Unterhaltungen mit gebildeten Christen von hier, dem Entstehungsorte der berühmt gewordenen Laien-Adresse gegen das ökumenische Concil, mir gewordenen Wahrnehmung hinzuzufügen, daß dessen einstimmige Annahme ein wahrer oian ist, und darf ich Ihnen zu dem glücklichen Gedanken, eine solche Erklärung zu provociren, von ganzem Herzen gratuliren. Ben Israel, Rabbiner. Berlin, 30. Juli 1869. Bei der allgemeinen Würdigung und Zustimmung, welche die Beschlüsse der jüdischen Synode auch in der öffentlichen Presse gefunden, konnte und kann es nicht ausbleiben, daß die Vertheidiger der Dunkelheit, die Kämpen des Glaubenszwanges und des confessionellen Druckes gegen diese Kundgebungen des echten religiösen und humanen Geistes feindlich verfahren.. In ihrer gewohnten Operationsweise lassen sie die erste Zeit ruhig ablaufen, beginnen ihr Geschütz allmälig spielen zu lassen und zwar, da sie dies von vorn nicht vermögen,