Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1869)
- Date
- 1869-07-27
- Page
- Seite 600 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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600 Herr vr. Weil zu Gunsten der Wittwe des verstorbenen christlichen Arztes auf das Honorar. Einen umgekehrten Fall hat die Geschichte gewiß noch nicht aufzuweisen. Heidelberg, 25. Juni. (Bad. Bl.) Bor einigen Tagen wurde in Sandhaufen ein Fest gefeiert, welches, besonders in unserer bewegten Zeit, ein schönes Bild religiöser Duldung gab: nämlich die Einweihung der neuen Synagoge daselbst, zu welcher Feierlichkeit aus der Nachbarschaft zahlreiche Gäste aller Bekenntnisse eingeladen waren. Die neue Synagoge war früher eine protestantische Kirche und wurde durch die jüdische Gemeinde in Sandhaufen von der Pflege Schönau angekauft, zu ihrem Tempel umgebaut und feierlich eingeweiht, zu welchem Zwecke die christlichen Einwohner von Sandhaufen, in brüderlicher Eintracht mit ihren israelitischen Mitbürgern, ihre Häuser festlich schmückten. An Stelle des durch Unwohlsein abgehaltenen Herrn Bezirksrabbiners Fürst vollzog die Feierlichkeit der Einweihung Herr Stadtrabbiner Will stäkt er aus Karlsruhe. Wer nach dem Theaterbrande in Karlsruhe daselbst das Begräbniß der bei diesem schrecklichen Brande Verunglückten sah, erinnert sich wohl an Herrn Rabbiner Millstätter, der mit den katholischen und protestantischen Geistlichen den Leichenzug geleitete und an dem Grabe, welches die verkohlten Ueberreste der Verbrannten barg, unter Anderm die denkwürdigen Worte sprach: „Nun, ihr Zeloten, die ihr jeden eurer Mitmenschen, welcher andere religiöse Ansichten als ihr hegt, verdammt, nun sucht mir aus diesen Knochen die des Juden aus denen der Christen heraus!" In der alten Synagoge hielt nun Herr Millstätter eine Rede, welche sowohl Christen, wie Juden innigst erbaute; dann begann unter dem Festgeläute der Glocken der protestantischen Kirche der Zug, woran der Rabbiner, der Bürgermeister und Gemeinderath, so wie die Kirchenvorstcher aller Bekenntnisse des Ortes und zahlreiche Gäste von Mannheim, Heidelberg und anderen benachbarten Orten sich betheiligten. In dem neuen jüdischen Tempel eröfsnete Herr Willstätter die Feierlichkeit mit einer wahrhaft klassischen Rede, deren Fundament die Nächstenliebe war, indem er im edeln Feuer die Worte der Schrift rief: „Wir haben Alle einen Gott, einen Vater l" _ Schweden. Norrköping, im Mai. (Privatmitth.) Was zu aller Zeit segenbringend in Israel gewirkt und fortfahrend unserer Aufmerksamkeit würdig ist, das sind Vermächtnisse, edle Stiftungen, welche den Bestand und das Wohl der Gemeinden sichern und auch einzelnen Individuen zu ihrem Ziele verhelfen. Insbesondere würden kleinere Gemeinden ihre Cultuslasten leichter tragen können und der Bestand von Synagoge und Schule sicherer sein, wenn Personen, welche sich ein größeres Vermögen erworben, bei ihrem Wegzüge von dem langjährigen Wohnorte, wo sie sich ihr Vermögen erworben, aus Liebe für den zu verlassenden Wohnort und aus Dankbarkeit für die Gnade und Güte Gottes, die sie dort genossen, auch durch ein Vermächtniß ihren Namen ehren und sich ein bleibendes Gedächtniß verschaffen wollten. Wie vieles in einer an Zahl nicht großen, aber durch Intelligenz und einen edlen Sinn sich auszeichnenden Gemeinde geschehen kann und geschehen ist, das soll mein Bericht heute zeigen. Es sind die vielfachen Stiftungen, welche die Gemeinde zu Gothenburg besitzt, von welchen ich heute Ihnen und der Lesern dieser Zeitung nähere Auskunft geben will. Zuerst erwähne ich den „Göthilda Verein," welcher im Jahre 1812 von der verstorbenen, sehr geachteten Gemahlin des langjährigen Vorstehers der Gemeinde daselbst, Herrn L. E. Magnus, mit Namen Göthilda Magnus, geborene Henriques, gestiftet wurde. Der Verein hatte den Zweck eine Schule zu errichten, in welcher Kinder, welche der Gemeinde angehören und besonders solche unbemittelter Eltern, Unterricht in der Religion und den andern Elementarkenntnissen erhalten sollen. Hierzu wurde ein eignes Haus verwendet und die Schule, noch jetzt bestehend, erhielt den Namen ihrer Stifterin „Göthilda-Schule." Man hatte schon damals die Ueberzeugung, daß die Schule die Pflanzstätte des künftigen Iudenthums sei und hat daher von allen Seiten ihr große Aufmerksamkeit geschenkt. So genießt diese Anstalt noch jährlich einen bedeutenden Zuschuß von dem Sohne der Stifterin, dem Ritter des Nordsternordens, Herrn Edvard Magnus, welcher der gegenwärtige ehrenvolle Vorsteher der dortigen Gemeinde ist, sowie auch von dem Schwiegersöhne der verstorbenen Stifterin, Herrn