Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1869)
- Date
- 1869-07-27
- Page
- Seite 598 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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598 Jede einzuliefernde Arbeit muß mit demselben Motto versehen sein, welches auf einem mitfolgenden versiegelten Briefe angegeben ist. Zu Preisrichtern sind ernannt: Herr Rabbiner Dr. Aub in Berlin, Herr Oberrabbiner Lew in Szegedin, Herr Dr. Philippson in Bonn und der Unterzeichnete. Die Entscheidung über den ersten und den zweiten Preis geschieht nach Stimmenmehrheit. ‘ Die Redactionen jüdischer Zeitschriften werden ersucht, die Ausschreibung dieser Preisfrage im Interesse der Wissenschaft zu reproduziren. Wien, im Juli 1869. Dr. Ad. Jellinek. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, im Juli. Fremdsprachliche Redensarten und ausdrücklich als fremdsprachlich bezeichnete Wörter in den Talmuden und Midraschim. Eine philolog. Studie von vr. Adolf Brüll. Leipzig. Fritsch, 1869. (gr. 8. 58 S.) Die Sprachgeschichte Palästinas von der Restauration unter Esra bis etwa zum Abschluß des jerusalemischen Talmud ist ein Gegenstand, der zwar viel behandelt, aber noch wenig aufgehellt, geschweige erschöpft wurde. Man weiß, daß aramäisch gesprochen wurde nach der Rückkehr aus dem Exil, man weiß, daß das Griechische ins Volk drang, als mit dem König der Makedonen Griechen den Orient überschwemmten, man weiß, daß die römische Botmäßigkeit römisch Sprechende ins Land brachte, man weiß, daß vom Babylonisch-medischen Exil her persische Elemente im Sprachleben sich eingebürgert hatten, daß die Nachbarschaft arabischer und nabatäischer Stämme Wortbezeichnungen in Menge dem Sprachgute der aramäischen Landessprache einverleibte, daß endlich ein das alte Hebräisch der heil. Schriften frei sortbildendes, mit aram. Elementen stark versetztes Idiom des Gesetzesausdrucks gleichsam als heilige Sprache zu einer bedeutenden Ausbildung und zu den bedeutendsten Literaturschöpfungen (Barajta, Mischna) gekommen war: aber eine treugeschichtliche und womöglich chronologische Darstellung der Sprachverhältnisse mit den sie bedingenden und begleitenden Erscheinungen, ein Eingehen auf die jedesmalige Verbreitungsart einer Sprache, in geographischer und gesellschaftlicher Beziehung, auf die Aeuderungen, die der Sprachtypns in der Uebertragung auf fremden Boden erlitten, im Nachweisen der etwaigen Gleichzeitigkeit von der Herrschaft verschiedener Sprachen — all dies sind Dinge, über die wir bis heute noch nicht belehrt sind. Und fragen wir, welche die Quellen sind, aus denen wir diese geschichtlichen Nachrichten beziehen können, so müffen wir uns gestehen, daß die direkten Geschichtsnotizen über diesen Gegenstand höchst ärmlich, und daß wir nur auf indirekte Resultate verwiesen sind. Der Sprachcharakter der hebr. Nationalliteratur in dieser großen Periode muß uns einen Fingerzeig geben auf die Sprachverhältnisse selber, wie sie zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten im heil. Lande vorherrschten. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend hat der Verfasser der vorliegenden Abhandlung jene ausgesprochen fremdsprachlichen Stücke, welche in der talmudisch-midraschischen Literatur sich finden, sowie jenen Wörtervorrath, der den Alten als fremdsprachlich bekannt und bewußt war, mit großem Fleiße gesammelt, und deren oft aller Entzifferungsversuche spottende Wiedergabe und Auslegung in einen sprachgeschichtlichen Rahmen gefaßt, wodurch er seinen scharfsinnigen Erklärungen den Stempel wiffenschaftlichen Werthes aufgedrückt. Der Vers, ging mit den der Dechisirirung trotzenden griechischen Redensarten, sowie überhaupt mit allen Textanführuugen wahrhaft kritisch zu Werke, und es gelang ihm auch zumeist, das Richtige herauszutreffen. Die fremden Redestücke sind aber an sich nicht ohne, manche sogar von großem Interesse. Nicht einverstanden bin ich mit der Auffaffung der Worte (S. 28) in Aboda sara 11,6 mobs '-rn "p — socius Kyrii falsator, trotz der darauf folgenden aram. Worte, die wie eine wörtliche Uebersetzung aussehen, weil damit dem hebr. Wortlaut zu sehr Gewalt angethan wird, und weil wir die geschichtliche von Rapoport entdeckte Grundlage der Mittheilnng für ganz und gar unannehmbar halten. S. 29 ist ■’avn ziwb nicht in zu verbessern, sondern der Sprachgebrauch von Daroma im Süd. Judäas, worüber bei Neubauer Geogr. und in "i'ann v. 1867 die Artikel B. Goldbergs nachzusehen sind. Die als arabisch bezeichneten Wörter, welche das Schriftarabisch nicht aufweist, gehören wahrscheinlich dem Himjarischen an, wie der Vers, auch bemerkt, nur war bei den Transscriptionen das (emphatische) n am Ende