Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1869)
- Date
- 1869-07-13
- Page
- Seite 565 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-Leilage ju Nr. 38. Leipzig, den 13. Juli 1869. Juden im österreichischen Heere. Unter obiger Aufschrift giebt Herr Di'. G. Wolf in Wien eine historische Skizze in der „Oesterreichischen Militärztg", aus welcher wir die wichtigsten Stellen hervorheben: Nachdem der Verfasser die Kriegsgeschichte des jüdischen Volkes kurz skizzirt hat, fährt er fort: Hajek, allerdings keine unverdächtige Quelle, der aber in Beziehung auf die Juden gewiß nichts Gutes berichten würde, wenn nicht die Momente dazu vorhanden wären, erzählt, daß die Juden in Böhmen im 9ten Jahrhundert auf Seite der Christen standen, um die Heiden zu bekämpfen. Im Jahre 1611 ließen sie sich in Prag, 50» Mann stark, unter die Kriegsschaaren einreihen, welche die Alt- und Neustadt gegen die Passauer vertheidigten. Unter Kaiser Ferdinand II. kämpften ebenfalls Juden im kaiserlichen Heere, wofür sie der Kaiser belobte und ihnen besondere Privilegien und Freiheiten gab. (Bergl. unser: Ferdinand II. und die Juden.) In späterer Zeit finden wir, daß die Juden wohl nicht Soldaten ins kaiserliche Heer stellten, jedoch hatten sie eine Geldreluition dafür zu erlegen. So stellten die Juden in Böhmen im Jahre 1764 56 Mann, d. h. sie hatten per Kopf 65 fl. zu bezahlen, im Ganzen fl. 3648. Im Jahre 1771 hatten sie wieder 56 Mann ä 50 fl. 2800 fl. und 11 Militärknechte k fl. 30 ----- 330 fl., zusammen 3130 fl. zu bezahlen. Unter Kaiser Josef II. wurden sie verpflichtet, persönlich ins Militär zu treten. Der Verf. wirft nun einen Blick auf die allgemeine Lage der Juden in jener Zeit, und zeigt, daß die Judenfrage für das Kaiserreich nach der Besitzergreifung von Galizien brennend wurde, denn, während zu jener Zeit in Böhmen 8089, in Mähren und Schlesien 5303, in Ober- und Nieder-Oesterreich 85, in Görz, Gradiska und Kram 86, in Steiermark und Kärnten gar keine jüdischen Familien wohnten, waren in Galizien 39,511 jüdische Familien. Am 20. Aug. 1787 erstattete Graf Brigido Bericht an den Kaiser. Seine Vorschläge gingen dahin: 1. denjenigen Juden, welche keinen Ackerban treiben, soll es verboten sein, auf dem flachen Lande zu wohnen; die Städte sollen ihnen als Aufenthaltsort dienen; 2. die Juden sollen zur Arbeit angehalten werden, und diejenigen, die nickt Ackers-, Handels- oder Gewerbsleute sind, sollen ausgewiesen werden; 3. wie die andern österreichischen Unterthanen sollen die Juden conscribirt und zum Militärfuhrwesen- und Stuckknechtdienst abgestellt werden; 4. die Toleranzsteuer, da sie in der aufgeklärten Duldungszeit der Hauptabsicht der Verträglichkeit unter allen Gattungen der Religionen zuwiderlaufe, soll aufgehoben werden; 5. die jüdischen Schulen sollen aufgehoben und die israelitischen Kinder in christliche Schulen geschickt werden; 6. um die Nahrungswege der Juden zu vermehren, soll eine Wollerzeugungsfabrik angelegt, und jedem, der Ackerbau treiben will, ein Beitrag von 50 fl. zum Ankäufe von Ackergeräthschafteen gewährt werden. Der Punkt 3 wurde in der Denkschrift folgenderweise motivirt: „Wenn gleich ein noch herrschendes Vorurtheil unter dem Militär, sie unter den Gewehrstand selbst zu nehmen, zur Zeit nicht räthlich sein sollte, so wird solches eben durch diese Veranlassung sich nach und nach verlieren, und dann kein Bedenken mehr obwalten, ob ein Jude nicht auch unter dem Gewehre dienen könne, wozu er nach seinen körperlichen Fähigkeiten eben so gut als jeder andere gesunde Mensch taugt, und daher in sich billig ist, daß er eben mit andern Menschen gegen den Staat gleiche Verbindlichkeiten tragen, mithin auch zu dessen Beschützung einwirken solle. Besonders da seine Religion dabei Nichts leidet, indem selbst aus der Geschichte bekannt, daß die Juden so gut wie andere Völker Krieg geführt haben." Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier den Verlauf der ganzen Angelegenheit genau zu schildern. Wir wollen daher die gemachten Vorschläge gar nicht kritisiren, übergehen die Bemerkungen der Hofkanzlei über die einzelnen Punkte und wollen nur hervorheben, daß der Kaiser am 13. Februar 1788 folgende Resolution erließ: „Sind die Juden auch zu dem Militärstande tauglich, und wenigstens von Anfang zu dem Fuhrwesen, dann zu der Artillerie als Stuckknechte zu verwenden