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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-13 · Heft 28 (13.7.1869) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 28 (13.7.1869)
Date
1869-07-13
Page
Seite 553 (sequence 5)
Language
German
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553 Fünfte Sitzung der Synode. Freitag, den 2. Juli, Vormittags 10 Uhr. Der Vorsitzende, Herr Prof. vr. Lazarus, verkündete als Mitglieder der Commission für Herstellung einer jüdisch-theologischen Fakultät die Herren: vr. Ludwig Philippson, vr. A. Geiger, Grand Rabbin Astruc aus Brüssel, vr. Josl a. Breslau und Prof. vr. L az a r u s aus Berlin. Man trat nun in die Berathung über die gottesdienstlichen Anträge, und nachdem man beschlossen, sich an die Anträge der Commission, welche die Casseler Rabbiner- Versammlung gewählt, zu halten und alle einzelnen Anträge und Amendements an geeignete Orte einzufügen, begann man mit tz. 1. 1. Alle Vorlesungen aus der Thora geschehen in hebräischer Sprache. Der dreijährige Cyclus ist als die zweckmäßigste Art der durchaus notwendigen Kürzung der Thoraverlesung zu empfehlen. Es versteht sich von selbst, daß der erste Passus dieses Paragraphen ohne Weiteres die einstimmige Billigung fand. Betreffs des zweiten Passus aber waren zwei Anträge eingelaufen; der erste von Lehrer Le es er aus Lübbeke: den einjährigen Cyclus beizubehalten, aber nur eine Auswahl von Stücken des Pentateuchs vorzulesen, indem alle zur öffentlichen Vorlesung ungeeignet scheinenden Stücke übergangen würden. Diesen Antrag vertheidigte besonders vr. Gottheil a. Manchester, indem er die Dringlichkeit solcher Auswahl dem weiblichen Geschlechte und der Jugend gegenüber, welche die Uebersetzung Nachlesen, betonte. Der Antrag wurde mit großer Majorität verworfen. Der zweite Antrag ging von Wertheimer aus Wien aus: den einjährigen Cyclus beizubehalten, am Sabbathmorgen aber nur einen Theil der Sidra, die anderen Theile am Sabbath Nachmittag, am Montag und Donnerstag zu lesen. Der Antragsteller fand diese Weise der Vorlesung dem Bestehenden näher und konservativer, und könne dabei die Feier des Simchath-Thora-Festes und der bisherige Kalender bestehen bleiben. Ihm trat Philip p so n iBonn), entgegen; ihm erschien diese Weise noch schlimmer als eine Auswahl, da dadurch der größere Theil der Thora, und zwar immer derselbe dem Publikum geradezu entzogen würde, so daß von derselben für die größere Masse in mechanischer Weise nur ein Theil übrig bleibe. Er findet dies viel weniger conservativ als den dreijährigen Cyclus, viel weniger dem Bestehenden nahe, denn das Bestehende sei die Vorlesung der ganzen Thora am Sabbathmorgen. Man gerathe so noch viel tiefer in den bloßen Formalismus, aus dem man gerade heraus wolle, in den leeren Schein. Das Simchath-Thora-Fest werde nicht davon berührt, denn „die Freude am Gesetzes hänge nicht von der Vorlesung des Endes und des Anfangs der Thora ab. Aub wollte einen Vermittlungsvorschlag bringen: man solle die Hälfte der Sidra am Sabbathmorgen, die andere Hälfte am Sabbathnachmittag lesen. Diesem Anträge schloß sich Wertheimer an, und er erhielt 28 Stimmen, wahrend für den dreijährigen Cyclus 27 stimmten, andere enthielten sich der Abstimmung. Wir fügen gleich hier hinzu, daß später eine Erklärung mit 20 Unterschriften abgegeben wurde, welcher sich alsdann sämmtliche übrige Mitglieder der Synodal - Versammlung anschlossen, dahin gehend, daß sie den Beschluß der Mehrheit so verständen: die Kürzung der Thora-Vorlesung sei dringend nothwendig, und es wäre ebenso zulässig, wie anheimgestellt, daß diese Kürzung sei es durch die Verlegung am Sabbathnachmittag, sei es durch den dreijährigen Cyklus geschehe. Die Sitzung schloß um I Uhr, Sechste Sitzung, Freitag d. 2. Juli Nachmittag 3 Uhr. Philippson lDeffau) hatte einen Antrag eingebracht, Mincha von Jom kippur nicht mehr das bisherige Thorastück 3 Mos. 18 über die Ehe und Keuschheitsgesetze vorzulesen, sondern dafür das 9. Kapitel (Kedoschim). Die Gründe sind einleuchtend. Verschiedene Redner besprachen die Gründe, welche die Alten bestimmten, diese Wahl zu treffen, die aber für unsere Zeit nicht mehr haltbar wären. Der Antrag wurde angenommen. Ferner lag ein Antrag Geiger's vor, die betreffenden Abschnitte am Sabbath Sachor und S. Para nicht mehr zu lesen, da der eine ein gehässiges Andenken gegen ein nicht mehr bestehendes Volk Hervorrufe, und der andere an ein Mittel symbolischer Reinigung erinnere, das für uns gar keine Anwendung mehr findet. Es versteht sich, daß hiermit nicht die Vorlesung dieser Abschnitte an ihren Stellen in der Thora gemeint ist. So triftig die Gründe hierfür sind, so erschien doch eine solche Detailänderung nicht von Bedeutung, und der Antrag wurde durch die Mehrheit verworfen. Es folgte ein Antrag des Semi-

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