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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-22 · Heft 25 (22.6.1869) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 25 (22.6.1869)
Date
1869-06-22
Page
Seite 501 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Fkililltton-Seilage )\i ttr. 25. Leipzig, den 22. Juni 1869. Die Juden des modernen Spaniens, u. (Nach den Arch. isr.) Vor der Revolution im September 1868 brauchte der Israelit, welcher in seinem Herzen die religiösen Traditionen seiner Kindheit bewahrt hatte, einen gewissen Muth, um zu zeigen, daß er nicht allein seinen Glauben nicht verleugne, sondern ihn auch innerhalb der Grenzen des Möglichen befolge und beobachte. Man hat ganz Recht, wenn man sagt, daß der moralische Einfluß einer edlen Familie sich hier schon fühlbar machte: wir brauchen das Haus Rothschild nicht zu nennen, das von den Herren Daniel Wesweiler u. Bauer, Banquiers in Madrid, vertreten wird. Ungeachtet ihrer hohen sozialen Stellung, ihrer diplomatischen Functionen, ihrer Beziehungen selbst zum Hofe, haben diese Herren fortgefahren, die Religion Moses zu beobachten, ohne dies im Geringsten der Welt zu verbergen: an jüdische Frauen verheirathet, haben sie ihre Kinder im Judenthurne erzogen, ihre Söhne sind beschnitten, und sie folgen dem Beispiele ihrer Väter. Jedermann erinnert sich in der That, daß zur Zeit, als die Familie Rothschild, um den unglücklichen Juden von Marokko zu Hülfe zu kommen, den gelehrten H. Albert Cohn dort hinsandte, einer dieser marokkanischen Juden genöthigt war, sich durch Spanien zu flüchten; dort fand der Unglückliche dieselbe Intoleranz, vor welcher er floh, und, unschuldig angeklagt, war er schon auf dem Punkte, eines der Verdammungsurtheile zu erleiden, welche an die traurigen Tage des Mittelalters auf dieser klassischen Erde der Auto-ibr-l'ö erinnert hätten! Glücklicherweise schlug sich Herr Bauer sofort in's Mittel, und er erlangte, nicht ohne Mühe, daß jede Verfolgung unterbrochen und beendet wurde. Solche Züge darf man nicht vergessen, denn sie bezeugen zugleich einen Muth, der über jedes Lob erhaben, und jene Gewissenhaftigkeit, welche beweist, wie sehr wir immer an dem Glauben unserer Väter in jedem Lande halten! Eine einzige Sache verwundert uns; woher kommt es, daß seit dieser gewaltigen September-Revolution, welche sich jeden Tag mehr befestigt, angesichts der Rede, welche in der Sitzung vom 12. April 1869 in den Cortes von dem Deputirten Castelar gesprochen wurde, noch kein einziger israelitischer Tempel in Madrid eröffnet wurde? Die Protestanten haben schon die Einführung der freien Uebung aller Culte, welche die spanische Regierung und die große Majorität der Nation bewilligt haben, benutzt. Ohne Zweifel finden sich bei der Wiederherstellung einer so lange erstickten Freiheit manche Schwierigkeiten vor, deren Ursachen wir nicht kennen. Vielleicht ist auch die Zahl der Bekenner noch nicht groß genug, um eine Gemeinde in der Hauptstadt bilden zu können. Die Zeit wird alledem abhelfen: die Toleranz führt nothwendig die Einwanderung herbei, und dieses so fruchtbare, so productive Land, wird bald, wie alle andern Länder Europas, dem Handel und der Industrie unserer Glaubensgenossen eine neue Stätte bieten, die ehrenwerth genug sein werden, um sich überall, wo sie sich niederlassen und den Sitz ihrer Geschäfte aufschlagen, Achtung zu erwerben. Welch' Unterschied jedoch zwischen dem Spanien vor den Septembervorgängen und zwischen Portugal! Dieses letztere Land, welches auch so lange Zeit der düsteren Inquisition, der Mönchspartei, der Intoleranz der Priester überlassen war, hat der iberischen Halbinsel das Signal zur Emanzipation der Culte gegeben. Freilich herrscht so gut wie in Spanien, auch in Portugal die katholische Religion, fast alle Portugiesen sind römisch-katholisch; aber die anderen Bekenntnisse genießen dort eine Toleranz, welche von den Gesetzen beschützt wird. Die Inquisition, seit lange schon außer Thätigkeit, wurde 1S20 definitiv abgeschafft; der Jnquisitionspalast, welcher von Grund aus zerstört wurde, ist heute von einem Theater ersetzt! Das Theater der Dona Maria 11., ein Denkmal für diese Fürstin! Die Gleichheit der Culte ist so in die Sitten Portugals eingedrungen, daß während der sechs Monate, welche ich 1865 in Lissabon zubrachte, niemals, wenn man von einer israelitischen Familie sprach, ich sagen hörte: dies sind Juden! ... Es giebt in Lissabon einen sehr besuchten jüdischen Tempel, so wie eine große Zahl protestantischer Kirchen; und trotz der Frömmigkeit der katholischen Portugiesen, welche ganz natürlich aus ihrem.

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