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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-01 · Heft 22 (1.6.1869) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 22 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M SS. aa. Jch-am«, Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jndWe HerausgegeLen von Rabbiner vr Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 1. Juni 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit i*/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Aue Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Interesse Inhalt. Leitende Artikel: Wie ist den nothleidenden Juden in Westrußland zu Helsen? III. — Broschürenliteratur. — Zur Synodalversammlung. XVII. — Literarischer Wochenbericht: Ans Süddentschland, Gr. Becskerek. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Gnesen, Magdeburg, Cassel, Cöln. Feuilleton-Beilage: Die Juden des modernen Spaniens- —- Eine Probe aus dem Schmuelbuche. — Kleine Mittheilungen. Leitende Artikel. Bonn, 23. Mai. Wie ist den nothleidenden Juden in Westrnßtand;» helfen? ni. Wir erhalten über diesen Gegenstand ferner eine ausführliche und eingehende Zuschrift des Herrn Rabbiner vr. Treuenfels in Stettin, aus welcher wir die wichtigsten Partien hervorheben. Auch ihm erscheint die „Auswanderung, organisirte Auswanderung und zwar in möglichst großem Maßstabe" als das alleinige Rettungsmittel, als ein Axiom in dieser drängenden Angelegenheit. Er weist hierbei auf das Beispiel von Irland hin, aus welchem in den vierziger Jahren die Auswanderung von mehreren hunderttausend Köpfen bewerkstelligt wurde, und wodurch Irland selbst einer besseren Zukunft entgegengeführt ward. Seine nächste Frage ist, wohin die Auswanderung zu leiten sei? Er spricht sich gegen einen Gedanken nach Palästina aus, wo die Bodenkultur auf so niedriger Stufe, die Bettelei in so üppiger Blüthe steht und Handel und Industrie gänzlich fehlen. Er erklärt sich aber auch gegen die Einwanderung in das Innere Rußlands, so weit auswärtige Mittel dazu verhelfen sollen, und findet die Gründe hierfür in der Behandlung, welcher die Juden in Rußland noch immer ausgesetzt sind. Die einzige zu vermittelnde Auswanderung müsse vielmehr nach Amerika gerichtet sein. Wir lassen jetzt den Verfasser selbst sprechen: Was ist jetzt zu thuu? wie schafft man 10,000, 50,000 Juden aus Rußland nach Amerika? Ist es unmöglich?! Warum ist es für Irland in noch viel größerem Maaßstabe in kurzer Frist verwirklicht worden? Aber der eigenen Initiative der Unglücklichen dürfen wir die Auswanderung nicht überlassen! Es gehen schon viele von ihnen, mit und noch mehr ohne Familie, nach Amerika, von Woche zu Woche steigt die Zahl; aber das ist für sie der verkehrteste, für uns der kostspieligste Weg. Für sie — denn was wollen D^iirm „diese verkümmerten Juden" machen? Vereinzelt, auf eigne Hand, und doch zahlreich anlangend, müssen sie zu Grunde gehen! Die Einen wollen als Schächter u. dgl. fungiren — mehr B'amtt als Hühner — die Meisten sind Handwerker; aber selbst der deutsche tüchtige Geselle hat viel zu lernen, bis er in Amerika bestehen kann; ein Schneider,

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