Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1869)
- Date
- 1869-05-25
- Page
- Seite 424 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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zeichen an ein verlorenes Glück nicht zurücklassen; hat doch Jene einmal an seinem Herzen gelegen, hat sie ihm einmal doch mit innigster Zärtlichkeit in das Auge geschaut — daß er dies in Zukunft wiffe und glaube, dazu sollte die Geige ihn begleiten. Er ergriff sie, wickelte sie in ein Tuch und eilte nunmehr mit um so hastigeren Schritten auf die Gasse hinunter, die Straßen hin, zum Thore hinaus. Niemand redete ihn an, Niemand hielt ihn zurück; die Wenigen, die ihm begegneten, achtetew-Es ihn gar nicht. Er war draußen vor dem ^.Mmete frei auf: verschwinde, höllisches Nest, Do-iA'sochM Tage verloren und nur die tiefste Wunde ' in Diner; Mrust empfangen! Aber die Gefahr war drohend. Der'^Pfeifer mußte sofort seine Abwesenheit gewahren; _ er, Jacob, war im Augenblicke und gerade bei dieser Gelegenheit gar nicht zu ersetzen; er mußte sich-bei fceftt Bürgermeister beklagen und dieser eitle Regent von N., sehr aufgebracht, seine Häscher hinter ihm drein schicken. Jacob sing an zu laufen; wie ein gejagter Hirsch sprang er, Weg und Steg hinter sich lassend, nach dem nahen Walde, versenkte sich in das dichteste Gebüsch, und nachdem er mehr als eine Stunde in der Angst der Flucht dahingeeilt war, glaubte er fick endlich sicher, wenigstens für einige Zeit und warf sich auf den Rasen unter eine Eiche, ringsum von Strauchwerk umgeben, welches jeden Blick auf diese einsame Stelle verhinderte. Hier lag er lange, lange, die Hände über das Gesicht gelegt, bis endlich ein Strom von Thränen seinem unsäglichen Schmerze Luft machte. Ach, er war noch so jung, so jung, und hatte Alles verloren, und wußte nicht, wo ein, wo aus. «Fortsetzung folgt.) Kleine Mittheilungen. Wir mögen in d. B. wohl eines Falles erwähnen, der die Glaubenstreue einer Jüdin so recht ins Licht stellt, wenn wir auch im Ganzen solchen Vorgängen nicht sehr hold sind. Der Prinz Louis von Bourbon, Sohn des Grafen d'Aquila, des Oheims von Franz II., Exkönig von Neapel, hatte einen Herzensbund mit Amelia Isabel Hamil, Tochter eines wohlhabenden Israeliten in der Havana, geschlossen. Aber es war ihr unbedingter Entschluß, ihrer väterlichen Religion unter keiner Bedingung untreu zu werden. Welche Irrfahrten hatten sie aber anzustellen, um in den Ehebund einzutreten! Das junge Paar war zuerst in Paris zusammengetroffen. Der Vater der überaus schönen Braut war der Sache nicht ungünstig, der Vater des Bräutigams versagte seine Einwilligung. Sie gingen von Paris nach Köln. Der Erzbischof weigerte sich, die Schließung des Ehebündniffes zu genehmigen, doch der Prinz wich vor kirchlichen Hindernissen ebensowenig wie vor politischen oder dynastischen zurück und reiste nach New-Uork. Aber auch hier, im „freien Lande", war noch nicht aller Tage Abend; Prinz Louis Marie Ferdinand Pierre d'Alcantara stand mit seiner Braut schon vor dem Traualtar, als die Behörden der katholischen Kirche diesen Act zu verhindern wußten. Jetzt blieb nichts Anderes übrig, als eine Civilehe; der Prinz begab sich mit seiner Braut zur City-Hall, um sich von dem Mayor copuliren zu lassen. Doch weh! Der Mayor Oakley Hall war nirgends zu finden und das liebende Pärchen sah keinen anderen Ausweg, als sich zum nächsten Polizeigerichte zu begeben, um dort seiner Wünsche höchsten durch Vermittelung des Richters Dodge verwirklicht zu sehen. Bei Gelegenheit des jüngst in der neuen Synagoge in Berlin zum Besten der nothleidenden Juden in Rußland veranstalteten geistlichen Concerts, sagt eine Kritik in der „Voss. Zeit.": „Wenn einerseits der wohlthätige Zweck des Concerts und die Trefflichkeit der mitwirkenden Kräfte solche Zugkraft geübt hatten, so war andererseits auch die Wahl des Ortes nicht ohne Einfluß geblieben. Unter den Bauwerken Berlins zählt die neue Synagoge zu den hervorragendsten und noch niemals ftüher hatte sich dieser Raum einer musikalischen Aufführung geöffnet. Die ernste Pracht der Formen, die magisch-phantastische Beleuchtung, die ebenso durch Eigenthümlichkeit, wie durch die zarte Abdämpfung der Lichtstrahlen fesselt, war in hohem Grade geeignet, die Anwesenden in die Stimmung eines geistlichen Concerts einzuführen. Wir kennen keinen Raum in Berlin, der in gleichem Grade diese Eigenschaft besäße, und müssen es bedauern, daß es nicht möglich ist, für unsere Oratorien - Aufführungen Aehnliches zu schaffen. Ebenso günstig können wir von der Akustik der neuen Synagoge urtheilen, die z. B. noch das zarteste piano des Violvncell zur Wirkung kommen läßt und dem Chor und Orchester die volle Entfaltung gewährt. Bon dem starken Nachhall, der unseren Domen eigen und der den Klang der Stimmen und Instrumente wie mit einem Heiligenschein umgiebt, wobei aber nicht selten die Deutlichkeit der Ausführung verloren geht, ist der neuen Synagoge gerade noch so viel geblieben, um eine gewisse Poesie des Klanges hervorzurufen; die Deutlichkeit wird aber nicht beeinträchtigt." Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck voll I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lvtze.