Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1869)
- Date
- 1869-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
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nicht eben sehr vermögenden, aber sehr wohllhätigen Eltern auf einem Dorfe im gesegneten Hessenlande lebte, und ulein Vater, sein Angedenken sei gesegnet, nach großen Mühen, Sorgen und Entbehrungen der Woche am Freitag Abend, vielleicht mit ein paar Armen als Gäste sich zu Tische setzte, und der Lichtglanz der runden sechszackigen Sabbathlampe, die Fülle, das Glück und der Frieden des Augenblickes sich in seinem strahlenden Angesichte wiederspiegelte; wie sprach er da voller Behagen: „Sind wir nun nicht ein Am-segula (Volkskleinod)? Wer hat an diesen! Abend, und wäre er auch der Aermste, nicht sein freundlich erleuchtetes Stübchen, seinen wohl gedeckten Tisch, und hat er es nicht von dem Seinigen, nun so hat er es durch die Milde der Glaubensbrüder^ — und nun erleben und mit ansehen müssen, wie vielleicht eine ganze Million unglücklicher Glaubensgenossey nicht nur den Sabbath zum Wochentage machen müssen, wogegen in diesem Falle selbst der rigorose Schamai nichts einzuwenden hätte, sondern vielmehr zum Fasttage „zum Tage der Engniß und Bevrängniß, zum Tage des Schreckens und Erschreckens, zum Tage der Finsterniß und des Dunkels ... da Roth und Tod bedrohen alle Bewohner des Landes" (Zeph. 1, 15. u. 18.) — das ist herzzerreißend. Angesichts einer solchen Calamität wird man zum Communisten, sprechend: „Eigenthum ist Diebstahl"; mindestens so lange, als der Bruder nicht vor dem Hungertode gesichert ist. Ein Fall, der uns auch ungemein erschüttert hat, ist noch folgender: Als im verflossenen Spätherbste wir immer noch zögerten, unser Werk zu beginnen, da kam zu uns der treffliche Dajan (Rabbinats-Assessor) Rabbi Jankel aus Plungan, und drängte und trieb, die Noch in den grellsten, leider allzuwahren Farben darstellend, bis wir unsere Unterstützungsthätigkeit wieder ausgenommen hatten; und nun — ist auch er der Calamität erlegen. Brüder! Dieser Mann hat um das Wort der Schrift: „Und du sollst darin (im Gotteswort) forschen Tag und Nacht" zu bethätigen und zu bestätigen, vierzig Jahre lang mit Ausnahme der Sabbathe und Festtage im Beth-Hamidrasch (Lehrhaus) genächtigt. Welch ein Glaubenheroismus! Brüder! Ich werde nicht rasten noch ruhen, kein geeignetes und gebotenes Mittel werde ich unversucht lassen, mit den kräftigsten Worten an Eure Herzen und Eure Thüren anzuklopfen, bis wir durch gemeinsame Thätigkeit das begonnene Werk zu einem einigermaaßen gedeihlichen Ziele geführt, „bis Gott sein Volk bedacht und ihm wieder Brot gegeben hat." — (Ruth 1, 6.) In sechs weitern wöchentlichen Comitesitzungen hat nebenstehender Städtekreis folgende Gaben erhallen: