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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-27 · Heft 17 (27.4.1869) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 17 (27.4.1869)
Date
1869-04-27
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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336 bon Seiten des Centralcornitcs eröffnet die Broschüre. Gewiß ist es wohlthuend, mit einer solchen Innigkeit dergleichen Entwürfe gegenwärtig aufgefaßt zu sehen, und der Unterschied dieser jüdisch-religiösen Stimmung von der, welche vor drei Jahrzehenden herrschte, beweist genug, daß die Anstrengungen so vieler tüchtiger Männer während des gedachten Zeitraums nicht vergebens gewesen. Aber ist es nicht zu viel gesagt, wenn es heißt: „Hier «in der projectirten Ackerbauschule) liegt die Zukunft, das Heil Palästina's, und durch Palästina, das Heil des Orients. Unsere jungen Leute werden hieraus hervorgehen, um sich über die Länder zu verbreiten, welche heute noch Wüsten sind, und die nur männliche und geschickte Hände verlangen, um, wie der Prophet sagt, sich aus ihren Ruinen zu erheben und noch einmal ein gelobtes Land zu werden." — Hierauf folgt ein Auszug der Rede, in welcher Herr Cr e mie ux in der Jahresversammlung den Plan empfohlen hatte, und dann der wichtigere Theil des Schriffftückes, der Bericht des Herrn Carl Netter über die Lage der Israeliten im Orient. Nach ihm ist die israelitische Bevölkerung Palästinas gegenwärtig 13,000 Seelen stark, darunter etwa 2,500 erwachsene Männer, von denen nur 15°/o dem Handel oder Handwerk ergeben sind. Nur ein Jude in Jerusalem betreibt Landbau, in der Nähe der Stadt, arbeitet aber nicht selbst und verwendet keine Juden. Auch in Jaffa hatte sich ein Jude aus Bagdad ein Grundstück gekauft, war aber durch die Betrügerei seines arabischen Gärtners, dessen er, selbst ohne Kenntniß des Land- Laues , sich bedienen mußte, ruinirt worden. Unter den Einwanderern giebt es einige, die ein kleines Vermögen mitbringen, cs aber in der Regel in den ersten Unternehmungen verlieren. In einem solchen Lande ohne Handel und Industrie bleibt die einzige Quelle das Almosen. Wie dasselbe in Jerusalem gehandhabt wird, ist bekannt, und so armselig es ist, verleitet es doch noch zu frühzeitigen Verheirathungen, um recht viele Köpfe für die Zahl der Antheile zu stellen. Herr Netter prüft nun die Unterrichtsanstalten, welche in Jerusalem gegründet worden, nämlich die des vr. Frankl, des Herrn Blumenthal, Albert Cohn, Krieger. Die Erfolge schildert er als sehr schwach. Man lehrt Hebräisch und Rechnen, gelangt aber nicht weit darin. Der Versuch, den Unterricht der Landessprache, des Arabischen, einzuführen, brachte einen Aufstand zu Wege. Die Aeltern müssen bezahlt werden, um ihre Kinder hineinzuschicken. In den übrigen Städten Palästinas ist keine solche Anstalt errichtet worden. So dankbar die gedachten Anstrengungen aufzunehmen sind, so waren die Schwierigkeiten zu groß, um einen beeinflussenden Erfolg zu gestatten. Herr Netter meint nun, die Leute wollen statt des Almosens Arbeit, Arbeit, die sie ernähre. Viele sprachen so zu ihm, als er in Palästina war. Aber würde das Wort auch That werden? N. berichtet selbst: Sir Moses Montefiore hat Webermeister und Maschinen nach Jerusalem gesandt — jene sind verschwunden, diese liegen in Trümmern. N. giebt als Ursache an: die Türkei hat keine Schutzzölle, belastet aber desto mehr die Arbeiter mit Abgaben. Sir Moses wollte auch Ackerbau einführen, kaufte einen großen Garten bei Jaffa und instaüirte Leute zur Bearbeitung. Seitdem er ihren monatlichen Unterhalt zu zahlen aufgehört, liegt der Garten von Dornen und Unkraut bedeckt, das Wohnhaus in Trümmern, die Arbeiter sind verschwunden. N. meint, die Leute sind zu Allem bereit, wenn sie hungrig, zu Nichts, wenn sie satt sind. Die weiteren Bilder aus dem Orient, die uns Herr Netter vorführt, sind traurig. Wo der Handel blüht und es unseren Glaubensgenossen besser geht, sind sie fanatisch und wollen von einer Veränderung nichts wissen. Dagegen rühmt er die Reinheit der Sitte im Schooße der Familie. Herr Netter sieht ebenfalls im Ackerbau das einzige Hülssmittel; aber er will, daß regelmäßig gelehrt werde. Nach seinem Entwurf sollen ein Lehrer der landwirthschaftlichen Arbeiten und ein anderweitiger Lehrer installirt, jährlich zehn Zöglinge zugelassen werden, die Lehrzeit drei Jahre dauern, nur Knaben von dreizehn bis sechszehn Jahren, welche die Elemente des Hebräischen und des Rechnens inne haben, arabisch sprechen und eine europäische Sprache lesen und schreiben, sollen zugelassen werden, andere Schüler können gegen Bezahlung eintreten; jedes Jahr findet eine öffentliche Prüfung statt und die austretenden Schüler erhalten ein Diplom. Jedes Jahr wird ein Terrain für zehn Familien gekauft, von denen jeder ein Schüler zur Anleitung für ihre Arbeiten beigegeben wird. Dies ist der Plan, zu dessen Verwirklichung die Alliance die Mithülfe aller Glaubensgenossen in Anspruch nimmt. Wir übergeben ihn der Prüfung und Erwägung unserer Leser.

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