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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-27 · Heft 17 (27.4.1869) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 17 (27.4.1869)
Date
1869-04-27
Page
Seite 335 (sequence 11)
Language
German
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*335 wichtigen Buche. Der junge gelehrte Herausgeber begleitete diese Fragmente mit interessanten, gut hebräisch geschriebenen Notizen von vier bedeutenden Männern von der Familie Kapsali: R. Moses, R. Elieser, R. Elkana und R. Elia Kapsali. Das Büchlein ist gefällig ausgestattet, und für Geschichtsfreunde eine willkommene Gabe. Der erste Wahlbezirk Mailands hat statt des verstorbenen berühmten Carlo Cattaneo, unfern Glaubensgenossen Enrico Fano ins italienische Parlament geschickt. Spanien. Madrid, 13. April. Unter allen Reden, welche über den Verfassungsentwurf im Allgemeinen handelten, war die hervorragendste eine von Castelar in der Sitzung vom 12. d. M. gehaltene. Sie war vollständig improvisirt, wie dies ihr Inhalt, eine Widerlegung des Canonicus Manterola, der gerade vorher gesprochen hatte, auf's schlagendste beweist. Auch hatte Castelar schon das Wort gehabt und wurde nur durch Manterola's persönliche Angriffe zum nochmaligen Auftreten veranlaßt. Er sprach über die religiösen Bestimmungen in dem Berfassungsentwurfe; kennzeichnete die Ketzer- und Judenverfolgungen, welche Spanien erlebt hatte, folgte dem clericalen Vorredner in die einzelnen geschichtlichen Anführungen, selbst in die Anekdoten hinein und hielt eine begeisterte Lobrede der Duldung, welche mit den Worten schloß : „Groß ist die Religion der Macht, aber größer ist die Religion der Liebe; groß ist die Religion der unerbittlichen Gerechtigkeit, aber größer ist die Religion der verzeihenden Barmherzigkeit; und im Namen dieser Religion komme ich hieher, um euch zu bitten , daß ihr an die Stirn eures Grundgesetzes die Religionsfreiheit hinschreibet, das ist die Freihett, Brüderlichkeit, Gleichheit aller Menschen!" Die Rede riß die ganze Versammlung, Monarchisten wie Republikaner , hin; der Beifall wollte nicht schweigen und der beredte Republikaner sah sich allseits von beglückwünschenden Abgeordneten umringt. „Niemals," rief Posada Herrera aus, den doch Niemand im Verdachte einer übermäßigen Hinneigung zur vollständigen Religionsfreiheit haben kann, „niemals bin ich in den vierzig Jahren meines parlamentarischen Lebens eines solchen Triumphes Zeuge gewesen!" Die meisten spanischen Blätter sprachen von dieser Rede in einer Begeisterung, die ins Kindliche hinüberstreift, jedenfalls aber doch von der außerordentlichen Wärme zeigt, mit welcher sie für die Religionsfreiheit eintreten. Palästina. Bonn, 15. April. (Privatmitth.) Es war bereits in d. Bl. von dem neuerlichst von der Alliance isra<5lite universelle gefaßten Beschluß die Rede, eine landwirthschaftliche Schule in Jaffa zu gründen. Wir konnten uns mit demselben nicht in Uebereinsttmmung finden, da die Erfahrung alle derarttge Versuche, die nicht allein für Juden gemacht worden sind, als erfolglos , weil von den Verhältnissen des Landes nicht begünstigt, erwiesen hat. Die Alliance erläßt jetzt einen desfallsigen Aufruf, und der verehrungswürdige Präsident der Alliance ersucht uns, jenem auch unsere Publieität zu Gebote zu stellen. Wir wollen daher in Folgendem eine Analyse des Schriftstückes geben, fühlen aber, so unangenehm es auch für uns ist, die Verpflichtung, unsere abweichenden Ansichten und Bemerkungen hinzuzufügen. Es handelt sich hier um ein Experiment, das große Summen verschlingen kann, und, wenn es fehlschlägt, den Allgemeinsinn wieder sehr abzuschwächen vermag. Ueberhaupt kommt es hierauf an, alle bloße Phraseologie fern zu halten, und den realen Zuständen scharf ins Auge zu blicken; die letzteren besitzen Beredsamkeit genug für sich. Können wir es z. B. billigen, wenn schon der zweite Satz der Ansprache lautet: „Die Alliance hat überall Schulen gegründet, und von Bagdad bis Tanger verbreiten diese Schulen den Unterricht unter Tausenden von Menschen, welche in Unwissenheit lebten." Man kann das Verdienst der Alliance würdigen, ohne es durch dieses „überall" zu übertreiben, wo es sich bis jetzt nur um ein halbes Dutzend Schulen handelt, von denen einige erst ein sehr schwächliches Leben erlangt. Ebenso ist der Ausspruch: „Der Boden Palästina's ist immer fruchtbar, es ist das Land, wo Milch und Honig floß," nicht gerechtferttgt. Ja, „floß" — jetzt können nur einige Theile des Landes noch als fruchtbar angesehen werden. Die Verwüstung und Verödung des Landes, die Entwaldung und Entwässerung und der Sand der Wüste haben allzugroße Strecken der Cultur unfähig gemacht. — Eine warme Ansprache 17*

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