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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-27 · Heft 17 (27.4.1869) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 17 (27.4.1869)
Date
1869-04-27
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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833 In diesen Tagen langte ein Schreiben des Magistrats bei der hiesigen Cultusgemeinde an, welches dieser ausgab, einen Knaben, an dem die Beschneidung nicht vollzogen worden, in die jüdische Gemeindematrikel einzutragen. Früher erzwang der Staat die Beschneidung vom Einzelnen, jetzt zwingt man die Gemeinde, in ihre Reihen einen aufzunehmen, den sie mehr oder weniger nicht als einen der Ihrigen anerkennen will. Also immer wieder Zwang in religiösen Dingen. Und woher dies? Weil man die Führung des Civilstandes, eine mit der Religion garnichts zu thun habende bürgerliche Amtshandlung, den Händen der Geistlichkeit zu entziehen und sie dahin zu verlegen sich nicht entschließen kann, wohin allein sie gehört, in das bürgermeisterliche Amt. Ist das Individuum frei, der Gemeinde gegenüber, muß auch die Gemeinde frei sein dem Individuum gegenüber. Pest, 12. April. Die hiesige Jsraeliten-Gemeinde beschloß den Bau einer zweiten Synagoge. Pest, am 26. März. (Privatmitth.) Die Wahl des ersten jüdischen Deputaten des Landes, die des Herrn Wahrmann, wurde unter großer Betheiligung der Intelligenz dieser Stadt, durch Acclamation vollzogen, da dieser Deputirte keinen Gegenkandidat hatte. Herr Wahrmann gehört zu den ersten Capacitäten des Landes, und da Ungarn gerade in commercieller Beziehung so manches nachzuholen hat, so ist die Wahl dieses Fachmannes als eine glückliche zu bezeichnen. Z.... Munkacser Berichte melden, daß der dortige Rabbiner während der Predigt wahnsinnig geworden sei. Der Munkacser Rabbiner war das fanatischeste Mitglied der orthodoxen Partei im israelitischen Congreß in Pest. Er war derselbe, der im Congreß stets die bekannten tumultarischen Scenen hervorrief. Lemberg, 14. April. Gestern hatte die Deputation der Jaroslauer Juden, der sich der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde zugesellt hatte, beim Herrn Statthalterei-Leiter Possinger eine Audienz. Dieselbe stellte dem Herrn Statthalterei-Leiter vor, daß bei der Aufregung, die unter dem Pöbel Jaroslaus herrscht, Ruhestörungen noch immer zu besorgen seien. Einzelnen jüdischen Bürgern gingen anonyme Drohbriefe zu, die eine baldige großartige Judenhetze in Aussicht stellen. Es sei daher Sache der Regierung, die Bürger vor derartigen Ueberfällen zu schützen. Specieü verlange die Deputation eine Verstärkung der Garnison. Herr v. Possinger versprach in zuvorkommendster Weise, Alles, was nur in seiner Macht sei, zum Schutze der Bürger Jaroslaus zu thun, und bemerkte, daß sie wegen ihrer Habe und ihres Gutes ruhig sein dürfen; für jede Beschädigung desselben müsse ihnen Entschädigung gewährt werden. Was die Forderung um Verstärkung der Jaroslauer Garnison betrifft, versprach Herr v. Possinger, beim General-Commando diese Bitte zu befürworten. Munkacs, 12. April. Man schreibt aus Munkacs vom 9. d. M.: Am letzten Samstage wurden die der Fortschrittspartei ungehörigen vr. Moskovitz und vr. Silberberg von ungefähr 460 orthodoxen Juden überfallen, mit Schimpfreden und Steinen beworfen, und sie verdanken ihre Rettung der christlichen Jugend, die sich um sie schaarte, und der Sicherheitswache; sogar zur Militärbereitschaft mußte geblasen werden. — Der Rabbi versammelte hierauf die Juden in dem Tempel, wo er die beiden Fortschrittsmänner neuerdings verfluchte und erklärte, daß überall, wo sie essen oder trinken, das Geschirr unrein (trefe und Neßech) sei. — Die Untersuchung wegen dieses Excesses ist seit 3 Tagen im Zuge, und es waren bereits bis jetzt 50 Zeugen vorgeladen. Die Untersuchung gegen den Rabbiner wird nach Beendigung der hiesigen Voruntersuchung der Excedenten in Beregszäsz beim Comitatsgerichte in Strafsachen beginnen. Es wurden hier bereits einige Verhaftungen vorgcnommen, die Verhafteten jedoch gegen Garantie auf freien Fuß gesetzt. Die orthodoxen Juden wollten zuvor die beiden Fortschrittsmänner durch Geldversprechungen zum Abstehen von der Klage bewegen, was selbstverständlich zurückgewiesen wurde. Nyirbittor, im März. (Privatmitth.) In der Gemeinde Bessenyö waren am 17. d. die Wähler des Nyirbätorer Candidaten der DeÄpartei, des Israeliten P. Mandel, bewirthet worden und zogen jubilirend in den Gassen herum, wo sie mit den Wählern des Candidaten der Linken in Streit geriethen, woraus dann eine mörderische Balgerei entstand, in der eilf Wähler Wandels schwere Verletzungen erhielten, an denen einer zwei Tage darauf gestorben ist. Sonderbarer Weise agiürt hier die katholische Geistlichkeit gegen die Regierungspar-tei, da sie durchaus nicht will, daß ein 17

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