Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1869)
- Date
- 1869-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. M. 16. Allgemeine Zeitung -es Zu-enthums. * Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 20. April 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmalDienstags, in 2 bis 2'/* Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Tblr. Inserate werden mit 1V2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Kaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an i der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der spanische Versassungsentwurf. — Unsere neuesten Gegner. III. — Zur Synodalversammlung. XI. — Ein Protest — Literarischer Wo chenbericht: Lengnau, Aus Rußland. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Braunschweig, Frankfurt a. M., Gnesen, Coswig, Bonn. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pest, Aus Ungarn, Aus dem Tokajergebirge, Vukovar, Mattersdorf, Lemberg, Iaroslau. D0 naufürslen thümer: Bukarest. Spanien:Madrid. Feuilleton-Beilage: Ein Musikant. — Vertheidigung des Nachdrucks. — Cnriosa. Leitende Artikel. Borin, 11. April. Der spanische Versassungsentwurf. Schneller als es bei ähnlichen Gelegenheiten geschehen ist der Entwurf einer neuen spanischen Verfassung aus der Fünfzehner-Commission an die Cortes gelangt, und, soweit man den übereinstimmenden Berichten trauen kann, wird dieser Entwurf von der Mehrheit der Cortes angenommen werden. Diese Verfassung wird demnach in allen Punkten zu den freisinnigsten der europäischen Staaten gehören — nur in einem für unsre Zeit allerdings sehr wichtigen Momente nicht, nämlich in dem der Religionsfreiheit. Man erinnere sich, wie die eben geschehene spanische Revolution Religions- und Cultusfreiheit und Trennung des Staates von der Kirche auf ihre Fahne geschrieben und in allen Pronunciamentos laut verkündet hatte. Demungeachtet lautet der bez. Paffus des Verfassungsentwurfes: „Die Nation verpflichtet sich, den katholischen Cultus und die katholische Geistlichkeit anfrechtzuerhalten. Die öffentliche und private Ausübung der anderen Bekenntnisse wird allen in Spanien wohnhaften Ausländern ohne andere Schranken als die allgemeinen Regeln der Moral und des Rechtes gewährleistet. Wenn Spanier sich zu einer andern als der katholischen Religion bekennen, so sind die vorstehenden Bestimmungen auf sie anwendbar." Man sieht es dieser Fassung an, die an Geschraubtheit über diesen Gegenstand wohl kaum ihres Gleichen wieder hat, unter welchen Wehen und Schmerzen sie geboren worden ist. Man schreibt darüber unter. Anderem: „Man kann sich kaum vorstellen, in welchem Grade agitirt wird. Wissen Sie, wo ein Theil der clericalen Fractivn sich rekrutirt? Unglaublich und doch wahr: „in den Beichtstühlen der Frauen." Es ist stadtbekannt geworden, daß ein Commissions-Mitglied, dem einige Freunde ihr Befremden über seine Haltung äußerten, folgende Antwort gab: „Meine Herren, Sie wissen, daß ich in religiösen Dingen so liberal denke, wie irgend Jemand; aber was wollen Sie? Meine Frau hat es ihrem Beichtvater so versprechen müssen, und ich will Ruhe in meinem Hause haben!" — Darüber ist kein Zweifel, daß Olozaga der Haupturheber dieser und aller gegenwärtigen reaktionären Bestrebungen ist, und man legt ihm in Madrid eine besondere Wichtigkeit bei, weil der französische Kaiser ihn auffallend auszeichnet, und ihm z. B. vor Kurzein sein Beileid über den Tod seines Neffen, der bekanntlich im Duell gefallen, bezeugen ließ.