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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 261 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Feuilleton-Beilage M Ar. 13. Leipzig, den 30. Mär; 1889. Ein Musikant. Erzählung aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. 2. Ein Sali. Der reiche Mendel — so wurde er in der Umgegend genannt — war sehr ungehalten gewesen, daß die Bande des „Dorfgängers" schon versagt war, als er sie für die Hochzeit semer einzigen Tochter bestellen wollte. Er, der sonst so vorsichtige Mann, hatte mit so vieler Gewißheit vorausgesetzt, die Musikanten würden Monate lang herauszubringen suchen, an welchem Tage die vornehme Hochzeit stattfinden werde, daß er nicht daran dachte, sie frühzeitig davon in Kenntniß zu setzen. Nun war die Bande aber zu dem Feste einer frommen Brüderschaft in einem fernen Dorfe engagirt, und durste sich nicht davon frei machen, ohne den Ruf ihrer Zuverlässigkeit zu riskiren und sich den Unwillen Aller zuzuziehen, welche nicht Gäste des Herrn Mendel waren. Mendel war so genöthigt, sich mit der Geige unseres Jacob und mit der Pfeife unseres Salme zu begnügen. Das war kärglich genug für die stattliche Hochzeitsgesellschaft. Aber der Hausherr war zu schlau, um die beiden Musikanten seinen inneren Grimm fühlen zu lassen, sondern wollte durch eine splendide Behandlung derselben die Musikanten des Dorfgängers bestrafen, die doch davon hören würden. Unsere beiden Verbündeten sollten daher reichlich bezahlt und gut bewirthet werden. Dies kam unserem erschöpften Jacob sehr zu gute, dem der Frost nur dadurch so arg mitspielen gekonnt, weil ihm der Hunger den Weg in das Innerste des armen Jungen schon gebahnt hatte. Und unser Salme befand sich sehr wohl dabei, denn man sah es ihm schon an, daß er kein Kostverächter war. In dem Hause des Herrn Mendel ging es sehr lebhaft zu. Denn obgleich er fast die Hälfte des Dorfes mit seinen Gästen belegt hatte, war sein stattliches Haus selbst doch bis zum Giebel mit seinen vornehmsten Gästen angefüllt, und zu ihm strömten auch von allen Seiten die Gäste immer wieder hin, und sammelten sich daselbst, sich der Bewirthung und der Gesellschaft zu erfreuen. Da ging es Trepp auf, Trepp ab, zu allen Zimmern hinein und heraOß, daß den Frauen und Mädchen kaum ein paar enge Kämmerchen blieben, um ihre Toilette zu machen. Nun, wir wollen unfern Leser nicht mit einer weitläufigen Schilderung der im Einzelnen sehr verschiedenen Bräuche, Costüme und Redensarten, wie sie bei unseren Vätern vor beinah einem Jahrhundert im Schwange waren, behelligen. Im großen Ganzen kommt es doch auf Eines hinaus: es wurde gegessen und ge, trunken, und zwar sehr reichlich, es wurde geschäkert und gelacht, gespielt und hofirt, und unter der Decke auch intriguirt und raisonnirt — gerade wie jetzt bei uns. Freilich kannte man damals noch nicht den feinen Geschmack, die raffinirte Eleganz, welche jetzt zum guten Tone gehört; dafür warf sich aber der Reichthum auf das Gediegene und Massive, und brachte so, namentlich auf dem Lande, eine Mischung zu Wege, die uns jetzt mindestens komisch erscheinen würde. Da war ein Zimmer groß und lang, aber niedrig, und ein schwerer Balken zog sich unter der Decke mitten durch das Zimmer. Da hingen kostbare Spiegel in vergoldeten Rah« men an den Fensterpfeilern, aber die Fenster selbst waren klein, und bestanden aus runden, mit Blei eingefaßten Gläsern; da standen lange eichene Tische von hölzernen Stühlen umgeben, aber mit feinem Damast gedeckt und mit massivem Silberzeug besetzt, und in schweren silbernen Armleuchtern brannten stackernde Talgkerzen. Am meisten zeigte sich der Luxus in der Kleidung der Damen, die in schweren seidenen Stoffen, in Kanten und Spitzen, mit goldenen Ketten und Spangen, wo möglich auch Edelsteinen und Perlen einherstolzirten; die Männer ließen es an langen Uhrketten mit Berlocks, aus jeder Westentasche eine herabhängend, an Busennadeln und Ringen nicht fehlen. Es gab Stutzer und Koketten just wie heute, und die kritische Musterung und die Medisance des Neides und der Bosheit waren um kein Haar weniger vorhanden als in unseren Tagen. Von der Feier des Polterabends wußte man in jüdischen Kreisen damals nichts. Die Gesellschaft, die jeden Augenblick durch ein herankommeudes Gefährte vermehrt wurde, amüsirte sich in freiem Behagen, die Jugend arrangirte Pfäudeispiele, die Alten spielten Karten, einige ernstere Männer schlossen sich zu einem engeren Kreise zusammen, um theologische Unterhaltungen zu führen, wobei Jeder sein grö-

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