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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 257 (sequence 13)
Language
German
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257 müsse christlich sein. Das heißt ohne Zweifel, der Staat müsse einen religiösen Glauben haben und denselben bekennen. Diese Idee entspricht einer Periode der Geschichte, welche ihre Größe gehabt und ihre unheilvollen Ereignisse. Heutzutage soll der Staat keine Religion haben, er soll alle Glaubensmeinungen annehmen, dulden und beschützen. Wenn dem so ist, stehen dann diejenigen, welche am Sonntage arbeiten wollen, außerhalb unseres gegenwärtigen öffentlichen Rechtes? Wozu diese seltsame Forderung, das Gesetz zwischen Gott und ihr Gewissen einschieben zu wollen! — Machet nicht den Menschen größer und Gott kleiner als er ist! Ahmet nicht das Beispiel des Mittelalters nach, wo die Menschen die absurde Jnconsequenz begingen, daß sie Gott rächen und so ihr Gesetz an die Stelle des seinigen setzen wollten. Gott braucht nicht gerächt oder vertheidigr zu werden durch das Würmchen, das er geschaffen hat; die Verletzungen des göttlichen Gesetzes werden nicht durch eine Geldbuße gesühnt." Auf diese Rede folgte ein allgemeiner Beifallssturm und man schritt zur Abstimmung: die Anträge der liberalen Partei im Sinne Camperio's wurden zum Beschluß erhoben. Im Canton Zürich ist die Cultusfreiheit so gut wie proclamirt, sie steht nicht nur mir der Anschauung deö Volks im Einklänge, sondern hat sich thatsächlich Bahn gebrochen. Italien. Rom, Ans. März. Wiederum ist ein Jude, verheirathet und Vater zweier Kinder, zum Christenthum übcrgetreten, um hierdurch seine Ehe zu annulliren. Nachdem er in die Hände des Cardinals Amati seinen alten Glauben abgeschworen, wurde ihm erlaubt, eine reiche christliche Wittwe rechtmäßig zu heirathen. Vor mehreren Jahren ereignete sich bekanntlich ein ähnlicher Fall. Eine jüdische Frau aus Cento (Prov. Ferrara) flüchtete mit ihrem christlichen Liebhaber nach Bologna, trat hier zum Katholicismus über und verheirathete sich darauf mit jenem. Was soll man zu einer Religion sagen, die solche Unsittlichkeiten nicht allein billigt, sondern sogar herausfordert? Großbritannien. London, im März. Die alten Landesuniversitäten Oxford und Cambridge sind ernstlich daran, die Schranken ihres engkirchlichen Geistes zu durchbrechen, oder wenigstens zu erweitern. So war dieses Mal in Cambridge der Beste im Examen — der senior Engler, wie man das nennt — ein jüdischer Student, und er darf als Baccalaureus artium graduiren, was der erste Fall der Art ist. Anzeigen. Erledigte Stelle ein. Religionslehrers. In der israelitischen Cultusgemeinde Steinhart <bei Dettingen im Ries) erledigt sich Anfangs October d. I. die Stelle eines Religionslehrers, mit welcher auch die Function als Vorbeter und Sckächter verbunden ist. — Jährlicher Gehalt 500 fl. — Bewerber um dieselbe belieben sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse baldmöglichst an die Unterzeichnete Cultusverwaltung zu wenden. Steinhart, den 17. März 1889. Die Cultusverwaltung. David Steiner. Heinr. Heymann. Mit den 15. October d. I. wird die hiesige Lehrer und Cantorstelle vacant. Bewerber wollen sich gütigst an den Unterzeichneten wenden. Uedem bei Cleve. M. Devries. Vorsteher. Lehrer-Gesuch. Zum Unterricht in den Elementarfächern und zur Beaufsichtigung von jüngern Knaben wird ein solider, israel. Lehrer, der sich mit guten Zeugnissen, besonders über seine Sittlichkeit, ausweisen kann, zu engagiren gesucht. Gehalt bei freier Station, 100 Prßthlr. Meldungen wollen unter Chiffre L. L. eingesandt werden an die Expcd. d. Blattes. Hauslehrer gesucht. Zur Vorbereitung einer Realschule sowie zum Unterricht im Hebräischen wird für zwei Knaben im Alter von 10 und 8 Jahren ein Hauslehrer bei freier Station und 200 Thlr. Gehalt zn engagiren gewünscht. Der Antritt kann sofort oder am 15. April geschehen. Restectanten belieben ihre Adresse mit Angabe ihrer bisherigen Wirksamkeit an mich einzusenden. Wolsf Asch in Rawicz.

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