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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-23 · Heft 12 (23.3.1869) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 12 (23.3.1869)
Date
1869-03-23
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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233 seelt, dem verdienstvollen Manne einen öffentlichen Beweis ihrer Erkenntlichkeit zu geben, ergriff mit Freude die Gelegenheit des siebenzigsten Geburtstages des verehrten Präsidenten, um ihre Gefühle durch ein äußeres Zeichen zu bethätigen. — Herr Lassen ist Mitglied des israelitischen Consistoriums seit dem Jahre 1845, Tresorier der Gemeinde seit 1846, Präsident des Consistoriums seit 1849, Mitglied der Schulcom- Mission seit 1856, Gründer des Comitd de patronage für Lehrlinge und der Gesellschaft de secouis efficaces seit 1852. Er erhielt im Jahre 1867 vom König Leopold H. den Leopoldsorden in Anerkennung seiner Verdienste. Das Comite, das sich zum Zweck der Manifestation gebildet, die edlen, mildthätigen Gesinnungen und die Bescheidenheit des Herrn Präsidenten berücksichtigend, wollte die öffentliche Kundgebung ganz im Sinne und im Geiste des Gefeierten veranstalten. Es sollte eine Stiftung gegründet werden zur Unterstützung begabter, unbemittelter israelitischer Knaben, znm Behufe ihrer weitern Ausbildung oder ersten Geschäftsniederlassung. Diese Stiftung soll den Namen „Lassen-Stiftung" tragen. Es wurde ferner beschlossen, daß das gemalte Brustbild des Präsidenten in dem Sitzungssaal des Consistoriums einen Ehrenplatz finden, und eine öffentliche, feierliche Gemeindeversammlung gehalten werden soll, zu welcher Herr und Frau Lassen eingeladen werden und in welcher ihm bei öffentlicher Danksagung die Reden und Dokumente, in einem prachtvollen Album vereinigt, überreicht werden. Dieser Beschluß fand allgemeinen Anklang; die veranstaltete Subscription brachte in einigen Tagen das Stiftungskapital von 5,600 Frcs. zusammen. Die feierliche Gemeindeversammlung fand am 7. Januar statt. Einige Gesänge, zu dieser Gelegenheit verfaßt und in Musik gesetzt, wurden von der israel. Choralgesellschaft aufgeführt. Hr. E. A. Astruc, Großrabbiner von Belgien, im Namen der Gemeinde, Hr. Di'. Hanau, im Namen der Schulcommission, und Hr. S. Haardt, im Namen du cercle des amis israelites, dessen Ehrenpräsident Hr. Lassen ist, richteten Worte der Erkenntlichkeit, Liebe und Ergebenheit an ven Gefeierten, die derselbe, tief ergriffen, in einer rührenden Rede beantwortete. Sie athmete die mildthätigen Gefühle und die Bescheidenheit des edlen Menschenfreundes. Der Präsident des eerole des amis überreichte Hrn. Lassen einen schön gearbeiteten Pokal, während einige Mädchen der israelitischen Schule Madame Lassen einen Blumenstrauß boten. Die Damen der Administration der Gesellschaft des secours efficaces hatten dem Gründer des Vereins und ihrem Ehrenpräsidenten einen zierlich gearbeiteten Lehnsessel übergeben. Das Andenken an diesen schönen Tag wird lange in der Erinnerung der Anwesenden bleiben. Möge der Gedanke, der den Impuls zur Lassen-Stiftung gegeben, bald noch andere ähnliche Stiftungen und mildthätige Werke in hiesiger Gemeinde ins Leben rufen. Sonntag den 31. d. M. wird zu Ehren des so früh Heimgegangenen Kronprinzen ein Trauergottesdienst in hiesiger Synagoge abgehalten werden. Der König gab bei Gelegenheit der Beerdigung seines Sohnes reichliche Almosen; er sandte dem Hrn. Großrabbiner 600 Frcs. zur Vertheilung unter die israel. Armen Brüssels. Schweiz. St. Gallen, 3. März. Die „Schweiz" berichtet: Gestern Nachmittag 2 Uhr fand hier das erste israelitische Leichenbegängniß statt. Ein sehr ansehnliches Trauergeleit aus allen Classen der Bevölkerung folgte dem Sarge des dahingeschiedenen jungen Lebens, eines 1'/2jährigen Mädchens des Hrn. B. Burgauer, Kaufmann , trotz des schlechten Wetters den weiten Weg bis auf den neuen israelitischen Gottesacker. Mit dieser Bestattung fand zugleich die Inauguration des Gottesackers statt." Das Blatt rühmt die Grab- und Weiherede des Herrn Rabbiner Dr. Engelbert, und giebt eine Analyse derselben. Dann fügt es hinzu: „Mit der Einsenkung dieser Leiche in St. Gallischen Boden ist die Ansiedelung der Israeliten in unserer Stadt zu einer dauerhaften und bleibenden, damit denselben als Religionsgenossenschaft auch die volle Gleichberechtigung mit den christlichen Confessionen betreffend Niederlassung und öffentliches Leben anerkannt worden, während vor wenigen Jahren noch sie weder Eigenthum noch Niederlassung im Canton erwerben konnten. Freuen wir uns mit ihnen dieses schönen Forffchrittes, dieses Triumphes der Humanität."

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