Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1869)
- Date
- 1869-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226703--27005-3262566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
33. Jahrgang. Allgemeine J\L 12. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 23. März 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2l/2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit l1/* Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Beste!« luugen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeirungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Unsere neuesten Gegner. — Zur Synodalversammlung. VII. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Bonn, Leipzig, Nürnberg. Oesterreichisch er Kaiserstaat: Wien. Belgien: Brüssel. Schweiz: St. Gallen. Feuilleton-Beilage r Religionsphilosophisches. —Eine amerikanische Synagoge. — Curiosa. — Historische Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 14. März. Unsere neueken Gegner. Wer geglaubt hätte, daß mit der Erlangung der Gleichberechtigung unsere Gegnerschaft aufhören und cs »nS Juden gestattet fein würde, vom politischen Kampfplätze der Menschenwelt abzutreten, um unsere ganze Kraft im Schatten der politischen Vergessenheit auf unsere innere Arbeit wenden zu können, der hätte sich getäuscht. Es liegt dies nicht in der Natur der Menschen. Sie können es nicht verwinden, wenn in der Gesellschaft und im Staate eine große oder kleinere Gestaltung wider ihre An- und Absicht ausgeführt worden, und suchen jene entweder wieder in Frage zu stellen, zu verkümmern und abzuschwächen, oder, wenn sie dies nicht vermögen und ihre Ohnmacht einsehen, wollen sie sich wenigstens rächen. Noch weniger aber wird uns eine ruhige Entwickelung auf dem geistigen Gebiete gewährt. Von theologischer Seite hat dies Niemand erwartet; der Kampf ist hier noch lange nicht zu Ende, und ist selbst ein bedeutendes Mittel der Entwickelung. Aber auch auf anderen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, wo eigentlich nicht die Gesammtheit der Juden als solche, sondern nur der Einzelne Stellung und Geltung haben kann, zerrt man uns immer wieder ans den Kampfplatz, freilich am liebsten, um uns als Prügelknaben zu benutzen. Jndeß so wenig wir dies stillschweigend hinnehmen dürfen, so wenig schadet es doch. Es erhält das Blut frisch, und bringt gerade das hervor, waS unsere Gegner mit Ueberschätzung oder Uebertreibung zum Gegenstände ihres Angriffs machen, und was unter diesen Umständen noch immer Werth hat, nämlich daS Gefühl der Zusammengehörigkeit aus der Solidarität des Schicksals, das man uns bereitet. In jüngster Zeit traten als unsere Gegner zwei Männer auf, deren Namen immerhin von Klang Robert von Mohl und Richard Wagner. Doch fürchten wir uns nicht; die Erzeugnisse ihrer Feindschaft zu bestreiten, ist nicht schwer, denn, um es kurz zu sagen, das eine ist das Werk des Schwachsinns und das andere des Blödsinns. Wer deutsche Universitäten besucht, und sich den Heroen derselben nähert, wird oft von sehr unangenehmer Enttäuschung betroffen. Aeltere Männer, welche früher sich bedeutende Verdienste erworben und deren Nainen deshalb mit Ehren genannt werden, findet er zurückgeblieben, veraltet, aber mit voller Prätension, den Markt