Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1869)
- Date
- 1869-03-16
- Page
- Seite 210 (sequence 10)
- Language
- German
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210 auf zur That; ordnet eine Versammlung aller israelitischen Lehrer an, verhandelt über Euere dringendsten Angelegenheiten, erwählt dann einen Landeslehrerausschuß und gebt diesem den Auftrag, eine umfassende Adresse an die großherzogl. Regierung abzufassen, solche von allen israelitischen Lehrern unterzeichnen und durch eine Abordnung höchsten Orts überreichen zu lassen. Als Grundsätze bezeichnen wir: freiere Stellung des Religionslehrers, Gehaltsbestimmung, nach Dienstjahren geregelt: die ersten 5 Jahre 280 st., die folgenden 5: 300 fl., die weiteren 10: 325 fl., die folgenden 10: 350 fl. und für die übrigen Dienstjahre 400 fl. Entsprechende Wittwenkassenbeiträge, Vergebung der Schulstellen durch die Oberbehörde rc. Bezüglich eines geordneten im ganzen Lande gemeinsam einzuführenden Cultusgesetzes sollte man Sachverständige, Kantoren, mit der Abfassung eines solchen beauftragen." — Was weiter in dieser Angelegenheit geschieht, werde ich in dieser gesch. Zeitung zur Zeit berichten. Nicht unerwähnt will ich lassen, daß in der Stadt Constanz, die gegenwärtig durch den Kübel'schen Bannstrahl so viel von sich reden macht, sich seit der Freizügigkeit eine jüdische Gemeinde gebildet hat, welche von Jahr zu Jahr zunimmt. Dieselbe huldigt dem Fortschritt, sie hat das „Mannheimer" Gebetbuch und ein Harmonium eingeführt; »letzteres wird bald durch eine Orgel ersetzt werden. Donaufürstenthümer. Bukarest, 20. Februar. Rach dem Echo Dauubien hat der Minister des Innern Cogalniceano ein zweites Circulair erlassen, in welchem er die Niederlassung der Israeliten in den Dörfern als Gastwirthe, Weinschänker und Accisepächter verbietet, während er zu gleicher Zeit anderswo den Juden die Emancipation verspricht. Das Merkwürdige ist, daß sich der Minister dabei auf das eben sanctionirte Ruralgesetz beruft, während dieses mit den bestimmtesten Worten die freie Niederlassung auf dem Lande ohne irgend eine Ausnahme zugesteht. So geht man von Regierungs- Seite in Rumänien mit dem Gesetze um. Der „Wiener Presse" wird aus Bukarest telegraphirt, daß die österreichischen Juden, die in Galacz ansässig sind, durch Vermittelung des am 24. Febr. abgereisten General-Consuls Eder tausend Ducaten Schadenersatz von der rumänischen Regierung erhalten haben. Frankreich. Paris, im Februar. Die „Presse isra6lite“ klagt in Nr. 5 über den vollständigen Mangel alles jüdischen Religionsunterrichtes in den vielen Schulen von Paris. Sie zählt eine Menge von Unterrichtsanstalten auf, die zahlreich von jüdischen Schülern besucht werden, und in denen wohl für den protestanttschen und katholischen Religionsunterricht gesorgt ist, jüdische Zöglinge aber ohne allen religiösen Unterricht ärger als die Heiden aufwachsen. In anderen Schulen, wo wirklich etwas Religion gelehrt wird, geschieht dies so mangelhaft, daß dessen Wirksamkeit sehr zu bezweifeln ist. Das genannte Blatt fordert den neuen Großrabbiner von Paris auf, dafür thätig zu sein. Wir unsrerseits möchten fragen, wozu denn eigentlich zwei israelitische Consistorien in Paris bestehen und ihre Kosten vom Staate getragen werden, wenn sie nicht einmal für das nächste Bedürfniß, den religiösen Unterricht der Jugend, sich kümmern? Wir möchten noch weiter gehen, und eine schon früher gestellte Frage wiederholen: ob es nicht für die Alliance israelite universelle eine ebenso theure Pflicht wäre, für die religiöse Erziehung der jüdischen Kinder von Paris wie für die von Bagdad und Saloniki einzutreten? Man kann die „Presse israelite" nur aufmuntern, fortzufahren, die Schäden aufzudecken, an denen das Judenthum in Frankreich krankt; sie sind ja meist dieselben, wie in den andern Ländern auch. Italien. Padua, 10. Februar. (Privatmitth.) Allerdings wäre die hiesige Rabbinerschule, wie der Educ. israel. berichtete, jetzt zur Auflösung gelangt, wenn nicht ihr Dasein wenigstens auf ein Jahr durch das Opfer, das Prof. Lelio Della Torre gebracht, gefristet worden. Trotzdem einige Gemeinden ihre, wenn auch ungenügenden Beiträge gebracht hatten, traten plötzlich die zwei vornehmsten Gemeinden zurück, und es war