Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1869)
- Date
- 1869-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226702--26984-3262544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
33. Jahrgang. M. 11 Allgemeine Zeitung -es Zudenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse HerausgegebS^r von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 16. März 1869. Diese Zeituna erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/a Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbiährig 2 Thlr. Biertelsährig t Thlr. Inserate werden mit t»/a Ngr. für die Petitzeile oder deren Kaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Frage und ihre Antwort. — Der ungarisch-israelitische Congreß. VIII. — Zur Synodalversammlung VI. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Neuwied. Aus dem Badischen. Do n au fürstenthü mer: Bukarest. Frankreich: Paris. Italien: Padua. Feuilleton-Beilage: — Ein Musikant. — Kleine Mittheilungen. — Curiosa. Leitende Artikel. Bonn, 7. März. Eine Frage und ihre Antwort. Wir erhielten in diesen Tagen von Cöln folgendes Schreiben: Hochgeehrter Herr Dr. Mit der größten Befriedigung habe ich den 2. Theil Ihrer Weltbewegenden Fragen gelesen, und durch die klare Gegenüberstellung des Judenthums und Christenthums die Erhabenheit des ersteren erst recht kennen gelernt. Ueber den Umstand indeß erbitte ich mir Ihre Belehrung in Ihrer geschätzten Zeitung, daß keiner von den vielen gelehrten und gebildeten Christen, welche das Judenthum aus seinen Quellen kennen, seine Vernünftigkeit und Einfachheit einsehen und von dessen Monotheismus mit Bewunderung sprechen, dem Bekenntniß desselben sich zuwendet und sie immer noch das der Vernunft widersprechende mysteriöse Christenthum höher stellen, als das Judenthum, obgleich der Uebertritt solcher vom Protestantismus zum Katholicismus und umgekehrt, selbst mit Opfern, keine Seltenheit ist. Ein eifriger Leser ihrer Schriften. Obgleich wir anonyme Zuschriften in der Regel unberücksichtigt lassen, so handelt es sich hier doch um eine allgemeine Frage, an welcher das Persönliche keinen Antheil hat, und die zu einiger Klärung der Vorstellungen beitragen kann. Wir halten es daher für angemessen, eine Beantwortung der vorgelegten Frage zu versuchen. 1) Die Zahl derjenigen Nichtjuden, welche die Quellen des Judenthums genau kennen und vorurtheilsfrei prüfen und zu verstehen suchen, ist noch immer nicht so groß, wie sich der Fragesteller vorstellen mag. Man höre nur die Lehrer in den Schulen, die Prediger auf den Kanzeln, die Professoren aus den Kathedern, man schlage die Mehrzahl der Schriften auf, welche diesen Gegenstand berühren, und man wird vom Gegentheil sich überzeugen. So hoch die Kirche eigentlich das sg. Alte Testament stellt, so thul sie dies dock immer mit der Reserve, daß es, trotz seiner Göttlichkeit, eine niedrigere Stufe einnehme als das sg. Neue Testament, und daß dieses die höhere Lehre und die eigentliche Wahrheit enthalte. Um dieses zu erweisen, werden Stellen aus dem A. T. herausgerissen, und ohne ihren Zusammenhang und ihre richtige Deutung aus der Situation heraus als die Grundlehren des A. T. bezeichnet, während sie doch mit diesen insofern in Widerspruch stehen,