Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1869)
- Date
- 1869-02-23
- Page
- Seite 157 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Feuilleton-Beilage zu Rr. 8. Leipzig, den 23. Februar 1869. Die hervorragenden jüdischen Geistlichen in Amerika. (Nach dem Pluenological Journal.] (Fortsetzung.! Rev. Dr. Samuel Adler ist der Sohn des Jakob I. Adler, Rabbiners der Gemeinde zu Worms am Rhein, wo er auch im Jahre 1810 geboren wurde. Schon in frühem Alter begann er das Studium der hebräischen Sprache, der Bibel und des Talmuds, das er dann mit großem Fleiße unter der freundlichen und sorgfältigen Leitung seines Baters fortsetzte. Bei dein frühen Tode dieses Letzteren jedoch verließ der Gegenstand unserer Skizze, damals ein Knabe von vierzehn Jahren, zum ersten Male das elterliche Haus und ging nach Frankfurt am Main, um dort seine Studien auf der talmudifchen Hochschule fortzusetzen. Nach einiger Zeit kehrte er wieder nach seiner Vaterstadt zurück, um unter dem Rabbiner Bamberg weiter zu studiren, und sich zugleich durch selbständiges Arbeiten für die Universität vorzubereiten. 1831 bis 1836 besuchte er die Universitäten zu Bonn und Gießen und widmete sich mit großem Eifer dem Studium der Philosophie, aber noch specieller dem der orientalischen Philologie. Als er im Frühjahr 1836 wieder nach Worms zurückkehrte, wurde er sofort' als Prediger und Religionslehrer der Gemeinde angestellt, zu welchem Amte bald noch das des Inspektors aller jüdischen Schulen des Districts hinzugefügt wurde. In dieser Stellung trat er zuerst als Borkämpfer der Reform auf und that die ersten Schritte zur Klärung und Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes unter den Juden jenes Districts. Im Spätherbst des Jahres 1842 erhielt Dr. Adler den Ruf als Rabbiner des Districtes Alzey, ein weites und bis dahin noch unbebautes Feld der Arbeit, aber eines, das seine Arbeit wohl vergalt, so daß die kleine Gemeinde von Alzey in wenigen Jahren sich durch ganz Deutschland einen Namen erworben hatte, welcher sich mit dem der reichsten und größten Gemeinden messen konnte. Diese Gemeinde gestattete auch ihrem Geistlichen, die Rabbinerversammlungen von 1844—46 zu besuchen, zu deren thätigsten Mitgliedern er gezählt werden muß. Im Jahre 1854 nahm Dr. Adler eine Berufung als Rabbiner und Prediger der jüdischen Gemeinde zu Lemberg in Galizien an, aber wegen unvorhergesehener und ernstlicher Familienstörungen konnte er ihr nicht folgen. Im Spätherbst des Jahres 1856, nach dem Tode des betrauerten Dr. Merzbacher, erhielt er einen Ruf als Rabbiner an den Tempel Emamiel in New-Aork, welchem er gern folgte, und noch jetzt fungirt er in dieser Stellung und hat die Freude, feine Anstrengungen mit dem besten Erfolge gekrönt zu sehen. Dr. Adlers Gemeinde ist eine der wohlhabendsten im ganzen Lande. Sie gehört zu der neuen.Reformschule des Judenthums. Der Prachtbau einer neuen Synagoge an der Ecke der 43. Straße und 5. Avenue wird im künftigen Herbste beendet sein. In der äußeren Erscheinung ist Dr. Adler durchaus geistlich, und obgleich im Allgemeinen von ernstem Aussehen , hat er doch seine Augenblicke der Heiterkeit und der „Bonhommie^. Er zeichnet sich durch seine rhetorischen Fähigkeiten aus, seine Predigten hält er ganz extempore, doch sind sie stets in reinem, edlem Styl. Nur gelegentlich trägt er in englischer Sprache vor. Rev. Dr. Bernhard Jllowy wurde zu Kollin in Böhmen im Jahre 1814 geboren. Seit seiner frühen Jugend bestimmten ihn seine Eltern zu einem „Lehrer in Israel^' und erzogen ihn demgemäß. Er vollendete seine theologischen Studien in der berühmten Rabbinerschule des Rabbiners Moses Sopher in Preßburg, Ungarn, und erhielt sein Diplom als Dr. der Philosophie an der Universität zu Pest. In Folge politischer Verwickelungen wanderte er früh nach unserem Lande und wurde Prediger der Synagoge zu Syracuse, N.A. Dann ging er nach New-Orleans und kurze Zeit nach der Uebergabe dieser Stadt an die Union im jüngsten Kriege nahm er einen Ruf von der Gemeinde Shearitli Israel in Cincinnati, O., an, eine Stelle, welche er noch bekleidet. Rev. Mr. Jllowy ist als ein gelehrter Talmudist und ein Mann von strenger Frömmigkeit bekannt. Er ist einer der eifrigsten Anhänger der alten orthodoxen Schule des Judenthums. Er ist groß und von würdi-