Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1869)
- Date
- 1869-02-02
- Page
- Seite 100 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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100 den uuD erkennbar ist, vie sehr wohllhLtig wirkt, aber jeden freien Schritt, jede selbständige Bewegung beschränkt. Ich werde meine Leser hieran erinnern, wenn ich später noch von einem anderen Verhältnisse rede, und sie werden dann deutlicher erkennen, daß ein solcher Eindruck vielfach bestimmend für das ganze Leben ist. Aber außer der Bodenkultur hatte der Fürst auch die Industrie in seine Residenzstadt zu verpflanhatte Fabriken angelegt, namentlich Tuchfabriken, ^.unL^artze, einfache, aber noble Gebäude symmetrisch zu ^beidhn Seiten der Leipziger Straße angelegt. Sie nah- HneyO.jetzoch keinen Aufschwung, und der Krieg machte . ihr.M',K)wächlichen Dasein ein Ende. Später schoß er --Geschäftsleuten Geld vor, um sie ins Leben zurückzurufen, aber auch dieser Versuch scbeiterte, und die Gebäude wurden zu Wohnhäusern für Arme. Dagegen ließ der,Fürst sich von seinem Kammerdirektor v. Raumer , dem Vater des bekannten Historikers, überreden, die von den Franzosen abgebrannte Elbbrücke nicht wieder zu erbauen, denn, so sagte jener, wenn es wieder einmal Krieg gebe, würden die Heere sich abermals über die Stadt und das Land ergießen und ihre Durchmärsche daselbst nehmen. Die Brücke wurde später durch eine fliegende Fähre ersetzt. Sv geschah es, daß die preußische Regierung die große Land- und Heerstraße von Halle und Leipzig nach Berlin über Torgau führte, Dessau aus aller Verbindung mit der Welt kam und der letzte Rest von größerem Verkehr verschwand — sicherlich patriarchalisch. (Fortsetzung folgt.» Kleine Mittheilungen. Es kann wohl auffallen, daß -der Segensspruch im Morgengottesdienst, sowohl am Sabbath als an den Werkeltagen lautet: (*'~3rrns x-im anra rva? Tan »1131 iw nsr „der das Licht bildet und die Finsterniß schafft, der Frieden bereitet und schafft das All." Denn man fragt sich: weshalb „der Frieden bereitet" zwischen die Schöpfung des Lichtes und der Finsterniß und die des Alls hineingestellt worden, da man einfacher hätte erwarten sollen, daß die Schöpfung des Alls an die des Lichts und der Finsterniß angeschloffen und dann erst „der Frieden bereitet" hinzugefügt wäre. Es. hat Erklärer gegeben, welche gemeint, der Friede sei hinter der Finsterniß zugesicherr worden, um diejenigen zu beruhigen, vocldie die Schrecknisse der Finsterniß fürchten. Bei dieser naiven Deutung können wir nicht stehen bleiben, und tieferen Bedenken wird sich folgender Sinn er- *) Bekanntlich stammt diese Formel aus Jesaias 45, 7, wo sie statt ban lautet m, wodurch unsere Frage nur verstärkt wird. schließen. Wir ziehen zuerst die, den Frieden betreffende Formel zum Vorhergehenden und erkennen dann darin die Lehre, daß wenn auch Licht und Finsterniß Gegensätze seien, sie doch in der Schöpfung Gottes eine Einheit bilden, daß sie Glieder eines einheitlichen Ganzen bilden, und dies bedeutet D-’ra. Diese Lehre war um so nothwendiger, je näher die Juden damals den Persern und deren religiöser Anschauung waren, nach welcher Licht und Finsterniß nur vermittelte Gegensätze, Gottheiten waren, die sich einander bekämpften als Sein und Nichtsein, als Leben und Tod, Ormuzd und Ahriman. Dieser Lehre trat das Judenthum scharf gegenüber mit feiner Doktrin des einheitlichen Universums als Schöpfung Eines Gottes, in welcher Welt die Erscheinungen gegensätzlich sich darstellen, aber in ihrem Wesen es nicht sind, sondern aus einer Quelle fließend sich als Glieder des Ganzen zusammenfügeu. Diese große, erhabene Wahrheit bewirkt es, daß auch die Forschungen der Naturwissenschaft sich ohne Widerspruch damit vereinigen, sich ihr einvrdnen. Wir wissen jetzt, daß das Licht unaufhörlich über die Erde strömt und die Dunkelheit nur dadurch entsteht, daß die eine Seite der Erde ihm abgewandt ist. Beleuchtung und Finsterniß entquillen also dem einheitlichen Gesetze Gottes, das er in seiner Natur zur Verwirklichung gebracht. Wir können aber auch diese Friedensformel auf das Folgende beziehen. Gott hat Alles, hat das All geschaffen, aber aus der Idee ver Einheitlichkeit, der Totalität, der Gesammtheit und Ganzheit heraus, in welcher die unermeßlichen Wesen und Geschöpfe die vollkommenste Harmonie, eine ewige Ordnung, eine ununterbrochene Einheit in Raum und Zeit bilden. Der Gedanke geht der Verwirklichung voraus, das Gesetz der Erscheinung, und darum ist o-ibia dem -ar; vorangestellt. Nach beiden Gedanken hin ist also die Stellung der Friedensformel die vollkommen richtige und deutet uns auf den tieferen Sinn, der damit verbunden worden. Cassel, im Januar. Wie selbst namhafte Theologen und Exegeten sich irren können, davon bietet Hitzigs Commentar zu Micha ein merkwürdiges Beispiel. S. 211 lesen wir: „Mit Kälbern, die ein Jahr alt, nämlich um eben diese als Brandopfer darzubringen. Andere, als die ein Jahr alt durften gar nicht geopfert werden 3 Mos. 9, 3." Nun wird aber 3 Mos. 22, 27 ausdrücklich nach acht Tagen schon die Darbringung als Opfer gestattet und muß Herrn Professor H. diese Bibelstelle entgangen sein. Ich glaube nicht, daß ihn Jemand schon auf diesen Jrrthum aufmerksam machte, denn er findet sich auch in der dritten Auflage. vr. Adler. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig.— Druck von xv B. Hirschseid. Verantwortlicher Redakteur Op. H. Lotze.