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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-26 · Heft 4 (26.1.1869) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 4 (26.1.1869)
Date
1869-01-26
Page
Seite 79 (sequence 21)
Language
German
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79 eines genau erkundigte und dem Vorstande für dessen ersprießliche Thätigkeit seinen Dank aussprach. Auch Herr I)r. Stein fühlte sich gedrungen, dem empfangenen Eindrücke in einer kurzen, aber sehr herzlichen Ansprache, anknüpfend an das Prophetenwort „Israel ist nicht verwaist", Ausdruck zu geben. Herr Prof. Kampfs, der die geistliche Aufsicht über die Anstalt hat, war zum Bedauern des Vorstandes und der zahlreichen Anwesenden durch Familienangelegenheiten verhindert der Feierlichkeit beizuwohnen. In Reichenberg, dem Manchester Böhmens, hat nunmehr ein Jsraelite, Herr Joachim Deutsch, das Bürgerrecht erhalten, nachdem ihm dieses, ja sogar die Zuständigkeit, durch mehrere Jahre verweigert worden war. Gestern starb hier Herr Leopold Edler v. Portheim. Der heutige „Tagesbote" spricht sich über ihn folgendermaßen aus. Gestern starb nach kurzem Krankenlager Herr Leopold Edler v. Portheim, Fabrikbesitzer, im hohen Alter von 80 Jahren. — Herr Leopold v. Portheim war ein geborener Prager und stammte aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie, der Familie Spiro, die erst seit zwei Generationen den Namen Porges aunahm. Mit nur sehr geringen Mitteln begann dieser energische Mann im Jahre 1812 gemeinschaftlich mit seinem Bruder Moses ein Fabriksunternehmen, welches, Anfangs nicht bedeutend, durch den Fleiß und den richtigen kaufmännischen Blick dieser Herren immer mehr an Ausdehnung gewann, und jetzt in seinen riesigen Dimensionen einen europäischen Ruf genießt. — Tausende von Arbeitern finden ihren Erwerb in diesem großartigen Fabriksetablissement, welches wiederholt die Aufmerksamkeit unserer Monarchen auf sich zog, und auch von drei Kaisern, nämlich Kaiser Franz Ferdinand und Franz Joseph besucht wurde.— In diesen Lokalitäten wurde auch die erste in Böhmen erbaute Dampfmaschine aufgestellt, und haben die Herren v. P. sich dadurch ein wesentliches Verdienst um die Industrie erworben, daß sie zuerst den Muth hatten, eine noch nicht ganz bewährte und doch so wichtige Einrichtung mit bedeutenden Kosten zu errichten. Aber nicht nur als Industrieller, auch als unser Mitbürger erwarb sich der Ehrenmann, den wir heute betrauern, Verdienste. Seit nahezu zwanzig Jahren fungirte derselbe als Stadtverordneter im Stadtrath und hat während dieser langen Zeit durch seinen Eifer für das allgemeine Beste sich oft bemerklich gemacht. Er nahm lebhaften Antheil an dem Zustandekommen der dritten Moldaubrücke und sonstigen j Humanitären Anstalten, und sein Wohlthätigkeitssinn, den er bei jeder Gelegenheit beurkundete, zeigte sich auch bei Gelegenheit seiner goldenen Hochzeit vor vier Jahren, wo er eine bedeutende Summe zu einer Stiftung für verarmte Prager Bürger verwendete. Seiner Gesinnung nach hat er im Stadtverordneten -Collegium stets die deutsche Partei mit Energie vertreten, ohne durch sein Auftreten die andere Partei zu verletzen, und so müssen wir es anerkennen, daß er von allen seinen Mitbürgern mit Achtung betrachtet wurde. Dreimal hat er bei Bürgermeisterwahlen als Alterspräsident fungirt, und den neuen Bürgermeister in sein Amt eingesetzt. Seine Verdienste fanden aber auch Anerkennung bei der Regierung, so daß er im Jahre 1842 mit dem erblichen Adel, im Jahre 1868 mit dem Franz Joseph-Kreuz ausgezeichnet wurde. S . . . k. Kleine Mittheilnngen. Es ist wahr, der unermeßliche Ocean besteht doch nur aus kleinen Tropfen und der riesige Gebirgsstock nur aus Sand- und Steinkörnchen. Aber giebt es dem Wassertropfen und dem Saudkörnchen einen höheren Werth, daß aus ihnen das Weltmeer und die Alpen bestehen? Was folgt hieraus? Daß ich den möglichsten Respekt vor der Gesammtheit, ja vor einer Menge Menschen, aber darum noch nicht vor dem einzelnen habe. Die Menschheit, der Staat, die Gemeinde, selbst die Familie evfdjetncit mir als ein Großes und Heiliges, als ein Ehrfurchtgebietendes und Interessantes, wie sie bestehen und schon weil sie bestehen. Aber der Einzelne hat mir darum keinen anderen Werth, als er sich in meinen Augen zu erringen vermag. Dein Gleichniß möchte doch wie alle Gleichnisse seine schwache Seite haben, mein Freund. Denn die Tropfen, die Sand- und Steinkörner bilden ein großes Ganzes, ohne hierdurch ein Verdienst zu haben und daran interessirt zu sein. Der Mensch aber nimmt eine Stelle in der Gesammtheit, der er angehört, mit Bedacht ein, kann sich von ihr lösen, kann für oder gegen sie wirken, er ist für das Ganze nicht gleichgültig und das Ganze nicht für ihn. Von der Majestät des Meeres fällt daher nichts auf den Tropfen, von der Erhabenheit des Gebirges nichts auf das Steinkörnchen; von der Majestät der Menschheit aber, von der Würde und dem Werthe jeder Vereinigung, sei sie groß oder klein, fällt Etwas auf jedes einzelne Glied, natürlich mehr oder weniger, je nach dem Werthe und der Bedeutung dieses Gliedes. — Dies paßt auch auf die jüdische Gemeinde, die vielen Bekennern des Judenthums ein Gegenstand höherer Achtung, und in ihr der Einzelne, der ihr augehört, werden muß. Cleve, 11. Decbr. Am 7. December feierten die Eheleute Daniel Cohen das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Am Festtage fand um 11 Uhr im von der Nachbarschaft auf's Reichste geschmückten Hause des Jubelpaars ein feierlicher Akt Statt. Es hatten sich daselbst außer der Familie von nah und fern der Herr

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