Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1869)
- Date
- 1869-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226695--26854-3262407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sich constituiren, um für die jedesmalige Generalsynode vorzuarbeiten. Es versteht sich von selbst, daß dort wie hier außer den Rabbinern auch andere jüdische Gelehrte und Gemeinde-Vertreter sich betheiligen können und mögen. Die Cultusfrage wurde nun der Berathung unterbreitet. Die gedruckte Vorlage Philippson's, in 30 Fragen niedergelegt, bildete die Grundlage der Verhandlung. In der Generaldebatte äußerten fast alle Mitglieder ihre Meinung über die Reform deS Gottesdienstes. Darüber herrschte kein Zweifel, daß der Cultus, werm er nicht alle Einwirkung auf das Gemüth und den Geist verlieren soll, veredelt werden müsse. Auch darin stimmte die ganze Versammlung überein, daß der Gottesdienst einer Abkürzung bedürfe und daß dein deutschen Elemente in dem Gebete und der Schriftvorlesung Aufnahme gewährt werden müsse. Nur darüber gingen die Ansichten noch aus einander, wie weil diese Abänderungen gehen können und sollen. Auch stellte im Laufe der Discusiion sich heraus, daß bei dem verschiedenen Bildungsgrade der Gemeinden und den mannichfachen Verhältniffen in ihnen kaum denkbar sei oder rathsam erscheine, schon jetzt ein gemeinschaftliches Gebetbuch für alle eine Reform wünschenden Gemeinden zu bearbeiten. Nach Beendigung der Generaldebatte wurden die einzelnen Anträge discutirt. Außer den obengenannten 30 Fragen stellten noch andere Mitglieder einzelne Anträge. Nur über wenige Anträge wurde eine Beschlußfassung beliebt: die meisten wurden der Commission überwiesen. Folgende Anträge wurden sofort zu Beschlüffen erhoben. t. Die Einführung des dreijährigen Cyclus der Thoravorlesung soll den Gemeinden empfohlen werden. «Durch Majorität angenommen.) 2. Die Thefilla soll das ganze Jahr mit Ausnahme des Neujahr- und Versöhnungsfestes nur einmal gesprochen werden. «Einstimmig angenommen.« 3. Die Zwischenstücke zwischen Borchu und Schema, so wie zwischen diesen und der Thefilla sollen in der Landessprache überarbeitet und gebetet werden. (D. Maj. ang.) 4. Der Antrag, das Minjan zum öffentlichen Gottesdienste soll fernerhin nicht unumgänglich erforderlich bleiben, wurde abgelehnt. Nachdem zwei Tage der Verhandlungen abgelaufe» waren und die meisten Rabbiner nur noch einen Tag in Cassel weilen zu können erklärt hatten, beantragte Philippson selbst, die sämmtlichen übrigen, von ihm vorgelegten Fragen 11—30 ohne Discusiion der Commission zu übergeben. Darauf kamen die Anträge über Religions-Schule und Lehrer-Seminar zur Vorlage. Die Versammlung beschloß, diese Anträge der Commiffion für das Unterrichtswesen zu insinuiren. Die Anträge auf eine Modificalion mehrerer für unsere Zeit nicht wohl anwendbarer Ehegesetze wurden ebenfalls einer Commiffon übergeben. Noch mehrere gestellte Anträge über einige rituelle Vorschriften oder Gebräuche wurden nach Beschluß einer Cornmission übertragen. Es wurden demnach 4 Commiffionen, wovon je eine aus 3 Mitgliedern besteht, für Cultus, Schule, Ehegesetz und Ritual gewählt. Nach diesen Wahlen wurden die Sitzungen geschloffen mit Dankworten an den Vorstand der Caffeler Cultusgemeinde und an die Rabbiner Adler und Philippson. — Adler richtete eindringliche Abschiedsworte an die Mitglieder. Alle Mitglieder dieser Rabbiner-Versammlung sehen mit freudig erhobener Stimmung auf die Berathungen zurück; alle nehmen das Vertrauen mit nach Hause, es wurde hier eine gute Saat ausgestreut, die weiter gepflegt, heilsame Früchte dem religiösen Leben bringen wird. Die Vo rsitzenden: Adler. Philippson. Aub. DrrrS von I. B. Hirschfeld in Leipzig.