Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1869)
- Date
- 1869-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zur Allg. Zeitung d. Zudenthums Nr. 4. B e v L ch t über -ie Verhandlungen der Rabbiner-Versammlung zu Cassel. Auf Anregung Philipps o n' s in der Allg. Zeitung des Judenthums tagten in Cassel vom > 1—13. August 1868 nachgenannte 24 Rabbiner: Adler aus Cassel, Aub aus Berlin, Ben Israel aus Coblenz, CahN aus Trier, Cassel aus Schwerin a/W., Cohn aus Potsdam, Engelbert aus St. Gallen, Formstecher aus Offenback, Friedmann aus Mannheim, Fürst aus Bayreuth, Geiger aus Frankfurt a'M., Goldmann aus Birkenfeld, Goldschmidt aus Leipzig, f erxheimer aus Bernburg, Hochstädter aus Bad Ems, oel aus Breslau, Kaiserling aus Lengnau, Levi aus Gießen, Mayer aus Hechingen, Philippson aus Bonn, Philippfon aus Deffau, Rothschild aus Alzey, Wechsler aus Oldenburg und Wiener aus Oppeln. Einige Rabbiner, deren Ankunft bereits angemeldet war, wurden, die einen durch Erkrankung, die andern durch Berufsthätigkeit davon zurückgehalten. Nach einem Beschluß der Versammlung sollten die Protocolle über die gepflogenen Verhandlungen durch die Presse veröffentlicht werden. Wir können aber diesem Wunsche nicht ganz Nachkommen, weil die Protocolle in Ermangelung eines Stenographen nur lückenhaft und ungenau niedergeschrieben wurden. Wir geben indessen in diesem Berichte eine treue Darstellung der Verhandlungen. Die erste Sitzung wurde von dem Ortsrabbiner Adler mit Anrede und Gebet eröffnet, worauf Philippson den versammelten Collegen die von ihm vorgelegten Anträge über den Cultus zur Berathung und Beschlußfassung empfahl. Gegen diesen Antrag erhob sich das Bedenken, es möchte nicht rathsam erscheinen, in gegenwärtiger Versammlung Beschlüsse zu fassen, weil in unfern Tagen man sehr geneigt sei, die Rabbiner eines hierarchischen Strebens zu zeihen. So unbegründet solch ein Verdacht auch sein möge, da das Judenthum keine Hierarchie, weil kein Priesterthum kennt: so sei es doch Pflicht, auch den Schein eines Verdachtes fern zu halten. Ueberdies stehe den Gemeinden das Recht zu, ihre Ansichten und Wünsche durch Vertreter kund zu thun. Das Vertrauen zu einer Synode und die Empfänglichkeit für ihre Beschlüsse werde gewinnen, wenn neben den Rabbinern auch nichtrabbinische Vertrauensmänner sitzen. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, die Cultusfrage sei eine brennende, deren baldige Äsung von vielen Gemeinden gewünscht wird. Selbstverständlich treten die Rabbiner nur als Sachverständige zusammen um ihre Ansichten zu empfehlen, nicht aber zu dictiren. Fast alle Mitglieder betheiligten sich an der Debatte. Endlich wurde der vermittelnde Antrag zum Beschluß erhoben: 1. Die in Cassel vereinigten Rabbiner conftituiren sich zu einer vorberathenden Versammlung, um periodisch wiederkehrendc Versammlungen vorzubereiten, zu welchen auch nicht im Amte befindliche jüdische Gelehrte und Gemeindevertreter einzuladen sind. 2. Die gegenwärtige Versammlung nimmt die bei ihr eingehenden Anträge in Empfang, entscheidet, ob alsbald darüber beschlossen, oder nach kurzer Berathung je ein Referent, Cvreferent oder Commissionen ernannt werden sollen, die ihre Berichte der jetzigen oder nächsten Versammlung zu übergeben haben. Nach diesem Beschlüsse wurden die verschiedenen eingegangenen Anträge verlesen, die ihrem Inhalt nach in 4 Kategorien sich theilten, indem sie 1. den Cultus, 2. die Synode, 3. die Schule und 4. das Ritualnamentlick Ehegesetz betrafen. Es wurde zur Abstimmung die Frage gestellt: in welcher Reihenfolge über die Anträge berathen und beschlossen werden solle? Nach längerer Debatte wurde durch Stimmeneinheit beschlossen, in erster Reihe über die Berufung periodischer Synoden sich zu verständigen. Denn — das leuchtete ein das religiöse Leben in den Gemeinden wird ein Ferment erhalten durch von Zeit zu Zeit wiederkehrende Synoden. — Die nächste Synode soll im Jahre 1869 einberufen werden. Die Unterzeichneten wurden damit betraut, dazu die Vorbereitungen zu treffen. Auch der Wunsch fand Anklang, es sollen in engern Bezirken Local- und Provincialsynoden