Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1869)
- Date
- 1869-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 4 D. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jnteresse^/^Z Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 26. Januar 1869. Inhalt. Leitende Artikel: Zur bevorstehenden Synodalversammlung. I. — Der ungarisch-israelitische Congreß. VI. — Liter arischer Wochenbericht: Bonn, Königsberg. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Cöln, Provinz Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest, Mähren. Donausürstenthümer: Bukarest. Frankreich: Paris. Rußland: St. Petersburg. Feuilleton-Beilage: Benjamin Veit Ephraim. Corrcspondenz. — Kleine Mittheilungen. — Curiosmn. Leitende Artikel. Bonn, 17. Januar. Zur bevorstehenden -Zyno-alversammlnng. i. Die Rabbinerversammlnng zn Cassel im August des vorigen Jahres hat beschlossen, eine Synodalversammlung zu berufen, in welcher Rabbinen, jüdische Gelehrte und Vertreter der jüdischen Gemeinden sich vereinigen sollen, um über Hebung und Besserung der religiösen Zustände im Judenthume Berathungen zu Pflegen. Die Rabbinerversammlung beauftragte mit dieser Berufung ihre drei Vorsitzenden, und diese werden in nächster Zeit ihren Auftrag auszuführen sich bestreben. Um so näher liegt eö, über diesen Gegenstand mit aufklärenden Erörterungen an das Publikum zu treten. Die Rabbinerversammlung ging bei ihrem Beschlüsse von keinem Parteistand punkte aus; sie setzte für diese Synodalversammlung keinen Parteigesichtspunkt voraus; sie wollte Alle einladen, welcher religiösen Richtung sie auch seien; sie hoffte, daß sich Vertreter alle Ansichten im Judenthume einfinden werden. Von diesem Standpuncte können daher auch nur die Männer ausgehen, welche die Berufung zu besorgen haben; von diesem Gesichtspuncte kann auch nur die Einladung vor sich gehen. Die folgenden Erörterungen sind daher durchaus nicht als von der Rabbinerversammlung selbst oder auch nur von deren Präsidium erfloffen anzusehen; sie sind nichts als Auslassungen Einzelner, zunächst des Herausgebers dieses Blattes, denen sich, wie wir hoffen, auch Besprechungen Anderer anschließen werden. — Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts sind die europäischen Juden in eine neue Epoche ihres großen geschichtlichen Lebens getreten, in eine Epoche, wie sie bedeutungsvoller für sie kaum je gewesen. Denn nach dem Falle Jerusalem's und der Zerstreuung unseres Stammes über alle Länder der Erde geschah es, daß für unsere Väter bald eine Zeit völliger Ausschließung, engster Beschränkung und später härtester Verfolgung eintrat, welche die Bekenner des Judenthums mitten unter den Nationen mehr isolirte und abschloß, als dies für unser Volk selbst im heiligen Lande der Fall gewesen. Mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts traten wir in das allgemeine Culturleben ein. Allmählich wurden alle Schranken des gewerblichen Lebens, des geselligen Verkehrs, der allge-