Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1869)
- Date
- 1869-01-12
- Page
- Seite 32 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Donaufürstenthümer. Bukarest, 12. Dez. Der neue Minister des Innern, Herr Michael Cogalniceano, hat, gleich nachdem er seinen Ministerposten eingenommen, an die Präfectcn ein Circulair erlassen, welches die humanitären Tendenzen dieses eminenten Staatsmannes characterisirt. Wir führen folgende Stelle an: „Bor Allem erkläre ich Ihnen, daß ich nicht will, daß in der Verwaltung Politik getrieben wird. Ich erkläre: als Minister des Innern habe ich die besondere Mission, das gute Einverständniß zwischen allen Bewohnern des Landes zu beschützen, ohne Unterschied der Nationalität, der Religion und der Meinungen. Ich chabe den Verwaltungsbehörden des Staats, den Departements und den Gemeinden einen gesetzlichen Antrieb zu geben: endlich habe ich die Mission, über die öffentliche Sicherheit zu wachen. Mögen unsere Freunde und unsere politischen Gegner in uns und in unseren Arbeiten die gleiche unparteiische Befriedigung ihrer legitimen Interessen finden — und sie können sicher sein, daß sie sie finden werden; den gleichen energischen Schutz ihres Lebens, ihrer Ehre und ihres Vermögens. So werden wir die beste Politik ausüben, denn wir werden die beste Verwaltung führen: indem wir die Zahl der Unzufriedenen vermindern und den Frieden und die Eintracht unter die Bürger säen, werden wir sogar unsere Gegner zwingen, unsere Verwaltung zu achten." Man hofft, daß diese schönen Worte sich auch bald in würdigen Thaten verwirklichen werden, und so die tiefen Wunden zur Heilung kommen, welche das verabschiedete Ministerium dem Lande nach innen wie nach außen geschlagen. Wie immer und wie überall kann das Heil unserer Glaubensgenossen von dem Heile des ganzen Landes und der ganzen Nation nicht getrennt werden. Frankr eich. Paris, 3. Januar lPrivatmitth.) Die Federn der jüdischen Presse hatten sich hier und wohl überall — die Allgemeine Zeitung des Judenthums nehme ich aus — bei dem Tode des Freiherrn von Rothschild bereit gemacht, in langen und ausführlichen, in lobpreisenden und betrauernden Schilderungen über das Leben, das Wirken und die Thaten des verstorbenen Geldfürsten sich zu ergehen, und dazu bereits den An-' lauf genommen. Aber der Stoff ist ihnen bald ausgegangen und sie konnten bis jetzt keine Anknüpfung wieder finden, da von irgend bedeutsamen Legaten, Stiftungen und Vermächtnissen, die irgend wie zu den zehn Millionen Erbschaftsstempel, die für die Hinterlassenschaft an den Staat gezahlt werden mußten, in irgend einem nur annähernden Verhältniß stünden, bisjetzt nicht das Geringste verlautete. Da auf diese Weise eine Lücke nicht ausgefüllt worden, muß durch den Tod des Herrn Barons auch keine Lücke gerissen worden sein. Es geht eben Alles so fort, wie es gewesen. Diesen Character trug auch die Todtenfeier, die pompös, aber frostig war, und durchaus keine er greifenden Momente enthielt, wie sie am Rande einer Gruft so leicht sich einstellen. — Es erscheint hier seit dem 1. Januar eine neue jüdische Zeitschrift „La Presse israelite,“ redigirt von Moses Schwab, einem unterrichteten Manne, der eine kleine Geschichte der Israeliten geschrieben, und einige historische Aufsätze in den Archives geliefert hat. Sie erscheint wöchentlich in einem Quartbogen. Mit dem Urtheil will ich noch zurückhalten. Wir haben also jetzt hier drei jüdische Zeitschriften. Die Archives haben, wie sie es seit lange angezeigt, einige Veränderungen erfahren. Sie wollen jetzt auch politische Artikel bringen, zunächst alle vierzehn Tage eine politische Chronik, die nicht sowohl über Thatsachen referiren, als eine Meinung aussprechen sollen. Es ist eigenthümlich, daß die hervorragenden jüdischen Blätter in England, Amerika und nun auch Frankreich seit Kurzem auch nach der Politik gegriffen, und sie sich für ihren Inhalt angeeignet haben. Wir können dies imr für ein Anzeichen halten, daß sie ihren bisherigen Inhalt für das Interesse ihrer Leser nicht mehr für völlig genügend und befriedigend anzusehen Veranlassung gehabt. Die Archives berufen sich dabei auch auf die A. Zeit. d. Judenthums, aber völlig mit Unrecht. Denn die letztere hat zwar die großen politischen und socialen Grundsätze vom Standpunkte des Judenthums aus stets durchgearbeitet und besprochen; sie hat auch in längeren Zwischenräumen von diesem Gesichtspunkte aus Blicke auf die jeweilige allgemeine Weltlage geworfen — aber sie hat niemals die politischen Tagesereignisse regelmäßig besprochen und beurtheilt und somit die Politik zu einem integrirenden Theilc gemacht. Sie hat dies wohlweislich unterlassen, weil sie einentheils