Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1869)
- Date
- 1869-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. Allgemeine _JW _2._ Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philipps»« in Bonn. Leipzig, den 12. Januar 1869. Diese ZkitiUlg erscheint «öchentlich einmal Dienstag», in r ri» 2'/r Bogen. Pre>» de» Jahrgang» 4 Thlr. HÄbiahrig 2 Thlr. Biertcllahrig > Thlr. Inserate werden mit >'/» Nar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehinen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die gottesdienstlichen Fragen. VI. — Zur Characteristik der Debatten über die confessionslose Schule im preußischen Abgeordnetenhause. — Der ungarisch-israelitische Congreß. Hl. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus der Provinz Posen. Donausürstenthümer: Bukarest. Frankreich: Paris. Feuilleton-Beilage: Rüben Wunderbar. -- Aus dem Jahr 1848. Leitende Artikel. Bonn, 1. Januar. Ne gottesdienstliche« Frage«. VI.*) In diesen Tagen erschien „Zur Orientirung in der Cultusfrage. Von vr. M. Joel, Rabbiner der Gemeinde zu Breslau. Breslau. Schletter'sche Buchhandlung 1869." — Wir sind Herrn Dr. Joel für diese Broschüre schon im Voraus dankbar, da sie uns aufmuntert, in unser» Artikeln über die gottesdienstlichen Fragen fortzufahren. Denn da von den sämmtlichen Mitgliedern der Versammlung zu Cassel sich Niemand über diesen Gegenstand vernehmen ließ, so *> Siehe vorigen Jahrgang Seite 751. 773.791. 853. 933. konnten wir leicht zu der Meinung gelangen, daß das Interesse an ihm nicht so lebhaft sei, wie wir es vorausgesetzt. Da nun das vorliegende Schriftchen sich auch nur über die Fragen ausläßt, die wir bereits behandelt haben, so wollen wir, ihr folgend, noch einmal darauf zurücksehen, und dann selbständig mit den Festtagen und den Sabbath- und Festabenden fortfahren. Es versteht sich von selbst, daß auf dem Gebiete der Umgestaltung des Cultus Verschiedenheiten, sowohl in den Gesichtspunkten, als in den Folgerungen vorhanden sind. Nur muß man nicht wähnen, daß es an solchen Verschiedenheiten auch auf dem orthodoxen Gebiete fehle, denn abgesehen von der weitreichenden chassidischen Sekte, welche von der eigentlichen Orthodoxie so überaus verschieden, ja ihr feindseliger als die Reform ist, unterscheidet sich die eigentliche ächte Orthodoxie von der neuorthodoxen Partei sowohl an Inhalt als an Form. Die wahrhafte Orthodoxie hält an dem juridisch-religiösen Boden des talmudisch-rabbinischen Judenthums und an allen Bräuchen und Formen, die dieses geschaffen, unbedingt und unerschütterlich fest, während die Neuorthodoxie, Herrn R. S. Hirsch an der Spitze, eine romantisch-symbolisch-allegorische Anschauung daraufgepfropft und hinsichtlich der Form sich viele Aenderungen erlaubt hat, wie deutsche Predigt, Chorgesang, deutsch Schreiben und Lesen, elegante Kleidung, wenn auch durchaus keine Eleganz in Gedanken und Sprache, vielmehr das Gegentheil. Wir erwähnen dies nur, um zu zeigen, daß Verschiedenheiten in den Ansichten auf Seiten der Reform durchaus weder auffallen können,