Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1869)
- Date
- 1869-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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33. Jahrgang. Allgemeine _Al I Zeitung des Iudcnthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. Januar 1869. Diese Leitung erscheint wöchentlich einma l Dienstags, in 2 bis 2'/r Bogen. Prtts des Jahrgangs 4 Tl-lr. Halbiahrrg 2 Thlr. Vrerteliahng ' Thlr. Insercä werden mit i V., Nar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter mrd Zettungs-Expeditionen nehmen Beftel- ' langen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Kömgl. L>achs. Haupt-Zertungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Unterrichtswesen im preußischen Abgeordnetenhause. — Der ungarisch-israelitische Congreß. II Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Oester reichischer Kaiserstaat: Prag. Donaufürfürstenthümer: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Ein weißes Blatt Papier. - Rüben Wunderbar. Leitende Artikel. Bonn, 20. December. Vas Unterrichtswesen im preußischen Abgeord- »eteichause. Wir haben bereits Einiges aus den Debatten über den Etat des Cultus- und Unterrichtsministeriums mitgecheilt. Diese Debatten zogen sich mehrere Tage hindurch, haben aber weder die Höhe der Ausgabe, noch irgend ein bedeutendes Resultat erreicht. Die Reden waren viel zu weit ausgesponnen, wiederholten sich in monotoner Weise, brachten zumeist dieselben Einzelfälle zur Sprache, ohne für den ganzen Geist, in welchem das preußischer Unterrichtsweseu jetzt geführt wird, einen schlagenden Ausdruck zu finden, und dabei waren diese Einzelfälle nicht alle richtig. Der Cultusminister ist ein scharfsinniger Kopf» und verstand es, einzelne Auslassungen seiner Gegner dialektisch so umzudrehen, daß er sich damit zu rechtfertigen und seine Principien zu decken schien. Freilich stand er im Hause ganz allein und konnte sich nur auf zwei Schnlräthe stützen, und was für welche! Dennoch kann man nicht sagen, daß seine Stellung durch diese Debatten wirklich erschüttert worden sei. Das Weitere haben wir nun von den Debatten über die dem Hause vorgelegten Schulgesetze zu erwarten, wenn diese noch in dieser Session zur Verhandlung kommen sollten. Man erkennt, daß die Liberalen im preußischen Abgeordnetenhause nicht bloß der Zahl nach schwächer geworden. Die Disciplin fehlt unter ihnen, da sie unter einander nicht ohne Gehässigkeit sind. Dadurch mangelt alle Taktik und Ordnung unter ihnen, ein Jeder geht nach Eigendünken vor, und so sind die Erfolge matt und fraglich. Eine der besten Reden, warm, zutreffend und pointirt, war die des Herrn Or. Ko sch, der abermals den Angriff gegen das Unterrichtsministerium betreffs der Anstellung von Juden als Lehrer unternahm. Man muß hier voraus bemerken, daß es sich nur um die Real- und höheren Bürgerschulen handelte, und daß also die eigentliche jüdische Schulfrage hierbei nicht zur Sprache kam; diese letztere kann erst bei den Verhandlungen über die Schulgesetzentwürfe hervortreten. Wir theilen die hauptsächlichsten Stellen dieser Rede nach dein stenographischen Berichte mit. Es war in der 25. Sitzung, am 10. December 1868, wo Herr vr. Kosch folgendermaßen sprach: Meine Herren! Es sind im Laufe der Discuffion der letzten Tage so viele Beziehungen auf meine Glau-