Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1868)
- Date
- 1868-12-22
- Page
- Seite 1038 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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seine Ausbeute nur gering war. Ende März konnte das Werk indeß zu Jerusalem wieder ausgenommen werden, da der Pascha sein Verbot zurückgenommen hatte, und Warren ließ im Ophel und am Schwibbogen Mitergrabcn. — In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden t 800 verausgabt. Man hat jetzt das alte Jerusalem erreicht und mehre seiner Straßen und Gebäude oem Blicke offen gelegt. — Am 11. Juni hielt die Gesellschaft unter dem Vorsitze des Erzbischofs von Jork ihre Jahressitzung. Die Versammlung war sehr glänzend: Der gelehrte Stanley, Dechant von Westminster, der Niniveh-Entdecker Layard, der Judenbekehrende Lord Shaftesbury, Lieutenannt Warren u. A. waren zugegen. Der Bericht verbreitete sich über die zu Tage geförderten Wasserbehätter und Leitungen. Darnach schienen die Angaben des Josephus keineswegs übertrieben. Innerhalb Moria fanv man Teiche, die fünf Millionen Gallonen halten können. Zwischen Zion und Moria fand man einen Bogengang von 40 Fuß Breite. Zahlreiche Wasserleitungen, die südwärts laufen, enden in sarazenisches Mauerwerk. Das Siegel Chaggais, eines Nachkommen von Esra, ward aufgefunden. — In Akra stieß man auf Gewölbe, die Ställe Salomons genannt. Im Norden Palästinas will man Synagogen von sehr früher Bauart und Entstehung entdeckt haben. — Diese Mittheilungen bedürfen natürlich noch der sichtenden Kritik mit Hilfe der talmudischen und späteren Zeugnisse. Bis jetzt sind etwa t 3600 auf die Erforschung verwendet worden. Wir werden von Zeit zu Zeit über den Fortgang berichten. Unabhängig von diesem Unternehmen ist die Expedition, die sich im October nach dem Orient begeben wird, um das S i n a i g e b i r g e geometrisch aufzunehmen und näher zu bestimmen. Die Ruinen, Inschriften rc. sollen näher erforscht und die ganze Sinaitische Halbinsel bis zur Landenge von Suez untersucht werden/ um wo möglich über den Weg der Israeliten Aufschlüsse zu erhalten. Die Kosten sind auf f 1200 veranschlagt. Dagegen ist der abhssinische Feldzug von keinem Ertrage für die Erweiterung jüdischer Volkskunde rc. beglettet gewesen, und wir müssen jetzt abwarten, was der von der Alliance gesandte Herr Halevy uns zu berichten hat. Dabei trug sich folgendes Mißverstand niß zu. Herr Lowe erwähnte gelegentlich im Parlamente, daß >820 das Buch Jaschar von Abyssinien gebracht worden sei. In Folge dessen figurirte das Buch Jaschar mehrere Wochen lang in der Times in einer Unzahl alberner Correspondenzen und bildete, nächst der Nationalschuld, eine der kleineren brennenden Tagesfragen. Seltsam genug, auch die Proselytenmacherei hat sich des Themas bemächtigt, und ein Herr I. B. M'Caul (die Verläumdung des jüdischen Schriftthums ist in der Familie M'Caul erblich) schrieb, daß die Targumim, wenn gehörig erforscht, der christlichen Auslegung von f lute zum Beleg dienen würden. — Den Kennern der jüdischen Literatur brauchen wir kaum zu sagen, daß das einzige Buch dieses Namens, welches in der jüdischen Vorzeit wurzelt, und welches Josua 10, 13., u. 2. Sam. 1, 18. erwähnt wird, längst spurlos verloren ist. Herr Lowe scheint an das apokryphische Buch Henoch gedacht zu haben. Das Drängen nach zeitgemäßer Reform im Gottesdienste macht sich in England langsam, aber unverkennbar geltend, und der Fortschritt läßt sich an einzelnen, wenn auch annoch geringfügigen Erscheinungen Nachweisen. Die Confirmation bricht sich allmälich Bahn: Hüll, Manchester und Bayswater im Westen Londons haben sie eingeführt. Bei den beiden Gemeinden der British Jews, zu London und Manchester, besteht sie schon länger zu Ehren. — Ueber die Abschaffung der zweiten Feiertage war seit Monaten eine lebhafte Discussion geführt worden. Der Oberrabbiner vr. Adler nahm die Sache auf und hielt am letzten Pesach eine Predigt, worin er sich, wie zn erwarten, für die Beibehaltung aufs entschiedenste und nicht ohne Bitterkeit gegen die Gegner, aussprach. Sein Vortrag, der fettbeut im Druck erscheinen und mehr einer Dissertation als einer Kanzelrede gleicht, ist aber höchst unbefriedigend ausgefallen und löste die Frage nach keiner Seite hin. Ja, er hat, da er mit dem Anspruch auftritt, den Gegenstand entgiltig zum Austrag zu bringen, durch die Wichtigkeit seiner Gründe und die Oberflächlichkeit seiner Beweisführung seinem Standpunkt nur geschadet. — In der That ist seitdem eine anonyme Widerlegung, angeblich von zwei orthodoxen Mitgliedern erschienen, die ohne gelehrte Ansprüche sich sehr klar und scharfsinnig im entgegengesetzten Sinne ausspricht. Rußland. Aus der Provinz Posen, im December. (Privatmitth.) Von den Uebergriffen und Ungesetzlichkeiten