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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-12-22 · Heft 52 (22.12.1868) · p. Seite 1036

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 52 (22.12.1868)
Date
1868-12-22
Page
Seite 1036 (sequence 6)
Language
German
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hisigen Strafgerichte als Zeuge in der Untersuchungssache Peter den Eid unbedeckten Hauptes und ohne Auflegung der Hand auf die Thora ablegte, ist vom Prediger der hiesigen Jsraelitengemeinde, Herrn Dr. Jellinek, ein schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben für sein Verhalten in dieser Angelegenheit zugekommen. Herr Dr. Jellinek giebt in demselben seiner Genugthuung darüber Ausdruck, daß Herr von Schey die Initiative ergriffen habe, sich die Rechte des Eides mors judaico nicht gefallen zu lassen, und betont, daß er seinerzeit anläßlich des der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom Justizministerium abgeforderten Gutachtens in der Frage des Judeneides für eine von allen confessionellen Zuthaten freie Form der Eidesleistung standhaft eingetreten, leider aber in der Minorität geblieben sei. Wie wir vernehmen, hat das Beispiel des Herrn von Schey Nachahmung gefunden und wurden kürzlich mehrere Israeliten auf ihr Verlangen mit Außerachtlassung der „confessionellen Zuthaten" vom Wiener Strafgerichte in Eid genommen. Wien, 9. Decbr. Der Localbericht der „N. fr. Pr." meldet folgendes: Die Hauptstraße von Hernals war gestern mit einbrechender Dunkelheit der Schauplatz einer Scene, welche man kaum für möglich gehalten hätte. Der Eisenhändler, Herr Marcus Reumann, war eben im Begriffe, sein Geschäfts local zu schließen, als drei stämmige Bursche mit dem Rufe: „Heut muß's a Hetz geben," ihn daran verhindern wollten. Neumann suchte dem provocirtcn Streite auszuwcichen und schlug den Gewölbladen hinter sich zu. Nunmehr stürzten sich die Bursche auf den Laden und versuchten denselben zu erbrechen, und als ihnen dieses nicht gelingen wollte, begannen sie das Fenster zu zertrümmern, die Nahmen herauszureißen, um auf diesem Wege in den Laden zu gelangen. Bald hatte sich eine unabsehbare Menschenmenge in den Straßen angesammelt, welche dem Spectakel zusah. Die Bursche, durch den Beifall, der ihnen für ihre Heldenthaten von den angesammelten Gesinnungsgenossen zu Theil wurde, ermuthigt, begannen nun mit Eisenstangen sich zu bewaffnen und den Kampf gegen die Dienstleute Neumann's zu führen. Da dieselben jedoch zu hitzig in das Gefecht vordrangen, bluteten bald ihre Köpfe, und nunmehr begann ein wüster Lärm mit dem Rufe: „Das Judenhaus muß heut in Flammen aufgchen, brennen muß's, wer sich außi wagt, wird geschlagen!" In dem belagerten Haufe schwebten sechs kleine Kinder, ein 80jähriger Greis und eine steinalte Frau in Todesangst. Mittlerwelle begann der Kampf in Vertheidigung der Eisenburg größere Dimensionen anzunehmen, da erschien endlich ein „Vertrauter" und postirte sich am Thore, und auch ein Nachbar, ebenfalls Eisenhändler, schickte seine Dienstleute dem bedrohten Hause zu Hilfe. Um Mitternacht endlich war Ruhe und Frieden in Hernals. Wie man versichert, hatten sich mit'Ausnahme des oben erwähnten „Vertrauten" keine Wanderen Polizei-Organe auf dem Schauplatze dieses Excesses eingefunden. (Wir sehen in der That, daß Herr Bratiano immer mehr Stoff zu einer Drohnote gegen den Herrn v. Beust bekäme, wenn er noch Minister wäre.) Pest, 10. December. (Privatmitth.) Papst und Gegenpapst! Die Geschichte copirt sich bekanntlich öfters im Großen wie im Kleinen. Eine solche sehr treu und zutreffende Copie spielt sich jetzt in Ungarn ab. Das Schauspiel vom Papst und Gegenpapst mit deren gegenseitigen Verketzerungen und Verbannungen, das uns das Mittelalter so häufig darbietet, tritt hier in neuer Auflage auf. Wir haben vor kurzem zwei Rabbinerversammlungen gehabt, die eine von circa vierzig Rabbinern besuchte, die von Herrn Rabbiner Hirsch in Altofen zusammcnberufen wurde und unter dessen Vorsitz in Altofen tagte — und die andere vom Schomre Hadath (Hitör) ausgeschriebene General- und Rabbinerversammlung, die unter dem Vorsitz des H. Rabbiners S. W. Schreiber in Preßburg in Ofen tagte und von ungefähr 200 beschickt wurde. Das Ergebniß der letzteren war eine Petttion an den Cultusminister: der Versammlung zu gestatten, einen Ausschuß zu wählen, welchem der Minister die Beschlüsse des von ihm berufenen jüdischen Congresses vor der Sanktionirung zur Prüfung vorlege, so daß diese nicht eher Gesetzeskraft erlangen, als bis sie von dem Ausschuß gebilligt und nöthigenfalls modificirt worden seien! Dies ist eine Forderung, wie sie wohl so leicht noch nicht gestellt worden ist. Der Minister läßt die Juden mit allgemeinem Stimmrecht Deputirte wählen, und was diese beschließen, soll von dem Gutheißen und Modifiziren eines Ausschusses einer Partei abhängen! Es scheint, als ob diese Männer im Sinne hatten, aus ihrer Machtvollkommenheit ein

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