Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1868)
- Date
- 1868-12-15
- Page
- Seite 1030 (sequence 20)
- Language
- German
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Aufspringen bezeugten, so daß einige von ihren Schleiern wie bei maurischen Tänzen herumflogen, nur daß ihnen die Schellen fehlten. Dieser Vormittagsgottesdienst dauerte ungefähr drei Stunden, von neun bis zwölf; als er beendet, thaten sie Alle ihren Schleier ab, gingen und legten ihn und ihr hebräisches Gebetbuch in ihren Kasten, und nachdem sie diesen verschlossen, gingen sie fort. Mein Rabbiner lud mich später ein, doch der Feier des Purimfestes beizuwohnen, welches sie, wie er sagte, zur Erinnerung an die Befreiung aus Hamans Verschwörung hielten, die im Buche Esther erwähnt wird; dabei trampen sie und schlagen laut auf, wenn Haman genannt wird. Auch forderte er mich auf, sie das Passamahl essen zu sehen, und er brachte mich bis an die Thüre des Ortes, aber ich fühlte solchen Widerwillen in mir, daß, da ich meine Neugierde theilweise befriedigt, indem ich einmal ihren Gottesdienst beigewohnt, mein Herz mich auf keine Weise noch einmal unter diese Ungläubigerl gehen lassen wollte, an einen Ort, wo mein Herr und Erlöser Jesus Christus, in dem . all' meine Hoffnung und mein Vertrauen für immer liegt, nicht anerkannt wurde. So ging ich wieder weg, ohne es gesehen zu haben; obgleich ich später erfuhr, daß mehrere da gewesen, um sie essen zu sehen, sich auch einige der ungesäuerten Brode mitgenommen und sie einigen zeigten, welche mir sagten, daß sie in einem Jahre zu Olivers Zeit an der anderen Seite der Themse Hütten gebaut und das Laubhüttenfest in diesen gefeiert hätten; aber seitdem der König hinein gekommen, sind sie ganz verschlossen, noch erlauben sie Jemandem, sie zu sehen, wenn nicht ganz im Geheimen. Als ich in der Synagoge war, zählte ich ungefähr hundert richtige Juden, ein Proselyt war darunter; sie waren alle Gentlemen (Kaufleute, ich sah keinen einzigen Handwerker unter ihnen; die meisten-von ihnen waren reich gekleidet, mit blitzenden Juwelen geschmückt (denn sie sind die reichsten Juweliere überhaupt); sie sind Alle gewöhnlich schwarz, so daß man sie von den Spaniern oder geborenen Griechen unterscheiden kann, denn das Haar der Juden hat eine tiefere Färbung von einem vollkommneren Rabenschwarz; sie haben ein bewegliches, durchdringendes Auge, und sehen sehr intelligent aus; einige von ihnen sind stattlich, hübsch, wahre Gentlemen. Ich kannte viele von ihnen, da ich sie täglich auf der Börse sah, sogar der Priester, der auch ein Kaufmann ist, war da. Es wäre langweilig, die verschiedenen Dispute zu erzählen, die ich mit meinem Rabbiner bei unserem Zusammensein hatte, und seine seltsamen rabbinischen und wirklich unvernünftigen Gründe gegen Christus. In einem Wort, der Fluch liegt aus ihnen bis zum Aeußersten; und sie haben einen größeren Schleier über ihrem seelischen Auge, als den, welcher ihren Kopf bedeckt; sie sind so fest mit einem unüberwindlichen Borurtheil gegen das Kreuz Christi behaftet und so aberwitzig auf ihren, eingebildeten Messias, der einst als König kommen und alle Fürsten der Erde besiegen und ihre Nation zur Herrin der ganzen Welt machen wird, daß ein Beweis von den strengsten, klarsten und überzeugendsten Gründen, die für Christus gebracht werden können, nur ein Pfeil ist, der gegen eine eherne Wand geschossen wird. Leu« vale mi Thomä et ora tu pro Judaeis, et pro miserrimo peccatore omnium "Christianorum. Ille tuus olim iraterrimus et in perpetuum frater ubicunque terrarum, London, 22, April. 1662. Jo. Greenhalgh. Quod ad Judaeos. Coepit ab bis, delata ad nos, referetur ad illos Nostra fides, et erunt sub Mundi fine fideles. Für meinen werthen Freund, Sir Thomas Crompton, Pfarrer von Astley Chappel, These. ' Kleine Mittheilungen. Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, daß die deutsche Musik von Protestanten begründet, von Katholiken zu ihrer höchsten Entfaltung gebracht und von Juden fortgeführt worden. Unter den ersteren sind die Bachs und Haendel, unter den zweiten Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven, unter den letzteren Mendelssohn und Meyerbeer hervorzüheben, abgesehen von den vielen immerhin bedeutenden, jenen aber nicht gleichen Componisten. Curiosum. Der Graf Bismark (geboren 1815) hatte als Student sehr viel Duelle; das allererste in Berlin mit einem tapferen Jüngling mosaischen Glaubens, Namens Wolf; Bismark ward dabei am Bein verwundet und hieb seinem Gegner die Brille ab. (Es scheint nach diesen Erfolgen, daß dieses Duell wirklich zu den ersten Fechtversuchen der beiden Helden gehört habe.) Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.