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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-24 · Heft 48 (24.11.1868) · p. Seite 967

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 48 (24.11.1868)
Date
1868-11-24
Page
Seite 967 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuiüeton-öellage;n Ar. 48. s Leipzig, den 24. November 1868. Eine Mortaragefchichte auf der Bühne. Referat von Louis Weyl in Frankfurt a. d. Oder. II. Das Drama. (Fortsetzung.) Im folgenden Akte, welcher der vierte und letzte ist des ganzen Stückes, finden wir Paula in einer am Gvlf gelegenen, reizenden Villa, mit welcher sie an eben diesem Morgen von ihrer ungeheuer reichen Mutter ist überrascht worden. Denn heute ist Paulas Geburtstag, — und weil dies Gräfin Bianca v. Lomellini genau weiß, so ist sie gekommen, um den Liebling ihres Herzens — nach mondenlanger Trennung von demselben — wieder einmal zu sehen, zu beglückwünschen, an den Busen zu drücken und — wenn irgend möglich — gar mit sich zu nehmen. — Daß dies Letztere ihre Hauptabsicht, — daraus macht die Gräfin gar kein Geheimniß; vielmehr sagt sie's der Jüdin freimüthig in's Gesicht und giebt als Grund dafür an, daß Paula leide, daß sie nicht mehr zufrieden, nicht mehr glücklich sei. — Und, in der That! Gemea's Tochter fühlt in ihren neuen Verhältnissen sich nichts weniger als glücklich. Man sieht es ihr an; man liest es deutlich aus ihren Zügen, daß ein tiefer Kummer an ihrem Herzen nagt, daß ihr Inneres von Gram erfüllt ist und von quälender Sehnsucht nach Dem, was sie besessen und verloren. — Aber auch Gemea hat mit ihrer Tochter das lang erhoffte und ersehnte „Glück" nicht gefunden. Ist ja Paula, obschon zu der jüdischen Mutter zurückgekehrt, dem christlichen Glauben treu geblieben. Die Mutter weint beständig, wenn die Tochter betet, — und der tendenziöse Dichter läßt die Erstere sogar sagen: „Es ist ja ein anderer Gott, als der meinige, den mein Kind anruft!" — Sie weiß auch, daß Paula noch mit derselben Liebe, wie ehedem, an der Pflegemutter hängt, und sie jammert darum: „Mein Kind habe ich wiedergefunden, doch mein Herz ist leer und öde geblieben, wie zuvor." — Sie will jetzt entschieden, daß das Mädchen selber wähle zwischen ihr und der Fremden, — wünscht sich aber, wenn die Wahl die Letztere träfe, den Tod, sowie sie denselben alsdann auch sicher hofft. „Denn" — ruft sie in fanatischer Exaltation aus — „ganz und allein will und muß ich von meinem Kinde geliebt werden, wenn ich leben soll! Das Unglück hat mich eifersüchtig und neidisch gemacht. Ich beneide das Weib, das meine Tochter erzogen, ich beneide ihren Verlobten, und ich beneide sogar ihren Gott um die Liebe, die mir allein gehört!" — Bei diesen Worten eben war die Gräfin in's Zimmer getreten, von der Jüdin aber nicht bemerkt worden, welche fortfährt: „Ja, ich will eine Entscheidung haben! dieser Zustand muß ein Ende nehmen, gleichviel um welchen Preis!" — Und die Gräfin ist sehr bereit, die gewünschte „Entscheidung" mit herbeizuführen. Doch als sie sprechen will, wird sie von Gemea mit Heftigkeit angefahren, welche ihr vorwirst, daß sie einzig und allein daran schuld sei, wenn jetzt das Kind seine natürliche Mutter nicht mehr liebe. „Eine Tochter habt ihr mir genommen und eine Fremde mir zurückgegeben. Noch mehr. Ihr habt sie gelehrt, mein Volk zu hassen und zu verachten. Ihr habt's verstanden, die Grausamkeiten, die dieses Volk Jahrhunderte lang von den Christen erduldete, in ihren Augen als gerechte Strafe Gottes darznstellen, so daß sie jetzt sogar sich freuen und aufjauchzen kann bei der Erzählung von all' der Schmach, die ihren Vätern widerfahren. — Mag Diebstahl, Raub und Mord Verzeihung finden vor den Menschen und Gnade vor Gott, — eine Sünde, wie die Eurige, findet sie nicht. Und wenn ein Gott dafür Verzeihung hätte, so würde ich ihn verleugnen, würde meine Hände erheben und ihn verfluchen!" Bianca betheuert,daß sie, als sie Paula zu sich nahm, geglaubt habe, ein gottgefälliges Werk zn verrichten, daß sie die Folgen ihres Thuns nicht bedacht und daß sie am wenigsten geahnt, dadurch der wahren Mutter des Kindes so viel Leid zu bereiten. Sie bereue tief das Unrecht, das sie gethan, und bitte voll Scham um Vergebung. Aber noch um etwas Anderes bitte sie flehentlich, nämlich, daß ihr Paula — zu deren eigener Erholung und Stärkung — jetzt auf einige Wochen

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