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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 933

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 933 (sequence 3)
Language
German
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933 kennt, muß die Unentbehrlichkeit der positiven Religion zugeben. Nicht allein, daß verhältnißmäßig nur eine geringe Zahl von Menschen sich die höchsten Fragen zu stellen und durch selbstständiges Denken und Forschen irgendwie zu beantworten vermögen, daß nur die Begabtesten den Faden von den obersten Prinzipien bis zum praktischen Leben vollständig auszuspinnen befähigt sind, und endlich daß nur sehr Wenige sich in allen Lagen des Lebens auf der Höhe des Denkens erhalten können, um in ihnen den Blick auf die höchsten Ziele sich zu bewahren: so ist eben den wechselnden Systemen der Philosophie und der Individualität, die in ihnen liegt, gegenüber ein Bestehendes, Dauerndes und der Gesammtheit Entflossenes, die Gesammtheit Bindendes und Repräsentirendes nothwendig. Aber ebenso wird der Vorurtheilsfreie die Unentbehrlichkeit der Philosophie anerkennen müssen. Denn abgesehen, daß sie von dem Erkenntnißtriebe des Menschengeistes gefordert wird, und dem Denkverlangen des Individuums Befriedigung schafft, schützt sie vor dem Ver-- sinken in unbedingtes, zum Aberglauben führendes Glauben, welchem sich die positiven Religionen unter der Einwirkung der von ihnen sanctionirten Priester- und Lehrerschaft so leicht ergeben, bildet sie also ein Kriterium für die positive Religion selbst, entwickelt sie das Erkenntnißverwögen des Menschengeistes und giebt Methode und Befähigung für alle Wissenschaften ab, befruchtet also den Menschengeist im Allgemeinen und Einzelnen. Bon der Warte der Philosophie aus wird man daher immer wieder die positive Religion betrachten und beurtheilen. Aber ebenso ist es gegeben und gefordert, von der Warte der positiven Religion aus die Philosophie, ihre obwaltende Richtung und ihre Erzeugnisse zu betrachten und zu beurtheilen. Das Letztere wollen wir wieder einmal, wenn auch fragmentarisch und in einigen Punkten unternehmen. Die gottesdienstlichen Fragen, v. 4. Die Haphtoroth. Bekanntlich hat die Rabbinerversammlung zu Cassel mit sehr überwiegender Mehrheit votirt für: 1) den dreijährigen Chklus der Thoravorlesung (selbstverständlich in der Ursprache); 2) für die Beibehaltung der Haphtoroth; 3) für den Vortrag der letzteren in der Landessprache; 4) für eine Auswahl der Haphtoroth sowohl aus den D'tC’aj (Propheten) als auch aus den crairo (Hagiographen). Da nämlich die bisherigen nur für den einjährigen Cyklus vorhanden sind, so müssen für die beiden anderen Jahre des dreijährigen Cyklus andere Haphtoroth festgestellt werden. Neuerdings haben nun mehrere Gemeinden, welche die obigen Beschlüsse adoptirt haben, oder adoptiren wollen, sich an uns mit der Frage gewandt, wie sie es mit den Haphtoroth zu halten hätten. Früherhin waren bei einigen Gemeinden, welche den dreijährigen Cyklus angenommen hatten, die Haphtoroth .weggelassen worden, so daß man in diesen kein Vorbild hat. Dieselbe Frage ist bereits im Jahre 1846 wiederholt an uns gestellt worden, und wir hatten sie in Nr. 42, 44 und 45 beantwortet. Unsere dort entwickelte Ansicht theilen wir noch heute, und da jener alte Jahrgang nicht Vielen mehr zugänglich ist, so wollen wir dieselbe noch einmal zur Sprache bringen. Bis zu einer definitiven Feststellung durch eine spätere Versammlung kann sie von denen verwendet werden, welche sich in obiger Verlegenheit befinden. Wir stellten einen dreijährigen Cyclus von Haphtoroth nach folgenden Grundsätzen auf: 1) So wie im dreijährigen Cyclus die min vollständig verlesen wird: so sollte auch in demselben Zeitraum ganz °i": durchgenommen werden, jedoch, da Vollständigkeit hier nicht möglich, in der Auswahl nach einander folgender bedeutender Stücke. 2) Zur Anlehnung an den bisherigen Brauch, und zugleich um eine gewisse Abwechslung in die Verlesung der Haphtoroth zu bringen — denn man darf den Gottesdienst, der das ganze Volk interessiren soll, nicht zu sehr in die Schnürbrust theoretischer Genauigkeit binden — werden die bisherigen Haphtoroth an denSabbathen, an welchen der Anfang einer bisherigen Sidra verlesen wird, beibehalten, jedoch wieder mit Ausnahme derer aus den geschichtlichen Büchern in der Zeit, wo aus diesen alle Haphtoroth genommen werden, nemlich im ersten Jahre. 3) Die Haphtoroth der Festtage werden beibehalten, und bleiben diese daher aus dem Cyklus ausgeschoffen. Diese Anordnung hat den Vorzug, a) weil sie die Willkür vermeidet, da sie einen naturgemäßen Verlauf durch die ganze Schrift nimmt; b) weil sie die Bekannt- 47*

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