Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1868)
- Date
- 1868-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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32 Jahrgang. Allgemeine JV2 48. Zeitung -es Autzcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dir. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 10 November 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2*/*2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Zrierteljährig I Thlr. Inserate werden mit t */2 ^tgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier'unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Umschau. — Literarischer Wochenbericht: Bonn^Aus Galizien. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus der Provinz Posen, Franksurt a. d. Oder. Oesterreichsscher Kaiserstaat: Wien. Feuilleton-Beilage: Die hundertjährige Geburtstagsfeier des Israel Jacobson, Stifter der Iacobschule in Seesen.— Antwort aus eine Frage. — Kuriosa. Leitende Artikel. Bonn, 1. November. Eine Umschau. Das Jahr 1868 steht allerdings erst in seinem letzten Viertel, uno Niemand kann voraussehen, was seine letzten beiden Monde noch bringen können. Und den» noch barg es im Schoße seiner Vergangenheit des Eigenthümlichen, Ueberraschenden und Gegensätzlichen so Vieles, daß es jetzt schon reizt, sich dessen bewußt zu machen, es zusammen zu stellen und seinen Charakter zu erkennen. Dies findet eben so sehr im Allgemeinen, wie in den speziellen Beziehungen der Juden statt, und man braucht nicht mehr hervorzuheben, daß sich in den Verhältnissen der letzteren ein Prinzip ausprägt, das integrirend zum modernen Staats- und Volksleben gehört. Ueberlassen wir uns daher dieser Betrachtung. Ja, dieses Jahr 1868 wird in der Geschichte in seiner Eigenthümlichkeit vor anderen hervorstechen. Wir hatten in ihm keinen Krieg, keinen Zusammenstoß der Waffen von irgend erheblicher Bedeutung. Und dennoch lebten wir in einem, dem Kriege ähnlichen Zustande. Denn überall wurde in einem kaum dagewesenen Umfange zum Kriege gerüstet, die Heere reorganisirt und vermehrt, dis Waffen umgearbeitct und aufgehäuft, und für alles dies die außerordentlichsten Geldopfer gebracht. Andererseits herrschten überall Kriegsbefürchtungen, welche die seit 1866 ins Stocken gerathene Industrie nicht zu neuem Aufschwung kommen ließen und die Kapitalien aus den Verkehrsverhältnissen zurückhielten. Glücklicherweise war dasselbe Jahr von äußerster Fruchtbarkeit, sonst würden sich die Folgen solchen Zustandes in erschreckender Art fühlbar gemacht haben. Und dennoch, und dies ist das erste Gegensätzliche, das sich aber als Wirkung jener Ursache erklären läßt, lebt in allen Völkern wie noch nie die Sehnsucht nach allgemeinem Frieden der Widerwille gegen jede kriegerische Thätigkeit und der Ruf nach Entwaffnung wurde iuuner lauter. Auch zeigte es sich bereits, daß die durch unersättliche Kriegsbudgcts bewirkten Finanznöthen dennoch zuletzt zu Heeresreduktion eu zwingen werden, wenn diese auch bis jetzt nur scheinbar durch Beurlaubungen und spätere Rekrutenausstellungen sich manifestiren. Der Zustand ist rein kurios, und wird dereinst, wenn er seinen Druck auf alle realen Verhältnisse nicht mehr ausüben wird, fast lächerlich erscheinen. Im Grunde will Keiner und fürchtet Jeder den Krieg; Alle rüsten, aber nur um den Anderen durch Furcht in Schranken zu halten, die den Frie-